Unsere Trekkingtour zum Inle See

Unsere Trekkingtour zum Inle See

Nachdem wir uns in die Tempelstadt Bagan verliebt hatten und schweren Herzens Abschied nahmen, stürzten wir uns direkt in das nächste Abenteuer. Auf der Suche nach weiteren schönen Orten und Erlebnissen in Myanmar, lasen wir von einer Trekkingtour zum Inle See… und da der See ohnehin Teil unserer Reiseroute sein sollte – warum eigentlich nicht dahin laufen…? Der Inle See ist der zweitgrößte See des Landes und liegt im Zentrum Myanmars, inmitten der Shan-Hügel, ungefähr 880 Meter über dem Meeresspiegel. Er hat eine Fläche von circa 115 Quadratkilometern und eine mittlere Tiefe von gerade einmal 1,50 Meter. Genug Wasser für die berühmten, einbeinig rudernden Fischer und ein weiteres “Muss” für jeden, der dieses Land besucht. Also warum den einfachen Weg wählen und direkt zum See fahren, wenn man auch dahin laufen kann? …Wir2Weltenbummler eben… 🙂

Startpunkt war das 50 Kilometer entfernte Örtchen Kalaw. Geplant hatten wir zwei Tage wandern mit einer Übernachtung im Kloster. Es hätte auch die Option drei Tage/ zwei Nächte gegeben aber wie ihr wisst, sind wir aufgrund diverser Erfahrungen etwas vorsichtig geworden – also reichte uns dieses Mal eine einzige abenteuerliche Nacht ohne Bett und waschen und ähnlichen nebensächlichen Dingen. Wir verbrachten also die nächsten 30 Stunden zusammen mit unserem Guide Julie, einem weiteren Deutschen, Thomas, und zwei israelischen Mädchen, Thalia und Nitsan. Angenehmer hätte unsere kleine Gruppe tatsächlich nicht sein können. Julie war eine typische Birmesin, bescheiden, schüchtern und sehr angenehm in ihrem Wesen. Auch unser deutscher Freund, obwohl wir „Landsleute“ im Urlaub ungefähr so mögen wie juckende Moskitostiche, war eine gute Reisebegleitung. Und die zwei Israelis faszinierten uns sowieso von Anfang an. Nicht nur, weil uns das Land damals schon komplett begeisterte, sondern weil hinter den jungen Jüdinnen einfach so viel spannende Geschichte steht. Nitsan, zum Beispiel, besitzt deutsche, britische und marokkanische Vorfahren, hat gerade ihren zweijährigen Militärdienst hinter sich gebracht (welchen übrigens jeder Israeli machen muss!) und möchte jetzt erst einmal vier Monate durch die Welt reisen. Habt ihr gewusst, dass israelische Staatsangehörige auch heute noch nicht in das muslimische Indonesien einreisen dürfen??? Wir schreiben das Jahr 2018! Das ist doch echt verrückt oder? In solchen Momenten halten wir uns gern vor Augen, wie glücklich wir als Deutsche eigentlich sein können. Wir haben alle Freiheiten und können immer reisen… wann und wohin wir wollen, brauchen teilweise nicht einmal ein Visum und sind nahezu überall herzlich willkommen…

Zu schade, dass wir das alles in unserem Wohlstand, unserer Selbstverständlichkeit und unter unserer Käseglocke so oft vergessen…

Aber zurück zur Trekkingtour 🙂 …die nämlich wirklich mega schön und entspannt war. Während der ersten Stunden liefen wir größtenteils durch Chili-, Auberginen- und Knoblauchplantagen.

Knoblauchanbau – Myanmar Style

Hier, im Hinterland ist unsere gesuchte Ursprünglichkeit zu Hause. Die Menschen bewirtschaften ihre Felder und verarbeiten alle Rohstoffe per Hand. Das alles zu sehen und zu erleben ist wirklich verrückt! Wir können uns nicht einmal ansatzweise in diese Lebensweise hinein versetzen… wahrscheinlich hätten wir dann 200 Jahre eher leben müssen. Was für uns unvorstellbar ist, machen diese Menschen hier noch mit voller Überzeugung! Manchmal fragen wir uns, ob sie sich annähernd vorstellen können, wie ein normaler Europäer überhaupt lebt…? Im nächsten Moment sagen wir uns aber… vielleicht ist es doch besser, wenn sie von all’ dem KEINEN BLASSEN SCHIMMER haben! Wir haben das Gefühl, dass es den Menschen hier gut geht. Ausnahmslos jeder begegnet uns mit einem Lächeln… Es ist alles gut so wie es ist!

Büffel – Badetag!

Beim wandern durch die schönsten Berglandschaften Myanmars wird nach und nach jeder in unserer kleinen Gruppe immer stiller, sodass unsere Tour schon fast meditative Wirkung hat… wir laufen alle hintereinander über die schmalen Wege und Pfade, jeder ist mit sich selbst beschäftigt, denkt wahrscheinlich über hunderte Dinge nach, macht sich Gedanken über Gott und die Welt… und manchmal lassen uns die an den Rändern wachsenden Weihnachtssterne (die übrigens natürlicherweise an riesigen Sträuchern und Bäumen wachsen) sogar ein wenig an die heimische Weihnachtszeit erinnern 🙂 

Gegen Abend kommen wir, gefühlt mitten im Nirgendwo des birmesischen Berglandes, an einem Kloster an. Neben ungefähr 30 Katzen lebten hier noch 12 Novizen, also kleine Jungen, welche einmal Mönche werden möchten und deren Lehrer, also die, die schon Mönche sind 🙂 

Julie führt uns durch das Nachtquartier… was bei drei wichtigen Örtlichkeiten – wir nennen sie der Einfachheit halber „Esszimmer, Schlafzimmer und Bad“ – schnell getan ist. Es ist eines der typischen Klöster Myanmars. Diese Bauten sind größtenteils aus Holz und stehen auf Stelzen. Das Erdgeschoss wird aufgrund der Temperaturen, welche hier oben mitunter bis auf den Gefrierpunkt sinken, und der ganzen kleinen Tierchen kaum genutzt. Hier spielt sich alles im Obergeschoss ab. Vorstellen muss man sich das wie einen großen, leeren Dachboden mit einer Ecke voller Buddha-Statuen. Nur dass dieser hier nicht als Abstellfläche, sondern als kompletter, vollwertiger Lebensraum genutzt wird. Die Mönche (oder die, die es einmal werden wollen) schlafen, meditieren, lernen, spielen und essen hier. Es gibt keine Möbel und es erinnert rein gar nichts an ein zu Hause, wie wir es kennen… aber das ist hier DAS WAHRE LEBEN und völlig normal! 

Glücklich ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht.

Auch die Toiletten lassen wieder jedes einzelne Haar am Körper einzeln aufstellen. Wir haben ja mittlerweile gar nichts mehr gegen diese einfachen ebenerdigen Toilettenschüsseln… im Gegenteil, meist sind die sowieso hygienischer! Aber wenn wir die Schüssel vor lauter Dreck nicht mehr erkennen, der Gestank uns die Tränen in die Augen treibt und die Spinnen in diesen Buden so groß sind, dass wir selbst kaum noch rein passen… dann ist das schon sehr hart!

Stellt euch doch einfach einmal vor, ihr müsst vor dem Schlafengehen noch einmal auf die Toilette… wie es die Gewohnheit eben so mit sich bringt. Es ist stockfinster, denn Strom gibt es hier nicht und der Generator wird spätestens um 20 Uhr abgeschaltet! Also… ihr müsst noch immer dringend auf Toilette! Dann geht ihr, bewaffnet mit der Handy-Taschenlampe über den dunklen Hof, auf eines dieser Dinger da oben! Unsere Wahl fiel übrigens auf das zweite von rechts… Gerüchten zufolge sollte das „das Beste“ sein! Du gehst also rein, ignorierst mit all’ deinem Mut schon die kleinen Krabbeltiere und den Gestank, versuchst dich irgendwie so dünn es geht zu machen, um bloß die Wände nicht zu berühren, hälst die Luft an, hockst dich langsam hin, leuchtest aus purem Leichtsinn alle Ecken der Reihe nach aus und auf einmal… sitzt dort eine Spinne so groß wie dein eben benutzter Suppenteller!!! Dein Körper vergisst in dem Moment ALLE Bedürfnisse, will nur noch raus aus diesem Loch! Mit einem Puls von 300 nimmst du deine Beine in die Hand und springst! Blöd nur… wenn die so schon durch „herbe Verluste“ gestrafte Hälfte von uns während dieses Überlebenskampfes WIEDER das Telefon (wir erinnern, wir haben nach der Bootsfahrt nur noch eins!) fallen lässt und es fast im Gülleabfluss versenkt – da wird es selbst in der besten Ehe durchaus auch einmal laut! 🙂 Nach dieser Aktion blieben auf jeden Fall alle wichtigen Dinge, welche kaputt gehen könnten, bis auf weiteres in der Obhut der anderen 50 Prozent 🙂 🙂 🙂 Und wir haben uns ab diesem Zeitpunkt gegen die Nutzung der Toiletten entschieden… so ein dunkler Wald ist doch auch wunderschön 🙂

Geschlafen haben wir im übrigen in diesem Nachtlager – wie die Ölsardinen – zu fünft – in unserer kleinen Gruppe. Könntet ihr euch etwas Gemütlicheres vorstellen?

Auf jeden Fall wird diese Nacht zum 35. Geburtstag wohl immer unvergessen bleiben!

Ungewaschen, mit müden, dicken Augen, bis oben warm eingepackt und mit muffigen Decken bis zum Hals bedeckt zwischen zwei Israelis und einem Deutschen morgens im Kloster wach zu werden, ist definitiv nicht die beste Option für ausschweifende Geburtstagsglückwünsche 🙂 ABER wir können immerhin behaupten, dass es SPEZIELL war! Es ist schon eine kleine Herausforderung, nur mit Blicken zu gratulieren, jegliche körperliche Nähe zu unterdrücken und unser kleines Geheimnis für uns zu behalten. Das schien uns das einzig Angemessene in einem Kloster. Außerdem hatten wir uns versprochen, keine extra Geschenke auf Weltreise zu machen… und daran hielten wir uns auch. Immerhin beschenken wir uns seit über zwei Monaten täglich mit den tollsten Erlebnissen… und auch an diesem besonderen Tag warteten noch richtig viele wunderschöne Eindrücke auf uns…

Der Abschluss unserer Trekkingtour, eine der typischen Bootsfahrten, zeigte uns die Schönheit des Inle Sees. Nach den 35 Kilometern zu Fuß, war das wirklich das Allergrößte und wir wussten jetzt schon, dass sich der Weg gelohnt hat. Es offenbarte sich eine weitere wunderschöne Landschaft Myanmars. Wir können nur immer wieder betonen, wie toll dieses Land ist. Schwimmende Dörfer, Märkte, Gärten und diese einzigartigen Fischer machen den See zu etwas ganz Besonderem.

So verbrachten wir noch zwei weitere wunderschöne Tage in dieser Region, genossen die Zeit und hielten uns einmal wieder bewusst vor Augen, was wir eigentlich seit über zwei Monaten tun… nämlich nur das, was wir wollen und was uns gefällt! Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und muss sich den Blick erst wieder frei kämpfen! Jene Zeiten, in welchen wir vergessen wie gut es uns eigentlich geht! Komischerweise gibt es diese Phasen in allen Lebenslagen… selbst am anderen Ende der Welt. Aber nach zwei birmesischen Bier wissen auch Wir2 wieder, dass es uns richtig gut geht und dass wir uns derzeit einen Lebenstraum erfüllen! DAS IST EIN WIRKLICH TOLLES GEFÜHL 🙂

Unser romantischstes Candle-Light-Dinner aller Zeiten 🙂 08.12.2018

Es sind die kleinen Dinge, die du schätzen musst… die für jeden selbstverständlich sind. Dann wirst du glücklich sein.
Unsere ersten Tage in Myanmar

Unsere ersten Tage in Myanmar

Myanmar… hört sich der Name allein nicht schon mystisch und abenteuerlich an? Uns hat dieses Land von Anfang an extrem fasziniert, wodurch es auch fester Bestandteil der Reiseroute wurde. Auf die Frage „Warum?“ haben wir ehrlich gesagt keine wirklich sinnvolle Antwort. Es ist wieder einmal so ein gemeinsames Bauchgefühl und zugleich Herzensangelegenheit. Das Land weckt das Fernweh in uns, trägt etwas Fremdes, noch Unentdecktes in sich, beinhaltet Ungewissheit, Neugierde und einfach Lust auf mehr… Vielleicht erwarten wir hier eines der ursprünglichsten aller südostasiatischen Länder, die wenigsten Touristen und den tiefsten Einblick in das „wahre und wirkliche“ Asien.

Myanmar, auch Birma (deutsche Bezeichnung) oder Burma (englischer Name) erlangte erst im Januar 1948 die Unabhängigkeit. Nach jahrelanger britischer Kolonialherrschaft und katastrophaler Zerstörung durch erbitterte Kämpfe des Vereinigten Königreichs gegen die Japaner im 2. Weltkrieg, wurde das Land im Anschluss zur Militärregierung und bekam erst 2011 einen zivilen Präsidenten als Staatsoberhaupt. Die heutige Republik ist durchzogen von alten Strukturen und kämpft Tag für Tag für die Umsetzung der neuen demokratischen Regierungsformen. Wir selbst merken nichts davon, wir erfahren lediglich die wundervolle birmesische Gastfreundschaft und den wahnsinnig traurigen Kampf um das Geld der Touristen. Auf uns wirkt Mandalay, als die zweitgrößte Metropole des Landes, wie eine Mischung aus dem chaotischen Delhi und dem sympathischen Durcheinander Hanois… und ja, an manchen Ecken könnte sie tatsächlich schon als moderne Kleinstadt Thailands durchgehen. Traditionelle Holzhütten wechseln sich mit immer moderner werdenden Shopping-Malls ab.

Myanmar ist sichtlich in Umbruch-Stimmung. Die Menschen wollen raus aus ihrer gewohnten Umgebung, wollen lernen, wollen mehr als ihr zu Hause sehen und möchten die Welt zu Gast in ihrer Heimat. Wir, als Europäer, werden von der jungen Generation begutachtet, beobachtet und manchmal sogar angesprochen. Was mit einem schüchternen Lächeln beginnt, endet nicht selten mit einem Gruppenfoto oder einem Interview, inklusive Tonmittschnitt, auf Englisch… Die jungen Birmesen möchten die „Fremden“ kennenlernen, mit ihnen kommunizieren, ihre natürliche Schüchternheit (die wir eigentlich besonders mögen und schätzen) ablegen und neue Sprachen lernen …und das alles auf eine unglaublich sympathische Art und Weise 🙂

 

Aufgrund der über 130 verschiedenen Ethnien und Bevölkerungsgruppen, von welchen einige zunehmend Autonomie und Unabhängigkeit beanspruchen, gibt es noch heute bewaffnete Kämpfe. Aus den Reihen der Buddhisten werden Hasstiraden geschürt, welche das noch immer unterschwellig regierende Militär begrüßt und mittels Gewalt blutig umsetzt.

Erst im März 2018 schrieb der Tagesspiegel einen Artikel mit der Überschrift:

„Buddhistische Mönche befeuern Hass gegen Muslime“

Sind Probleme wie diese in der heutigen Welt tatsächlich allgegenwärtig?

“Geschätzte fünf Prozent der 53 Millionen Einwohner Myanmars sind Muslime. Ein Teil von ihnen gehört zur Volksgruppe der Rohingya, die vergangenes Jahr in der Provinz Rakhaing zu hunderttausenden vertrieben wurden, tausende wurden vergewaltigt und ermordet. Aber auch in Rangun, 400 Kilometer südöstlich der Schauplätze dieser Taten, materialisiert sich der Hass. Zwei Koranschulen wurden auf Druck radikaler Buddhisten von der Polizei geschlossen, offizielle Begründung: Man könne die Sicherheit der Schüler nicht länger gewährleisten. In einem anderen Viertel suchte ein buddhistischer Mob nach Rohingya, die angeblich nach Rangun geflüchtet seien und sich hier versteckt hielten. Als die Männer keine fanden, griffen sie wahllos Muslime aus der Nachbarschaft an. In allen Fällen waren Mönche beteiligt.”

„Gilt der Buddhismus nicht als die friedlichste und sanfteste aller Religionen, als Lehre der Harmonie und inneren Ausgeglichenheit? Wie kann es sein, dass strenggläubige Buddhisten in Myanmar derart intolerant sind – und in ihrer Hetze offenbar dieselben Argumente benutzen wie deutsche Islamhasser?“ (Quelle: Tagesspiegel)

Was bewegt die Menschen mit diesem religiösen Hintergrund zu Meinungen und Taten wie diesen? Ist es die Angst erneuter Unterdrückung und neuer Ausübung von Zwang? Doch warum wird dann genau das gegenüber „Andersdenkenden“ wieder ausgeübt? Thomas Hobbes sagte einmal „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ …Sollte er damit recht behalten? Wahrscheinlich könnten wir uns noch hunderte solcher Fragen stellen und würden trotzdem niemals eine verständliche und für uns zufriedenstellende Antwort finden…

Der Kampf gegen muslimische Minderheit wurde weitestgehend an die Landesgrenzen verdrängt. Jene Grenzen, wo unbeteiligten Dritten der Zutritt komplett verwehrt wird. Keine Touristen, keine Beobachter, nicht einmal Helfer können sich ein Bild vor Ort machen! Aber was kann der große, der unschuldige Teil der Bevölkerung für das Verhalten Einzelner oder das des Staates? Richtig, rein gar nichts! Das Land hat unserer Meinung nach dennoch eine Chance verdient! Und deswegen sind wir trotzdem sehr neugierig und freuen uns auf die nächsten Wochen.

Da nahezu 88 Prozent der Bevölkerung buddhistischen Glaubens sind, besitzt Myanmar einige der bedeutendsten Bauten dieser Religion. Ehrlich gesagt, haben wir bereits am zweiten Tag aufgehört zu zählen. Wo der Blick in Mandalay, unserem Ausgangspunkt, auch hinging… überall ragen kleine und große, weiße und goldene Türmchen gen Himmel. Bezüglich der genauen und detaillierten Unterschiede zwischen Tempel, Pagoden, Klöstern und Stupas scheiden sich die Geister. Kann man die einen betreten und andere wiederum nur von außen bestaunen, dienen manche der Lehre aber fast alle der Behausung von Buddha-Statuen und Reliquien. Für uns ist dieser Glaube seit unserer ersten Asienreise etwas ganz Besonderes! Und eins steht fest… Man kann sich niemals genug Buddhas anschauen! 🙂 🙂 🙂

Ziel des buddhistischen Glaubens ist die Entfaltung des eigenen Geistes. Durch Selbständigkeit und Eigenverantwortung kann jeder Mensch zu dieser „Erleuchtung“ gelangen. Einer der Grundsätze dieser Religion (neben der Wiedergeburt) ist der Glaube an das Karma. Das heißt, dass wir mit unserem Verhalten in diesem Leben über unser nächstes entscheiden. Wer also im Leben viel Gutes tut, erlangt ein gutes Karma und darf auf ein schönes neues Leben als Mensch hoffen. 

„Der Buddhismus ist die Lehre von Siddharta Gautama. Er kam als Hindu zur Welt. Später beobachtete er, dass alle Menschen auf der Welt leiden. Manche, weil sie krank, arm oder einsam sind, andere, weil sie ein schlimmes Schicksal verkraften müssen. Aber auch gesunde, reiche und vom Schicksal verwöhnte Menschen sind von Unzufriedenheit oder sogar Neid, Gier oder Hass geplagt.

Siddharta versank tief in seinen Gedanken. In dieser Meditation fand er nach buddhistischem Glauben einen Weg, sich von allem Leid zu befreien. Er führte ein bescheidenes Leben, bescherte seinen Mitmenschen nur Freude und Gutes und betrachtete alle Menschen und Dinge ohne sie in irgendeiner Form zu bewerten. Das führte ihn zur wahren Erkenntnis aller Dinge. Damit war er der Buddha. Buddha heißt „der Erleuchtete“.”

Selbst die jungen Mönche brauchen ihre Andenken 🙂

Mit dem Tuktuk oder Taxi lässt sich in und um Mandalay alles recht entspannt erkunden. Ein paar Eindrücke davon könnt ihr hier sehen:

Die Sicht vom Mandalay Hill

Auch die wissen schon, wie man den Touristen das Geld aus der Tasche zieht!

Und auch sie weiß es leider schon… Lächeln (wenn man das als solches bezeichnen will) gegen Foto!

Einer der umstrittensten Orte der Stadt ist der Mandalay Palace. Der ehemals vollständig aus Holz errichtete Königspalast brannte 1945 komplett nieder. In den 90er Jahren begann das Land mit dem Wiederaufbau, siedelte dafür tausende Familien um, riss deren Häuser ab und befahl Zwangsarbeit. Heute sehen wir neue Palastbauten mit Wellblechdächern… ohne den alten Charme.

 

Extrem beeindruckend, nur leider auch Touristenattraktion, ist das Mahagandayon Kloster in Amarapura. Hier leben hunderte Mönche um die Lehre Buddhas zu studieren.

Während unzählige Touristen bei der täglichen Essens-Zeremonie zuschauen und hemmungslos, ohne Sinn und Verstand, jeden Happen der Gläubigen durch die Fenster des Speiseraums fotografieren, schlendern wir durch das riesengroße Areal der Klosterschule.

Die Stimmung ist unglaublich beruhigend, wir könnten das alles stundenlang beobachten und würden es noch immer wahnsinnig interessant finden 🙂

Getreu dem Motto „Einmal Touri-Tour muss sein…“, fuhren wir auch nach Inwa. Das ist eine Art künstlich, durch Kanäle erzeugte Insel, auf welche man mittels eines kleinen Bootes gelangt.

 

In unseren Köpfen hatten wir die Vorstellung, dort gemütlich herumzulaufen und uns ein paar schöne Tempel und Klöster anzuschauen… wie gesagt, in unseren Köpfen hat das alles Sinn gemacht 🙂 Kaum am anderen Ufer angekommen, wurden wir schon von den ersten Damen und ihrer „Ware“ belagert… Bücher, Schmuck und Postkarten liegen hier ganz hoch im Trend! Ok, diese Challenge meisterten wir mit Ignoranz – was uns wirklich missfällt, aber das grenzte schon an betteln und aggressive Verkaufstaktiken! Gleich darauf folgte Challenge Nummer zwei. Denn auf einer Strecke von ungefähr 400 Metern standen gefühlte 10.000 Pferdekutschen bereit für neue Touristen. Doch mit eisernem Willen schafften wir es auch hier durch… vorerst! …bis wir feststellten, dass die Klöster und Tempel auf einem 10 Kilometer langen Rundweg liegen! Gute Planung ist eben wirklich alles 🙂 

Im nächsten Moment saßen wir auch schon in einer der klapprigen, nennen wir es Holzgestelle, da uns einer der Kutscher (in weiser Voraussicht) gefolgt ist und uns einsammelte 🙂

Es ist doch immer wieder schön, wenn wir über uns selbst lachen können 🙂 Und wer uns kennt, weiß, dass Pferde genau unser Ding sind! Es gibt eben Tage, an welchen wir einfach NICHTS auslassen 🙂 Dennoch hat sich die Tour gelohnt und wir hatten einen tollen Tag.

Der krönende Abschluss unserer Zeit in Mandalay galt der berühmt berüchtigten U-Bein-Brücke. Erbaut um 1850 ist sie mit einer Länge von 1,2 Kilometern die älteste und längste Teakholz-Brücke weltweit. Den Namen verdankt der heute noch rege genutzte Fußgängerübergang dem damaligen Bürgermeister und Auftraggeber U Bein. Leider mussten mittlerweile einige der über 1000 Holzpfähle durch Betonpfeiler ersetzt werden, wodurch der Charme mancherorts etwas getrübt wird… für uns ist es, trotz zahlreicher Besucher, dennoch eines der Highlights… inklusive einem wundervollen Sonnenuntergang.

Der vierte Tag unserer Myanmar-Tour führte uns weiter Richtung Süden. Wir möchten in die alte Königsstadt Bagan, eine der größten archäologischen Stätten Südostasiens. Unser dafür gewähltes Transportmittel: das Boot!

Also das weiße, hinter dem verdreckten Anleger, war unser Boot 🙂

Wir schreiben Sonntag, den 1. Advent, gehen morgens um 6:30 Uhr an Bord, nehmen unsere Liegestühle auf dem Sonnendeck ein und suchen uns schon einmal die bequemste Position für die nächsten 10 Stunden… Es heißt doch: „Eine Seefahrt, die ist lustig…“ – das war sie tatsächlich… bei schönstem Sonnenschein tuckerten wir an tollen Kulissen vorbei und genossen die entspannte Fahrt… bis zu diesem einen Moment!!!

Dieser eine Moment… wenn dein iPhone aus der Hosentasche fällt, im Anschluss direkt vom Stuhl durch das Geländer rutscht, auf dem Unterdeck abprallt, du nur noch hörst und im Augenwinkel siehst wie es ins Wasser plumpst und in der braunen Brühe des Ayeyarwaddy-Rivers für immer verschwindet.

Wie fühlt man sich in dieser Sekunde? …wenn du realisiert, dass deine gesamte Persönlichkeit in Form deines Smartphones gerade über Bord gegangen ist? Wir können es euch sagen! RICHTIG, RICHTIG MISERABEL UND BESCHISSEN! Ja, es ist NUR ein Telefon! Das reden wir uns für die nächste Stunden auch permanent ein… aber es beinhaltete eben auch viele Erinnerungen und Daten. Und glaubt uns… da kann schon mal die ein oder andere Träne fließen. Aber wie sagte eine unserer Mamas so schön: „Jetzt können wenigstens die Fische telefonieren! Hauptsache euch geht‘s gut!“ 🙂 Und sie hat sowas von recht! Auch wenn der wirklich tiefsitzende Schmerz für eine von uns noch ein paar Tage anhalten wird, können wir behaupten, die wohl teuerste Bootstour Myanmars erlebt zu haben 🙂

Im Grunde reichte aber eine kleine Tour durch Bagan auf unserem E-Scooter schon, um diese Verlust fast zu vergessen… die Stadt mit ihren über 2000 Tempeln und Pagoden ist der absolute Wahnsinn! Auf einer Fläche von ungefähr 40 Quadratkilometern cruisen wir drei Tage lang über Straßen, sandige Wege und Pfade, vorbei an hunderten großen und kleinen jahrtausendealten Bauwerken. Es fühlt sich irgendwie frei an, wir können uns gar nicht satt sehen und sind einfach nur glücklich.

Die absolute Liebe zu Bagan entstand allerdings eines morgens zwischen 06:45 Uhr und 07:30 Uhr 🙂 irgendwo auf einer kleinen Pagode inmitten der historischen Königsstadt.

 

Müssen wir bezüglich dieses Liebesgeständnisses noch irgendetwas erklären…???

DAS gehört auf jeden Fall in die Sparte „beeindruckendste Erlebnisse unserer Weltreise“! Es war noch stockdunkel als wir gegen 5 Uhr mit dem Roller am Hotel starteten und uns einen Weg über spärlich beleuchtete Straßen oder jene, die es mal werden wollen, zu einer der letzten, noch besteigbaren Pagoden suchten. Jaaaa… ein bisschen Leichtsinn muss sein… zumal Helm hier auch keine Option ist! Dank der Hilfe eines Einheimischen haben wir tatsächlich eine kleine Pagode, von welcher wir eine richtig gute Aussicht hatten, gefunden. Gegen 06:15 Uhr zeigen sich die ersten roten, gelben und orangenen Farbtöne der aufgehenden Sonne. Allein dieser Zeitpunkt ist bereits ein unglaubliches Erlebnis.

Doch all’ das wird in Bagan noch getoppt! Jeden Morgen, mit Sonnenaufgang um 06:30 Uhr, beginnen die Heißluftballons aus dem noch leicht nebligen Tal langsam in den Himmel über Bagan zu steigen.

Wir wußten, das es toll werden wird, da diese Bilder zu Haufe um die Welt gehen… ABER wir hätten niemals gedacht, dass es so unglaublich wunderschön ist! Das alles selbst zu erleben und zu sehen ist so großartig! Wir sind so dankbar für diese Eindrücke und lassen einfach die Bilder sprechen…

Schweren Herzens verlassen wir dieses einzigartige Reich der Tempel und Pagoden nach vier Tagen und ziehen weiter. Im Gepäck: Erinnerungen, die nie vergehen…

Einmal im Leben…

Einmal im Leben…

Einmal im Leben die magischen Momente des Lichterfests in Thailand erleben! Das stand definitiv ganz oben auf der Liste und musste ein fester Bestandteil unserer großen Reise werden. Es waren die Bilder tausender aufsteigender Himmelslaternen und hunderter kleiner, mit bunt leuchtenden Kerzen und Blumen verzierter Schiffchen aus Bananenblättern, welche unsere Augen jedesmal zum Leuchten brachten. Wie toll muss das sein… einmal inmitten dieses Lichtermeeres zu stehen! Genau diesen Zauber wollten wir erleben. Der Zeitpunkt zwischen Vietnam und Myanmar schien uns perfekt dafür! Eine kleine Auszeit zwischen zwei der schönsten, historisch beachtlichsten und erlebnisreichsten Länder unserer Reise. Acht Tage lang gönnen wir uns ein gemütliches Appartement, eine traumhafte Oase voller Privatsphäre, Ruhe und kleinen Annehmlichkeiten, die das Leben noch wundervoller machen… Und wir tauchen ein, in eines der größten und beeindruckendsten Feste Südostasiens.

Jedes Jahr im zwölften Monat des traditionellen thailändischen Kalenders erstrahlt das ganze Land unter dem Licht des Vollmondes in einem ganz besonderen Glanz. Ein wahres Meer aus farbigen Lichtern legt sich wie ein bunter Teppich über viele Städte und Dörfer Thailands. Die Straßen, Tempel, Märkte und Restaurants sind mit viel Liebe geschmückt und das sogenannte „Loi Krathong“ – Fest wird überall ausgiebig gefeiert. Trotz vieler Mythen und Legenden über die tatsächlich Entstehung und Herkunft, lässt sich an dem religiösen Ursprung nicht zweifeln. Mit dem Zuwasserlassen der Schiffchen oder dem Steigenlassen der Laternen verbinden die Einheimischen, zumeist Buddhisten, nicht nur Danksagungen und Gebete gegenüber ihren Gottheiten, sondern auch Wünsche für die eigene Familie und sich selbst. Wörtlich übersetzt bedeutet „Loi“ soviel wie schwimmen oder schweben und „Krathong“ kleines Floß. Mit dem Loslassen des aus Bananenblättern, Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen gebauten Schiffchens schickt man alle negativen Dinge wie Wut, Ärger, Neid und sonstige seelische Unreinheiten symbolisch auf die Reise, um sich davon zu befreien.

Eine weitere, für uns noch viel emotionalere Tradition, sind die Laternen, welche mit zunehmender Dunkelheit zu tausenden in den Himmel empor steigen. In Chiang Mai, im Norden Thailands, wird dieser Brauch wohl am exzessivsten zelebriert. Hier nennt sich das ganze Fest „Yi Peng“ und wird über mehrere Tage gefeiert. Neben dem traditionellen Wässern der kleinen Schiffchen und dem Steigenlassen der Laternen, gibt es zusätzlich eine Art großes Volksfest mit zahlreichen Märkten, einen festlichen Umzug und Feuerwerk an jeder Ecke. Kurz gesagt, die Stadt ist im Ausnahmezustand!

Mittlerweile ist das Yi Peng Festival in Chiang Mai zu einem wahren Mekka für Menschen aus aller Herren Länder geworden. Wir ahnten, dass die Stadt voller als vor unserem ersten Besuch vor drei Jahren sein wird, aber mit diesem Ansturm hatten wir nicht gerechnet! Der absolute Wahnsinn! Selbst die Einheimischen boykottieren zunehmend ihr eigenes Fest, weil es einfach zu viele Touristen anzieht! Der Zauber dieses eigentlich religiösen, meditativen Highlights geht durch massenweise eingeflogene Respektlosigkeit und Sensationsgier weitestgehend verloren. Ja… wir reisen auch an diesen Ort! Und ja… wir wollen das auch alles erleben! Und wir fragen uns in solchen Momenten wieder einmal, ob es das wirklich alles wert ist?! Woher nehmen wir uns eigentlich immer wieder das Recht, diese wunderschönen Bräuche wie Trampeltiere zu überrennen? 

“Die Menschen begreifen nicht, was sie hatten, bis es weg ist.“ (Muhammad Ali)

Gehören wir auch in diese Kategorie, die all’ das zunichte machen? Sind wir schon Teil davon, nur weil wir uns entschieden haben, während dieser Zeit hier her zu reisen? Wir suchen nach einer Antwort und gehen einfach einmal bewusst und mit offenen Augen vor die Tür. Wir stürzen uns in das Getümmel, werden Teil der großen Masse und beobachten. Wir schauen uns die Menschen und deren Verhalten an… Schon während der ersten Minuten fallen uns drei Dinge auf:

  1. Die Menschen rennen rücksichtslos durch die Straßen, sie drängeln und schieben ohne den kleinsten Hauch von Rücksicht > Tun wir das auch? > NEIN 
  2. Die Menschen verteilen ihren Müll in der kompletten Stadt, auf den Straßen und im Fluß > Verhalten wir uns auch so? > NEIN
  3. Die Menschen sind laut, trinken viel zu viel Alkohol und kennen in jeglicher Hinsicht kein Maß mehr > Sind wir auch so? > NEIN
 „Kultur ist ein sehr dünner Firnis, der sich leicht in Alkohol auflöst.” (Aldous Huxley)

Was zum Teufel läuft hier eigentlich schief? Und wer genau bringt das Chaos in diese wunderschöne Stadt? Natürlich sehen und hören wir auch den ein oder anderen Europäer, welcher das letzte Chang-Bier nicht vertragen hat und orientierungslos nach einem „Happy end“ sucht… aber das ist tatsächlich die Ausnahme! Wir stellen fest, dass der Großteil dieses Verhaltens erstaunlicherweise auf den asiatischen Phänotyp zurück fällt. Leider können wir nicht unterscheiden, ob das Problem hausgemacht ist oder eingeflogen wird, ob es die Thais selbst oder vielleicht doch Besucher der Nachbarländer, Koreaner oder Chinesen sind. 

Beim Stöbern im Netz finden wir diese Statistik (Quelle: thailandtip.info), sollte sich dieser Trend fortgesetzt haben, erklärt das leider so einiges…

Aber ist die Schuld hier vielleicht auch auf beiden Seiten zu suchen? Thailand kämpft unentwegt um Touristen… und eins könnt ihr uns glauben… ursprünglich ist hier kaum noch etwas! Das Land gehört mittlerweile zu DEN Urlaubszielen schlecht hin, egal ob großer oder kleiner Geldbeutel. Sollte DAS etwa der Preis dafür sein? Immer höher, schneller, besser, größer, moderner, westlicher – und das alles im doppelten Superlativ – das beschreibt Chiang Mai mittlerweile ziemlich treffend. Und ja… auch wir sind gerade ein Teil davon!

“Alles in der Welt ist nur für den da, der Augen hat, es zu sehen.” (Eduard Spranger)

Aber wir versuchen die Dinge zu reflektieren, wir denken darüber nach, wir tolerieren, wir akzeptieren und wir benehmen uns nicht wie die Axt im Wald! Ob das allein hilft, eine Kultur zu erhalten, wissen wir nicht… aber wir wollen das reisen deswegen nicht verurteilen und schon gar nicht aufgeben! 

„Die tägliche Erfahrung lehrt, daß diejenigen, welche viel reisen, an Urteilskraft gewinnen; daß die Gewohnheit – fremde Völker, Sitten und Gebräuche zu beobachten, den Kreis ihrer Ideen erweitert und sie von manchen Vorurteilen befreit.“ (François Pierre Guillaume Guizot)

Wir denken nach und suchen die für uns beste Lösung… 

„Der Reisende sieht Dinge, die ihm unterwegs begegnen, der Tourist sieht das, was er sich vorgenommen hat zu sehen.“ (G.K. Chesterton)

Wie ihr ja bereits wisst, können wir Menschen nicht sonderlich gut leiden 🙂 🙂 🙂 Also brauchen wir in Ausnahmezuständen wie diesem einen Plan B und suchen nach Alternativen, um den Massen ein klein wenig zu entfliehen… 

Nummer 1: Das Appartement – Getreu dem Motto „my home is my castle“ ist das unser sicherer Rückzugsort, unsere kleine Festung! Keiner kann die Mauern erklimmen und uns hinter dem Dornenbusch finden 🙂 Nur allein wir bestimmen, wann wir andere Menschen sehen wollen. Wir hören und sehen absolut nichts von den Massen vor der Tür und schaffen uns damit die absolute Ruhe und den nötigen Abstand.

Alternative 2: Die ruhigen Stellen am Fluss und in kleinen Hinterhöfen – Um das Schöne und Spirituelle des Festes zu entdecken, machen wir uns auf die Suche nach Orten, welche der gemeine, erlebnisorientierte, herdengetriebene Besucher nicht findet. In Chiang Mai gibt es über 300 Tempel, da muss doch etwas nach unserem Geschmack zu finden sein. Und es ist wirklich nicht schwer… einfach zweimal mehr abbiegen als der Rest… so finden wir ihn tatsächlich! Einfach magisch und voller positiver Energie, dass wir beide kurz innehalten und sprachlos sind. Für einen Moment gilt unsere volle Aufmerksamkeit den Mönchen, welche mit einer unglaublichen Ruhe und Gelassenheit ihren kleinen Tempel für die Zeremonie herrichten. Es ist unglaublich, wieviel Eindruck diese Menschen und diese Religion immer wieder hinterlässt.

Alternative 3: Die Bezahl-Variante des Laternenfestes – Lange haben wir überlegt, wie wir die Stimmung inmitten tausender schwebender Himmelslaternen am authentischsten einfangen können. Dazu hielten wir uns immer wieder vor Augen, dass es ein religiöses Fest ist, keine Massenveranstaltung und dass die Laternen, bestückt mit unseren Herzenswünschen, in einer möglichst schönen Umgebung in den Nachthimmel steigen sollen. Doch ist das überhaupt möglich? Im Grunde gibt es zwei Varianten: Wir könnten uns ohne zusätzliche Kosten unter die Massen der Stadt mischen und dort (allerdings meist illegalerweise, was jedoch keinen interessiert) unsere Wünsche steigen lassen… nicht gerade romantisch aber billig! ODER wir buchen eines der kostenintensiven „Events“ (also, wir sprechen von ungefähr 100€ pro Person inklusive Transport, Essen, Musik und Meditation mit den Mönchen) in einem der umliegenden Tempel. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, kein touristisches, überteuertes Angebot zu buchen. Doch der erste Abend in der Stadt animierte uns, diese Meinung nochmals zu überdenken. Eingeschworene Backpacker (die wir nicht sind, aber dazu später mehr) sagen jetzt wahrscheinlich, dass das absolut keine Option ist… ABER so ehrlich müssen wir sein… Es war mit Abstand die beste Entscheidung! Wir haben beide Varianten gesehen und erlebt, wie dieses ganze Prozedere in der Stadt abläuft. Das hat leider absolut nichts mehr mit Ursprung und Tradition zu tun! 

Während wir in der Stadt aufgrund der Masse der Menschen einfach nur genervt waren, konnten wir die Zeremonie am Tempel viel mehr genießen. Trotz der knapp 800 Menschen war die Stimmung zwischenzeitlich nahezu magisch. Stellt euch vor… Ihr befindet euch bei Vollmond im Schatten eines uralten Tempels, von welchem lediglich die Konturen im schimmernden Licht erkennbar sind. Ganz oben, am höchsten Punkt, sitzt ein riesiger, goldfarbener Buddha und schaut auf euch herab. Rund um den Tempel, auf erhöhten Plattformen, unter dünnen Seidentüchern sitzen überall Mönche in ihren orangefarbenen Gewändern, dessen meditative Stimmen eine extrem beruhigende Wirkung entfalten. Um euch schimmert warmes Kerzenlicht und alles ist wunderschön geschmückt. Ihr sitzt auf einem kleinen, weichen Meditations-Teppich und lauschte der Musik und den Gebeten. Genauso haben wir die Stimmung einfangen dürfen…

Zwar wurde der Großteil dreisprachig übersetzt (was die Atmosphäre etwas störte), aber spätestens mit dem gemeinsamen Loslassen der Laternen waren die Tränchen wirklich nicht mehr zu halten… Unsere Köpfe waren völlig überfordert. In Gedanken zu Hause bei den Lieben schauten wir uns in die Augen, ließen unsere Wünsche frei und blickten in einen Himmel, wie er schöner hätte nicht sein können! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wahnsinnig ergreifend das war! Wir haben selten einen solch emotionalen Moment erlebt! Wenn sich tausende Wünsche, in Form von wundervoll leuchtenden Laternen Richtung Vollmond verabschieden… unbeschreiblich überwältigend… einfach toll… sprachlos!

Nach drei Tagen „Loi Krathong“ und „Yi Peng“ nahmen wir uns nur noch eine einzige Sache vor: NICHTS TUN 🙂 Unsere Zeit in Thailand sollte auch als „Auszeit“ dienen. Ihr erinnert euch an das Thema Reise-Burnout…? Unser kleines Appartement war wie gemacht für dieses eine Vorhaben! Morgens ausschlafen, entspannt in den Tag starten, neun Etagen höher in das Fitnessstudio oder zum Pool auf dem Dach fahren und einfach in den Tag hinein leben… DAS können wir richtig, richtig gut! 🙂 

Am Pool über den Dächern Chiang Mais liegen, kaum eine Wolke am Himmel, 32 Grad und nur dem Plätschern des Wasserüberlaufs lauschen… da kommen uns schon ab und an komische Gedanken… In kurzen Phasen von Langeweile kommt zum Beispiel Blödsinn wie dieser heraus:

Während wir zu Hause eher über die Arbeit und sonstige alltägliche Herausforderungen nachdenken, stellen Wir2 uns hier, im wunderschönen Norden Thailands, tatsächlich einmal die Frage, wer wir eigentlich sind und was wir wollen…? Also, nicht dass wir UNS in irgendeiner Hinsicht in Frage stellen! Im Gegenteil, diese Reise schweißt uns so sehr zusammen, dass uns bereits das ein oder andere Mal Angst wurde, weil wir wieder und wieder die gleichen Gedankengänge haben… 🙂 Nein, die Fragestellung geht vielmehr in Richtung unseres Reiseverhaltens. Was sind wir denn nun? Wir haben einen Reiseblog, wir bedienen soziale Medien und geben viel, vielleicht sogar zu viel über unser (Reise)Leben preis. Gibt es dann auch einen Namen für uns… also einen neben Wir2Weltenbummler? 🙂 Als normale Touristen kann man uns sicher nicht bezeichnen. Aber sind wir, nur weil wir mit Rucksack reisen, Backpacker? Oder sind wir, nur weil wir über unsere Erfahrungen berichten, gleich “Reiseblogger”? Wollen wir das überhaupt sein? Oh Gott… wir haben eine wirklich ernste Identitäts-Krise 🙂 🙂 🙂 

Richtige, waschechte Backpacker reisen bescheiden und sehr einfach. Sie buchen keine Hotels oder Appartements, sondern schlafen im Zelt oder am Strand. Fortbewegung erfolgt durch trampen, zu Fuss oder mit dem Rad. Sie haben kein Telefon, keine Versicherung und keine Pläne – Genau genommen, trifft NICHTS von alledem auf uns zu… außer die Sache mit dem Rucksack 🙂 Aber was sind wir dann? Da heutzutage nicht nur alles definiert wird, sondern auch alles einen Namen bekommt… gehören wir eventuell eher in die Kategorie der FLASHPACKER – Schon einmal davon gehört? …wir bis vor ein paar Tagen auch nicht 🙂 Das heißt, einfach gesagt sind wir Backpacker mit mehr Geld und ein klein wenig Mitteilungsbedürfnis 🙂 Diese Spezies leistet sich bessere Unterkünfte, ordentliches Essen und führt meist iPhone, Kamera und MacBook mit sich… auch um ihre Erlebnisse mit der großen weiten Welt zu teilen. Allerdings legt auch dieser Reisetyp extrem viel Wert auf soziale Kontakte und Vernetzung! Und genau dieser eine, ausschlaggebende Fakt liegt uns irgendwie fern…

Wir müssen uns einfach eingestehen, dass wir komisch sind 🙂 

Wir machen unser eigenes Ding und sind nicht ständig auf der Suche nach neuen Kontakten, mit diesem „Smalltalk“ können wir irgendwie nicht umgehen 🙂 Ok, wir haben uns aufgerafft, einmal mit anderen Instagram-Bekanntschaften Müll sammeln zu gehen, was auch eine tolle Erfahrung war… reicht aber auch für einen Monat 🙂 🙂 🙂 

Wir schreiben und gestalten aus Spaß an der Freude unseren kleinen Reiseblog, teilen ab und an ein paar Bilder auf irgendwelchen sozialen Netzwerken, dessen Algorithmen wir absolut nicht verstehen, buchen Homestay-Unterkünfte und gönnen uns auch den ein oder anderen Luxus. Wir erfüllen irgendwie kein Klischee… und das ist auch gut so! Und selbst wenn wir uns eine Woche nur vom Appartement zum Pool bewegen, schauen wir uns an, lachen uns gegenseitig aus und freuen uns, wie schön wir das Leben gemeinsam verbummeln können! Eben zu EINHUNDERT PROZENT Wir2WeltenBUMMLER 🙂

Mit einer original Thai-Massage zum Abschluss unserer wunderschönen, entspannten Zeit in Chiang Mai verabschieden wir uns aus dem “Land des ewigen Lächelns” und freuen uns auf das nächste Ziel… Myanmar.

Von der Halong Bucht über die „Verlassene Insel“ nach Ninh Binh

Von der Halong Bucht über die „Verlassene Insel“ nach Ninh Binh

Wir wollten MEER sehen… und das haben wir 🙂 Es war nötig, es war wundervoll und es war Balsam für unsere Seelen nach über 40 Tagen on Tour! Raus aus dem Lärm und dem Mief der Großstadt, hinein in die beruhigende Wirkung des Wassers. Zwei Tage durch eine der schönsten Landschaften Vietnams schippern, sich um nichts kümmern, bekocht werden, mit dem Kajak durch Höhlen und Lagunen paddeln, auf dem Sonnendeck liegen und einfach nur genießen… genau das haben wir getan UND vor allem auch gebraucht!

Startpunkt unserer kleinen Expedition war Cat Ba. Das ist die größte Insel der Halong Bucht, im Übrigen auch bekannt für ausgelassene Stimmung, Party und viele Backpacker – zumindest der bewohnte, kleine Teil davon. Aufgrund der Nebensaison dröhnten zwar die Bässe aus den Karaoke-Bars, aber die singenden Touristen dazu fehlten irgendwie… zum Glück! Denn das letzte, was wir wollten waren grölende, pubertierende Ballermann-Touristen auf der Suche nach dem besten Hangover ihrer Reise! Die Einheimischen ließen sich jedoch von fehlenden Gästen nicht abhalten… sie machten einfach ihre eigene Party… Hauptsache laut und bunt 🙂 Im Rausche der Charts aus den Zweitausendern suchten wir uns ein schönes Restaurant an der Promenade. 

Wir fühlten uns wieder gesund, atmeten MEERluft und waren glücklich mit der Entscheidung, hier her gefahren zu sein. In euphorischen Momenten wie diesen, vielleicht kennt es der ein oder andere, wird man schnell übermütig… also standen im nächsten Moment zwei der leckeren „Passion Fruit Mojitos“ auf unserem Tisch 🙂 Dazu frische Sommerrollen und ein großer Teller Glasnudelsalat mit Hühnchen und frischen Kräutern. Wir wissen bis heute nicht genau, welche der drei Sachen oder Zutaten den Rückfall auslöste, aber er kam bitterböse und zog sich (mit dem kompletten Unverträglichkeits-Programm) über den gesamten nächsten Tag! Leider erwischte es wieder die bereits angeschlagene Hälfte von uns. Wie war das noch…

„Übermut kommt vor dem Fall“

Ab jetzt herrschte auf jeden Fall wieder striktes Verbot jeglicher Genussmittel – wer nichts verträgt, bekommt auch nichts… ganz einfach! Die Regeln der Realistin griffen nach langer Zeit wieder… Schluss mit dem Lotterleben! Die typischen Floskeln der Träumerin „wird schon alles gut werden, ich bin doch wieder gesund“ halfen uns kein Stück weiter! Wir sind eben doch noch zu weit von den gewohnten einhundert Prozent entfernt, volle Fahrt voraus funktioniert noch nicht, also zurück auf halbe Kraft. Und als ob das nicht genug wäre!!! NEIN… wir sollten beide etwas von dem Kuchen abbekommen! Litt die Eine erneut an Übelkeit, war die Andere mittlerweile von Ausschlag, Flöhen, Wanzen oder sonstigen Tierbissen übersät… die Souvenirs unseres „Hardcore-Homestays“ setzten uns noch immer ordentlich zu! Eine unvergessliche Erinnerung eben… Während sich eine Hälfte mit Magentabletten über Wasser hielt, versuchte die Andere durch irgendwelche vietnamesischen Kräuter- und ätherischen Anti-Insektensprays ihre Beine vor dem tierischen Lochfraß zu retten… Also im Grunde ein einziger, erbitterter Kampf um das Überleben!

Wahrscheinlich hätten wir vor unserer Reise doch mehr Rambo oder Bear Grylls anschauen sollen 🙂 🙂 🙂 Aber auch das werden Wir2 ohne absolviertes Überlebenstraining irgendwie zusammen schaffen!

Nachdem unser „kleiner“ Rückfall überwunden war (zum Glück geschah das nach und nach, wodurch wir auch etwas Ernsteres ausschlossen), konnten wir die wunderschöne Halong Bucht gemeinsam genießen. Das kleine Boot fuhr uns in ruhigere Gewässer, fernab von den Tagestouren der Touristenmassen… und es war tatsächlich STILL! …nur das leise Rattern des Schiffsmotors. Während sich die Sonne langsam durch die Wolken kämpfte, erkundeten wir mit unserem Kajak die Höhlen und Lagunen inmitten der riesigen Kalksteinfelsen. 

Insgesamt gibt es rund 1970 Stück dieser anmutigen, grün bewachsenen Berge, welche sich zum Teil, wie aus dem Nichts, mehrere hundert Meter empor heben. Glaubt man der Legende, entstand die Bucht durch einen Drachen, welcher in den Bergen, unweit des Meeres lebte. Bevor dieser eines Tages in den Ozean abtauchte, lief er wild umher und schlug mit seinem Schwanz tiefe Furchen in das karge Land. Dort sammelte sich im Laufe der Zeit Wasser um die übrig gebliebenen Felsen an, wodurch die „Bucht des untertauchenden Drachen“ entstand… die heutige Halong Bucht. Das hört sich doch viel schöner an, als irgendeine geologische Erklärung, oder? 🙂 Wir glauben auf jeden Fall ganz fest daran 🙂

Noch etwas nordöstlicher der Halong Bucht liegt eine kleine Insel namens Quan Lan. Ihre längste Straße misst gerade einmal 15 Kilometer, es verirren sich kaum Touristen hierher und zu sehen gibt es auch nichts… außer ein paar wunderschönen weißen Sandstränden. PERFEKT für die nächsten drei Tage! 

Wir liehen uns Fahrräder und radelten über die komplette Insel, von oben nach unten, von links nach rechts und wieder zurück 🙂

Es gibt hier keine immerzu hupenden Roller oder Autos, hier muss sich keiner lautstark bemerkbar machen… denn es ist Platz ohne Ende! Einfach entspannt in der Mitte der Straße von einem Strand zum anderen radeln… das war in dem Moment das absolut Größte für uns… herrlich!

 

Kleine, ruhige, asiatische, menschenleere Inseln haben aber immer Nachteile! Wir würden lügen, wenn wir sagen, dass hier alles perfekt ist! Kennt ihr diese Menschen, ohne jetzt jemanden zu verurteilen, die aus ihrem Urlaub zurück kommen (egal ob Pauschal- oder Individualreise, es kann alles wunderschön sein!) und erzählen, dass vom Hotel über das Wetter, das Essen, das Meer, die Umgebung und die Menschen alles perfekt war?! Ganz ehrlich, das haben wir noch nie geglaubt! Und es ist doch auch überhaupt nicht schlimm, wenn gewisse Sachen (auch in dem EINEN teuren Jahresurlaub) einfach nicht schön waren! Das Reisen soll doch die Realität zeigen, soll Augen öffnen, Blickwinkel verändern… Also machen wir uns nichts vor! Es gibt einfach überall was zu bemängeln! …Wir sind Deutsche! 🙂

Aber kommen wir doch einfach zu Punkt Nummer 1: Die Anreise

Wenig Touristen bedeutet zumeist eine beschwerliche Anreise. Bus – Boot – Taxi. Wer das eine will, muss das andere mögen! Auch wenn der aktuellste Bootsfahrplan sagt, das Boot fährt mindestens dreimal pro Tag… glaube es niemals, bevor du nicht mit einem Einheimischen gesprochen hast! Denn die Realität ist IMMER anders! Ergebnis war letztendlich…es gibt genau ein Boot pro Tag, welches zu einer komplett anderen Zeit fährt und auch einen völlig anderen Preis hat, als veranschlagt 🙂 Also nichts, was wir nicht gewohnt sind! Am Ende zählt doch nur, dass es funktioniert… und das tut es!

Nummer 2: Das Hotel 

Es gibt auf Quan Lan nicht wirklich viele Unterkünfte. Die über Booking aufgerufenen Bewertungen haben eine extrem große Spannweite… sie reichen nämlich von schlecht bis sehr schlecht! Also könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie die Zimmer aussehen. Hier ist unser kleiner dünner Schlafsack gold wert! Zumindest vermittelt dieser, in einer Umgebung wie hier, ein Stück weit Sicherheit und Sauberkeit 🙂 Besten Dank an dieser Stelle an MARABOHA – Werbung muss auch manchmal sein, besonders für tolle Produkte, die uns zur Verfügung gestellt wurden! Wir wurden im übrigen vor unserer Reise von unseren Freunden mit Aufgaben versorgt, darunter war das Übersenden von Bildern unserer „gewöhnungsbedürftigsten Unterkunft“… also das Bad unseres Zimmers auf der Insel schafft es definitiv in diese Kategorie! 

Mit etwas Glück befand sich der einzige Angestellte im Hotel und wir hatten die Chance etwas Nahrhaftes aus der eher übersichtlichen Speisekarte zu bestellen oder sonstige Wünsche zu kommunizieren. Erwischten wir dieses Zeitfenster von circa zweimal zehn Minuten pro Tag, gab es morgens einen Kaffee sowie Joghurt mit EIS …in der Karte stand übrigens Joghurt mit REIS! …fraglich, ob der Autor hier schon Schwäche zeigte oder vielleicht der Angestellte beim Lesen der Karte… dieses kleine, unbedeutende „R“ kann schon mal vorn runter fallen. Es bescherte uns auf jeden Fall ein wunderbares kulinarisches Highlight zum Morgen 🙂 Gegen Abend bekamen wir Suppe, Reis mit Gemüse, Bratnudeln oder in süßem Pfannkuchenfett frittierte Kartoffeln. Ja, ihr schmunzelt jetzt wahrscheinlich… aber das war das einzige Restaurant der Insel!  Alle anderen, durchaus geöffneten Lokale, schauten nur fragend und begegneten uns mit einem eher unfreundlichem „Nein“, als wir uns setzen wollten. Wir hatten sozusagen die Wahl zwischen den üblichen Dorfkiosk-Keksen, Chips oder Instantnahrung und der üppigen Auswahl unseres Hotels! 

Wie ihr seht, die Entscheidungsfindung in Sachen Essen gehen oder nicht, war ein unerbittlicher Kampf 🙂 Zum Glück verkauften einige Familien im Dorf total leckeres, frisches Obst wie Mangos, Guaven und Kakis… welche uns zumindest zu ein paar Vitaminen verhalfen – wodurch wir Thema Nummer 3: Das Essen, auch schon abgehakt hätten.

 

Dann gibt es noch Nummer 4: Die Sauberkeit

Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass Umweltschutz in Südostasien absolut kein Thema ist. Es ist so traurig anzusehen, wie die Einheimischen mit ihrer traumhaften Natur umgehen. Plastikmüll wird einfach überall entsorgt, auf den Straßen oder im Meer… was nicht mehr gebraucht wird, fliegt weg… egal wo man steht oder geht. Wir würden am liebsten alles einsammeln, wenn wir könnten! Aber Kloschüsseln im Straßengraben bringen selbst uns an gewisse Grenzen! Wir wünschten wir könnten darüber lachen, aber es ist die traurige Realität. Natürlich bringen wir als Touristen auch viel Müll in diese Länder, aber wir versuchen diesen zumindest irgendwie zu entsorgen. Es würde uns NIEMALS in den Sinn kommen, etwas in das Meer zu schmeißen!!! Wir haben dieses Bewusstsein, weil wir es nicht anders kennen. Doch davon ist Südostasien leider noch Jahrzehnte entfernt! So schön das Reisen in diesen Regionen ist, aber der Müll ist ein echtes Problem! Leider spiegelte sich dieses Bild auch auf unserer kleinen Insel wider. Ja… wir haben wundervolle, traumhafte, einsame Strände gefunden… weit und breit kein Mensch… Sand, wie er weicher nicht sein kann und Wasser, für welches es eine Steigerung von klar geben müsste… Aber leider ist das in großen Teilen übersät von Plastikmüll und all‘ dem, was einfach über Bord geworfen wird.

Wir müssen uns schon echt Mühe geben, Strandabschnitte wie diesen zu finden…

 

Ist das nicht Schade? Vielleicht sollten wir unsere Jobs doch hinschmeißen und in die Müllentsorgung in Vietnam investieren…??? Wir werden das ernsthaft in Erwägung ziehen…

Bevor wir dieses wunderschöne Land, welches es uns aufgrund diverser krankheitsbedingter Zwischenfälle leider nicht ganz leicht gemacht hat, Richtung neuer kurzzeitiger Wahlheimat Thailand verlassen, möchten wir uns zum Abschluss noch einen weiteres Stück Halongbucht anschauen… nämlich den sogenannten „trockenen“ Teil südlich von Hanoi (Ninh Binh). Auch hier prägen schroffe, grün bewachsene Kalksteinfelsen das Landschaftsbild. Hört man die Bezeichnung, stellt man sich zunächst eine dürre, karge Region vor… aber weit gefehlt! Die trockene Halong Bucht wird zwar nicht vom Meer umsäumt, aber dafür von zahlreichen Reisfeldern, Seen und Flüssen. Beim radeln über die schmalen Wege zwischen den Reisfelder fühlen wir uns fast wie im Märchen… fehlt nur noch, dass der Drache wirklich irgendwo hinter den Hügeln aufsteigt.

Dazu wohnen wir in einem kleinen, niedlichen Bungalow, welcher super in diese bizarre Traumwelt passt 🙂

 

Die Gegend wirkt nahezu mystisch auf uns. Sie ist auf ihre Art zauberhaft schön und sehr besonders! 

Was vor allem auffällt, ist die Sauberkeit entlang der Flussränder. Sollte das Bewusstsein für den Umweltschutz hier tatsächlich angekommen sein? Während uns eine kleine vietnamesische Mutti über zwei Stunden gemütlich (sie bedient die Ruder mit ihren Füßen! …und wir haben schon per Hand arge Koordinationsprobleme!) durch die Bucht schippert, mitunter übrigens durch bis zu 300 Meter lange Höhlen, genießen wir die Ruhe.

Zurück in Hanoi heißt es so langsam Abschied nehmen… Abschied von drei Wochen, in welchen das erste Mal wenig so lief, wie ursprünglich einmal geplant! Die Zeit, auf welche wir uns vor der Reise am meisten gefreut hatten, lief komplett anders als gedacht. Wir konnten unsere Vorstellungen und „Ziele“ leider nicht umsetzen, hatten unseren ersten Krankenhausbesuch und schalteten infolgedessen mehrere Gänge zurück. Mittlerweile sind wir 51 Tage unterwegs… fast zwei der sechs Monate sind vorüber… Wahnsinn! Und es ist alles gut so wie es ist! Wir hatten dennoch eine wahnsinnig tolle Zeit und sind, auch aufgrund der Planänderung, sehr glücklich über unsere Erlebnisse in Vietnam.

„Wenn Plan A nicht funktioniert, keine Sorge, das Alphabet hat noch 25 andere Buchstaben!“

VIELEN DANK für die tolle Unterstützung durch das VIETHOUSE-Team Ly und Heiko in VIETNAM!

Bettruhe in Hanoi

Bettruhe in Hanoi

Die Abreise aus unserem kleinen Dorf und der vorzeitige Abschied von unserer “Gastfamilie“ war mit etwas Abstand betrachtet, die vernünftigste und beste Entscheidung! Denn mit fast 40 Grad Fieber ist es in einer Umgebung, welche eine schlechte bis gar keine medizinische Versorgung bietet, NICHT mehr lustig! Ohnehin schon von Sorgen geplagt, werden mithilfe von Google auch noch die schlimmsten Krankheitsbilder diagnostiziert! Eine furchtbare Angewohnheit heutzutage! In solchen Situationen helfen selbst gegenseitige Versprechen, nicht nach Symptomen im Internet zu suchen, kein Stück… wir machen es trotzdem! …und denken dabei auch noch, die Andere merkt es nicht! Das trägt auf jeden Fall TOTAL zur inneren Gelassenheit bei!!! Demnach hat man mit ein wenig Phantasie alle Tropenkrankheiten dieser Welt!

Nach zwei Tagen Bettruhe im hohen Norden nahmen wir die sechsstündige Busfahrt Richtung Süden auf uns. Unser Ziel: Hanoi, oder auch „die Stadt innerhalb des Flusses“ und Hauptstadt Vietnams ist mit etwa 7,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Metropole des Landes. Einmal in der wunderschön charmanten Altstadt angekommen, könnte der strukturierte Deutsche vermuten, dass hier das reinste Chaos herrscht! Himmel und Hölle treffen hier ungebremst aufeinander… Hanoi ist der Inbegriff einer unüberschaubaren, ungeordneten und verworrenen asiatischen Großstadt. Kleine Geschäfte, Hotels, Restaurants, Straßenküchen, fliegende Händler, Roller, Mopeds und Zweiräder prägen das Straßenbild… ach und hatten wir erwähnt, dass es Roller gibt??!! Sich im Straßenverkehr der Stadt zu bewegen heißt, das Chaos und den Zufall berechnen. Die Formel dafür ist Vertrauen ins Quadrat hoch zehn, das ganze multipliziert mit der vietnamesische Logik (z.B. dass jeder Vorfahrt hat und die Hupe alle Verkehrszeichen ersetzt), geteilt durch die innere Gelassenheit und dem Glauben an mehrere Leben!

 

Im Internet kursieren sogar Anleitungen zum „Überleben in den Straßen Hanois“ 🙂 Der Verkehr und die Geräuschkulisse sind gewöhnungsbedürftig und mitunter richtig anstrengend! Ohne Hupe (die teilweise ganze Tonfolgen abspielen) bist du hier NICHTS! Aber das sind nach unserer Indien-Erfahrung glücklicherweise alles keine Neuigkeiten für uns 🙂 Hanois Straßenbild besteht zu 90% aus den lärmenden Zweirädern – wobei die Zahlen variieren, aber es sind wohl um die 6 Millionen! …unsere Theorie ist allerdings, dass es, ähnlich wie bei Straftaten, eine Dunkelziffer gibt, einen Schwarzmarkt quasi, „unter dem Ladentisch“, z.B. die Zahlen für Mopeds, die gar keine mehr sein dürften weil vom Spiegel über Bremsen und Sattel einfach alles fehlt…oder die, die aufgrund ihrer Transportlast schon als Zwölftonner durchgehen… dadurch steigt die Anzahl für uns auf mindestens 10 Millionen 🙂 Vergleicht man die Straße mit einem Fluß, so herrscht hier definitiv ein Jahrhunderthochwasser… ach was… Jahrtausend!!! Es reißt dich gnadenlos mit und du gehst, ohne dass es überhaupt jemand bemerkt, einfach unter, du ertrinkst, nein… du ersäufst jämmerlich… sobald du die EINE, die GOLDENE Regel missachtest! 

BLEIB RUHIG, SELBSTSICHER und gehe LANGSAM über die Straße, nur NICHT RENNEN!!!

 

Wir lernen von den Einheimischen, heften uns erstmal an deren Fersen und entwickeln sehr schnell einen eigenen Blick für die schmalen Brücken über die reisenden Gewässer. Fußwege und Ampeln sind in der Altstadt zwar vorhanden… aber Punkt eins funktioniert der gemeine Vietnamese als Roller-Parkplätze, Garküchen und Sitzgelegenheiten um… und Punkt zwei wird schlichtweg ignoriert! Warum nach einer Ampel richten, wenn man auch kreuz und quer durcheinander fahren kann und trotzdem an sein Ziel kommt??!! Ganz zu schweigen von den Zebrastreifen auf JEDER Straße! Entweder war weiße Farbe übrig oder es ist eine Art Asphalt-Gemälde… sie dienen jedenfalls nicht dem gewohnten Zweck der sicheren Straßenüberquerung, reine Makulatur! 

 

Dass wir dem quirligen Hanoi auf jeden Fall einen Besuch abstatten, um das für uns völlig chaotische Altstadt-Getümmel der liebenswerten Roller-Hochburg zu erleben, stand von Anfang an fest. Allerdings hätte das, gemäß der ursprünglichen Planung, gern zwei Wochen später stattfinden können! Die abrupte Abreise aus dem nordvietnamesischen Bergland war unsere erste größere Routen-Änderung… die sich ungefähr so anfühlte:

„Heckenschere gesucht, Caipirinha-Zutaten gefunden, Tagesplan geändert!“

Nur hatte der Caipi einen überaus bitteren Beigeschmack! Erste Anlaufstelle in Hanoi – das örtliche Krankenhaus!!! Wir suchten uns eines der Internationalen mit durchweg positiven Kritiken und Kooperationsärzten der Deutschen Botschaft… Preis egal… hauptsache sauber und zuverlässig! Ihr glaubt nicht, wie einem in Sachen eigener Gesundheit in Verbindung mit asiatischer medizinischer Versorgung die Pumpe geht! Zwei Dinge, die oft Welten von einem gemeinsamen Nenner entfernt sind! Dennoch blieb uns in dem Moment KEINE andere Wahl… Wir müssen da jetzt rein und jegliche Untersuchungen hinsichtlich möglicher Erkrankung über uns ergehen lassen… also zumindest die eine Hälfte von uns! …was die Sache nicht besser machte, denn die Andere litt mindestens genauso, nur allein durch den Anblick und die Sorge, wenn nicht sogar doppelt und dreifach mit!

 

Der erste Eindruck der Klinik – sauber, sehr freundlich und viele Europäer – vielleicht doch ein sicherer Hafen? …erst einmal durchatmen! Wir wurden direkt angesprochen, nach dem Grund unseres Besuches befragt und zur weiteren Anmeldung geschickt – ein kurzes Formular mit persönlichen Daten ausfüllen und schon ging es zum Blutdruck sowie Fieber messen, Blut abnehmen und dem Grippe-Schnelltest (wir wissen nicht, ob ihr das kennt, also wir bisher nicht, aber dabei wird ein „etwas längeres“ Stäbchen in die Nase geschoben – die gesunden 50% haben dabei übrigens den Behandlungsraum verlassen, während die andere Hälfte dieses Ding ungefähr an der Schädeldecke spürte). Keine 20 Minuten später waren alle Ergebnisse bereit zur Verkündung. Auch hier stieg der Puls noch einmal auf 300!!! Heimlich beteten wir, dass es nichts ernstes ist! Der behandelnde Arzt stand, mit einem Mundschutz wedelnd, in der Tür und bat uns herein. Er verzog keine Miene… IST DAS JETZT GUT??? …ließ uns aber zum Glück nicht länger zappeln! „You can count yourself lucky! It is Influenza… nothing serious!“ Eine „einfach Grippe“!!! Der Stein, der uns vom Herzen fiel, war wahrscheinlich bis ins 8400 Kilometer entfernte Deutschland hörbar! Der Arzt verordnete unserer Kranken den Mundschutz, viel Ruhe, Schlaf und Flüssigkeitszufuhr, da es für den sinnvollen Einsatz von Grippe-Medikamenten schon zu spät war.

 

Wir waren sowas von erleichtert und hatten unsere Lektion in Sachen „Hardcore – Homestay“ verstanden! An dieser Stelle würden wir gern eine unserer Mamas zitieren (und die haben bekanntlich immer recht!): „Wer im Goldkäfig groß geworden ist, kann eben nicht so einfach in die Wildnis!“ 🙂 🙂 🙂 Danke, dem ist nichts hinzuzufügen 🙂 

Die nächsten Tage haben wir uns, wie verordnet, viel Ruhe gegönnt. Ab und an trauten wir uns in den Großstadtdschungel, vornehmlich zur Nahrungsaufnahme 🙂 …nach und nach, jeden Tag etwas mehr.

Wir dürfen vorstellen… die örtliche Fleischerei 🙂

Auch so kann man wohnen!

Wir besuchten das berühmte Wasserpuppentheater – wie wir finden ein Muss für jeden Vietnam-Reisenden! Entstanden ist diese Tradition unter den Bauern wahrscheinlich schon im 11. Jahrhundert. Durch nachgespielte Szenen aus dem Landleben, begleitet von einem kleinen Orchester, wird dem Zuschauer auf sehr unterhaltsame Art und Weise ein Stück vietnamesische Kultur und Geschichte vermittelt. Während die „ursprüngliche Bühne“ ein Dorfteich oder Reisfeld war, finden die Inszenierung heute im Theater statt.

Hanoi hat so viel zu bieten! Besonders die Altstadt ist ein wahres Erlebnis, ein Lebensgefühl! Es gibt hier keine Ruhe, alles dreht sich, ständig und immer, 24 Stunden, 7 Tage die Woche! Es reicht, einen Schritt vor das Hotel zu setzen, einen der leckeren, furchtbar süßen „Egg-Coffees“ oder ein Hanoi Beer zu trinken, und das bunte Treiben stillschweigend zu beobachten… es werden nie die gleichen Bilder sein… einfach nur verrückt… aber eben irgendwie sympathisch verrückt! 🙂

Hanois berühmt berüchtigter Egg Coffee

Trotz des anfänglich bitteren Beigeschmacks unserer vorzeitigen Ankunft in Hanoi, beginnen wir langsam, die Stadt und vor allem das Land wieder zu genießen… das ist einfach ein tolles Gefühl ! Wir gönnen uns eine Massage, schlendern durch die Gassen, besuchen das Ho Chi Minh-Museum und die größte Markthalle Nordvietnams. Wer die asiatischen Märkte kennt, weiß, dass hier alles verkauft wird und einem nie zuvor erlebte Gerüche in die Nase steigen. Werden am Haupteingang noch harmlose Schlüpfer angepriesen (obwohl die Form und Größe eines Drei-Mann-Zeltes auch schon an gewisse Grenzen stößt – wir wissen absolut nicht, wo die zierlichen Asiatinnen mit diesen Buchsen hinwollen!), bekommt man im hinteren, dunklen Teil Schildkröten, Katzen, Vögel, getrocknete Tierreste und sonstiges lebendes (zugleich meist essbares) „Material“.

Einen kleinen Einblick in die Geschichte Vietnams gab uns das Ho Chi Minh – Museum

Trotz des vermeintlichen Chaos in der Stadt, sind die Vietnamesen echt große Klasse im Organisieren von Transporten, völlig egal wohin! Damit meinen wir jetzt nicht das Schwein, welches hinten am Roller hängt oder die fünfköpfige Familie, die zusammen auf EINEM Roller sitzt… sondern jegliche Bus-, Zug- oder Taxifahrten. Egal was wir buchen, bestellen oder rufen – es funktioniert – und das sogar echt pünktlich! Wir nutzen zum Beispiel ein App, die nennt sich „GRAB“ und ist einfach genial! Du öffnest die App, tippst auf den gewünschten Service (z.B. Taxi) und gibst dein Ziel ein. Die App lokalisiert deinen Standort, findet binnen Sekunden ein Taxi in deiner Nähe und schickt es unter Anzeige der Kosten (die günstigsten der gesamten Stadt) und Fahrtdauer zu dir. Dazu wird das Kennzeichen des Autos und ein Foto vom Fahrer angezeigt, der dich meistens sogar direkt anruft. Ist das genial? Also korrigiert uns gern, aber in Deutschland gibt es das nicht, oder? Verstößt bestimmt auch gegen den Datenschutz!

Nach vier Tagen Bettruhe in der Großstadt fühlen wir uns wieder einigermaßen fit. Es wird Zeit weiterzuziehen… raus aus dem Trubel…

WIR WOLLEN MEER SEHEN!

Ist deine Umgebung zu stark… musst du dir irgendwann eingestehen, dass du zu schwach bist…

Ist deine Umgebung zu stark… musst du dir irgendwann eingestehen, dass du zu schwach bist…

Wir2 möchten auf unserer Reise irgendetwas Nützliches tun! Das war von Anfang an eine unserer Herzensangelegenheiten! Schon lange vor der Routenplanung haben wir beschlossen… irgendwo müssen wir anpacken und durch unsere Unterstützung vielleicht sogar etwas bewirken – ein paar winzig kleine Weltenbummler – Spuren hinterlassen.

Es heißt “Geben und Nehmen” und nicht “Nehmen und Gehen”.

Bei der Entscheidung wo wir das versuchen möchten, mussten wir nicht lange nachdenken. Aus welchem Grund auch immer, hatte Vietnam schon gewonnen, bevor wir überhaupt in die Nähe eines Reisplans kamen! Die Faszination für dieses Land und dessen Geschichte ist so groß, dass wir gern versuchen möchten, den Menschen etwas zu geben… vielleicht ein wenig von unseren Eigenschaften, von unserem Wissen, Werten oder einfach nur Hilfe in der Küche, auf dem Hof oder Feld sein. Wir möchten erfahren, wie das Leben hier, inmitten einer kleinen nordvietnamesischen Provinz in den Bergen, tatsächlich ist. 

Um das wirklich authentisch zu fühlen, reicht es eben nicht, einfacher Tourist oder normaler Reisender zu sein! Um bei einer vietnamesischen Familie für eine gewisse Zeit zu wohnen, baten wir um Hilfe vor Ort. Wieder einmal wussten wir absolut nicht, worauf wir uns einlassen… wir glauben diesmal sogar so wenig wie nie. Das beunruhigende an solchen Situationen sind die eigenen Vorstellungen und Erwartungen (welche auf jeden Fall – das haben wir bereits gelernt – immer so niedrig wie möglich sein sollten… aber ihr wisst ja, manchmal lassen sich Gedanken und Bilder im Kopf nicht so einfach steuern). Die wichtigsten Fragen für uns waren immer: Können wir den Menschen in ihren, seit Generationen entwickelten Lebensweisen überhaupt zur Seite stehen? Wie sieht das alles vor Ort aus… Wie stellen wir es uns vor…? Und das wichtigste… passt das alles irgendwie zusammen… UND WENN NICHT… schaffen wir es, uns damit zu arrangieren?

Ehrlich gesagt, haben wir uns die die letzte Frage sehr, sehr oft gestellt! Es war tatsächlich eine Achterbahn der Gefühle! Wir haben versucht zu verstehen, zu lernen, zu akzeptieren, über gewisse Dinge hinweg zu sehen und mitzumachen. Doch selbst das „einfache, ganz normale Leben“ brachte uns schon an die ein oder andere Grenze. Geschirr zu säubern, während dir die letzten Schlachtabfälle zwischen den Zehen hängen und die Kakerlaken Zuflucht auf deiner Waschschüssel suchen, lässt das gemeine deutsche Gemüt schon kurz erstarren… und das ist nur eine der alltäglichen Situationen 🙂 Wie ihr wisst, haben wir schon einmal festgestellt, dass wir uns von der Vorstellung, wie „Alltagsleben in gewohnter Sauberkeit“ aussieht, verabschieden müssen… aber geht das über einen längeren Zeitraum, wenn man über 30 Jahre „europäisch“ gelebt hat? 

Wir2 werden es herausfinden… Unsere Geschichte über Selbstzweifel, Bewunderung und Eingeständnisse…

Aber erst einmal alles auf Anfang 🙂 🙂 🙂

Nachdem wir per Roller von unserer Gastfamilie aus der Stadt abgeholt und ins Dorf gebracht wurden, durften wir uns ein erstes Bild von dem machen, was uns erwartet. Endlich konnten alle Vorstellungen mit Farbe und Leben gefüllt werden!

Ankunftsort war ein kleiner Innenhof, umgeben von zwei Häusern, einem Schuppen, einem kleinen Mini-Supermarkt, zwei großen Wasserbecken, einem Waschbereich und der Küche… und das alles inmitten der schönsten vietnamesischen Berglandschaft, wie sie schöner wirklich nicht sein kann!

Links seht ihr den Schuppen, gerade hin das Wohnhaus, rechts die Wasserbecken

Hier der Schuppen, rechts daneben ein kleiner Supermarkt

Aufgrund der wirklich großartigen Helfer im Hintergrund wurden wir herzlich von der Bürgermeisterin der Provinz und der Familie in Empfang genommen. Sie führten uns durch das Haus, waren sichtlich froh über unsere Ankunft und zeigten uns unser kleines Stück Privatsphäre – vier Quadratmeter unter einem Moskitonetz – et voilà – unser Schlaf- und Wohnplatz 🙂

HERZLICH WILLKOMMEN heißt hier zunächst erst einmal ZUSAMMEN ESSEN. Und glaubt uns, in Vietnam wird ordentlich aufgetischt! Unzählige Gemüsearten und Fleischsorten (hier liegt übrigens jedes Einzelteil des Huhns auf dem Teller… JEDES!!!), Fisch, Reis, Suppe, einige undefinierbare schwabbelige Gegenstände, Obst… und SEHR, SEHR VIEL Reisschnaps!!! Wir dürfen erinnern – es ist 11Uhr Vormittags! Aber zumindest wußten wir danach, warum hier alle ständig, überall und immer nach Alkohol riechen! Die Bräuche hierzulande sagen, dass man bei offiziellen Anlässen mit dem Tischältesten und dem Ranghöchsten zu trinken hat, wenn er dazu aufruft… und die Bürgermeisterin hatte beide Eigenschaften inne und obendrein ordentlich Durst 🙂 So stellt man sich einander vor, bedankt sich für das gemeinsame Mahl und die Gegenwart eines jeden Einzelnen. Der Schnaps sollte immer auf ex getrunken werden, wobei es Frauen mitunter erlaubt ist, eher Stopp zu sagen. In Sachen Verhaltensweisen erwarten den Vietnam-Reisenden auf jeden Fall so einige Fettnäpfchen. Auf der einen Seite ist es unhöflich den Alkohol abzulehnen… auf der Anderen verliert man das Gesicht, wenn man betrunken ist – EIN TEUFELSKREIS 🙂

Nachdem der erste Trubel vorbei war, wir zum Mittagsschlaf verdonnert wurden und etwas zur Ruhe kamen, nahmen wir das Umfeld bewusst wahr und atmeten gaaaanz tief durch! Wir schauten uns an… und wir müssen zugeben… wir fühlten uns im ersten Moment tatsächlich etwas hilflos… wie kleine Kinder, die kein Spielzeug vorgesetzt bekamen. Was für dörfliche, vietnamesische Verhältnisse wahrscheinlich sauber und völlig normal ist, löste bei uns eine ordentliche „Entenkombi“ aus! Wir kamen mit der überzeugten Einstellung her, helfen zu wollen… nur leider stellten die hygienischen Bedingungen (was aber im ersten Moment noch nicht mal das schlimmste war) und die Sprache eine größere Hürde dar, als wir jemals gedacht hätten. Aus welchem Grund auch immer, hatten wir bereits nach wenigen Stunden ein ungutes Gefühl. Dennoch überwog die Motivation… unsere Köpfe waren voller Ideen und Tatendrang. “Lass uns die Sache anpacken!”, flüsterten wir uns leise und verhalten zu. Wir bedauern es total, in ein Land zu kommen, welches wir so sehr mögen… wo wir aber außer „Hallo“ nichts in der Landessprache sagen können. Natürlich liegt der Fehler dahingehend bei uns! …denn wir können und wollen auch keinesfalls erwarten, dass die Einheimischen Englisch oder gar Deutsch sprechen! Wo wir uns bisher noch ganz gut mit irgendwelchen Übersetzungs-Apps durchkämpfen konnten, kamen wir hier leider auch damit an unsere Grenzen. Während wir mit unserem Gastvater ein paar holprige Sätze per Handy wechseln konnten, funktionierte das mit der Dame des Hauses leider gar nicht, denn sie kann nicht lesen. Dazu kam, dass es aufgrund des schlechten Empfangs auch für die Sprachausgabe nicht reichte… RICHTIGE KACKE! Ok – eine Lösung muss her – was tun? …Vater ist meistens unterwegs, ein Kind kann noch gar nicht sprechen, das andere ist im Grundschulalter. Mit Worten kommen wir jetzt definitiv nicht mehr weiter! Wir brauchen also eine richtige MacGyver – Lösung, um die Hürden zu überspringen! Der Typ hat doch auch aus Bambusholz, einem Motor und irgendwelchen Plastikplanen eine Flugzeug gebaut! Das kann doch nicht so schwer sein 🙂

Also fingen wir an zu schauen, was unsere Gastmutter so macht… eine wirklich unangenehme Situation, wenn man jemandem wie ein Trottel hinterher rennt und eigentlich nur im Weg steht! Wir wussten weder, was sie in dem Moment von uns dachte, noch was sie überhaupt erwartete! Aber irgendwie müssen wir ja beginnen uns zu „beschnuppern“! Es dauerte nicht lange, ihre Aufgaben grob zu überschauen. Sie bestehen im Grunde darin, Nahrung zu besorgen, zu kochen, den Hof etwas in Schach zu halten und die Kinder zu versorgen. Na gut – verstanden – nächste Überlegung… Was können wir davon vielleicht übernehmen? Eine Hälfte von uns ist ja bekanntlich „Kneipenkind“ 🙂 – Küchenarbeit – gar kein Problem! …wir wissen genau, dass unsere Mütter gerade sehr über uns lachen! Ganz liebe Grüße an dieser Stelle 🙂 Nur leider ist eine vietnamesische Küche… wie sollen wir sagen… sehr speziell! Eine Feuerstelle, ein Hahn mit fließend Wasser und ein Schlachtplatz! Dahinter die Schweine-, Hühner- und Entenställe, sowie der Fischteich – frischer geht’s sozusagen nicht. Wird nur etwas kompliziert, hier das Können aus der heimischen Küche irgendwie anzuwenden! Eine Käseplatte, Chili con Carne oder einen Mett-Igel könnten wir ja sofort zaubern… aber Fische ausnehmen, Hühner rupfen und Gemüse ernten, von welchem wir nicht mal wissen, dass es überhaupt welches ist… wird leider ein bisschen schwierig für uns!

Die Küche

Der Schlachtplatz hinter der Küche

Die Schweine- und Entenställe

Es lacht doch… oder???

Da unten links ist der Hühnerstall

Dennoch gaben wir unser Bestes! Eine spülte, die Andere schälte Gemüse, fegte den Hof und versuchte durch Einsammeln von Plastikmüll irgendwie an das Bewusstsein der Einheimischen zu appellieren. Trotz der Hilfe der Kinder, die im Grunde wissen, dass all’ das nicht in die Wiese gehört (was in dem Moment wirklich ein kleines Erfolgserlebnis war), landete das Bonbon-Papier wenige Minuten später wieder am Straßenrand… Wir halfen Holz zu stapeln, Fische zu fangen und Kräuter zu sammeln. Unsere Gastmutti nahm uns sogar mit hoch hinaus in die Berge zum Tee pflücken, welchen wir im Anschluss noch in einer Art großen Trommel über dem Feuer trockneten. Es sind wirklich richtig faszinierende Bilder für uns… wie hier alles so „ursprünglich“ funktioniert! Erlebnisse, die wir so schnell nicht vergessen und die uns mit Sicherheit sehr nachhaltig prägen…

In einer Art Trommel wird der gepflückte Tee über dem Feuer gedreht und somit getrocknet

So nach und nach verstanden wir, wie das Leben hier funktioniert. Die Familie führt eine Art kleines Restaurant und bietet über ortsansässige Touranbieter Schlafplätze an. Hier halten viele vorbeifahrende Touristen (meist Vietnamesen oder Europäer, die mit Vietnamesen unterwegs sind) zum Mittag und verweilen danach noch für ein Stündchen Mittagsschlaf. Die mehr oder weniger guten Straßen und Wege der Ha Giang Provinz sind beliebt für Roller-Touren und gelten mitunter als eine der schönsten Panoramastrecken Vietnams. Ein Engländer sah uns zum Beispiel beim Spülen des Geschirrs, traute seinen Augen kaum, sprach uns seinen größten Respekt aus und hatte genau das richtige Wort für unser Dasein hier oben: HARDCORE – HOMESTAY !!!

Leider traf es uns genauso „hardcore“ in der dritten Nacht! Habt ihr schon einmal von Montezumas Rache gehört? (Montezuma oder auch Moctezuma war ein Aztekenkönig, dessen Untertanen durch eingeschleppte Krankheiten zu Haufe starben. Bei dessen Tod im Jahre 1520 sprach er infolgedessen einen Fluch über die Pocken- und Masern-einschleppenden Spanier, dessen Auswirkung eine böse Darminfektion war, aus) Jetzt kam die richtige Keule und die Verdauung geriet ordentlich durcheinander! Ihr wisst, was das bedeutet! – wieder einer der Zeitpunkte, wo wir euch die Details lieber ersparen 🙂 Man sagt, es erwischt jeden dritten Fernreisenden! Goldene Regel: “Cook it, boil it, peel it or forget it” (koch es, brat’ es, schäl’ es oder vergiss es) – das geht sicher eine Weile lang gut, aber dass es uns irgendwann treffen wird, besonders in einer so ursprünglichen Umgebung… war ja fast klar! Doch das sollte noch nicht reichen. Denn dazu kam in der folgenden Nacht noch Schüttelfrost, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen! Ganz großes Kino! Diese Rache hat es wahrlich in sich! 

Das Leben ist ein ständiges Geben und Nehmen. Mal übernimmt man sich, mal übergibt man sich…

Unsere Gasteltern versuchten alles, um uns irgendwie zu helfen. Sie holten heilende Wurzeln, machten (trotz der Appetitlosigkeit) mehrfach am Tag Essen, kauften Medikamente und kochten Magentee.

Sie meinen es wirklich gut… aber wie soll man davon gesund werden?

Einen Abend nahmen sie uns, als Zeichen der Gastfreundschaft, sogar mit zu den Nachbarn zum gemeinsamen Reisschnaps trinken und Maden Essen (ja richtig gelesen – die kleinen weißen Tierchen werden hier abends genüsslich verzehrt). Sie waren so herzlich und liebevoll, dass es uns richtiggehend das Herz zerriss, weil wir nicht viel davon zurück geben konnten! Wir haben wirklich lange hin und her überlegt, haben pro und contra abgewogen, haben an uns gezweifelt, haben uns Vorwürfe gemacht, die ein oder andere Träne vergossen… und mussten uns letztendlich eingestehen, dass es an diesem Punkt für uns erst einmal nicht weitergeht. Die Weltenbummler-Spuren, die wir hinterlassen wollten, fanden irgendwie keinen Boden, auf welchem sie auch nur annähernd hätten gelesen werden können… Uns fehlte einfach die Kraft für tiefere Abdrücke! Wir mussten akzeptieren, dass wir für diese Welt, in diesem Moment einfach zu schwach waren! Wer uns kennt, weiß wie schwer uns beiden ein solcher Schritt fällt… 

„Wir müssen Enttäuschungen hinnehmen, aber wir dürfen niemals die Hoffnung aufgeben!“

Unser Weg führte also frühzeitig, zum auskurieren und gesund werden, zurück in die Stadt. Jetzt gilt es wieder zu Kräften zu kommen und ordentlich, mithilfe ärztlicher Betreuung abzuklären, was wir uns eingefangen haben. Auch hier haben wir jegliche Unterstützung und fühlen uns gut aufgehoben! Ihr werdet bald wieder von uns hören…