Unsere letzten Tage in Myanmar

Unsere letzten Tage in Myanmar

Während wir unseren letzten Abend, voller Vorfreude auf unseren Besuch, auf der Terrasse am Pool unseres Flughafenhotels verbringen und mittlerweile Tag 83 unserer Weltreise zählen, lassen wir 23 wundervolle Tage in Birma Revue passieren. Es waren so unendlich viele Eindrücke, Gefühle und Erlebnisse… deren ganze Vielfalt und Schönheit kaum in Worte zu fassen sind. 

Die Zeit vergeht einerseits wie im Flug und auf der anderen Seite kommt es uns vor, als wären wir schon Jahre nicht zu Hause gewesen. Das Reisen ist irgendwie zur Normalität geworden und es fühlt sich, gerade in diesem Moment, richtig toll an. Wir stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen, manchmal kleine, aber auch größere. Was für uns zu Hause selbstverständlich ist, muss hier jeden Tag neu geplant und organisiert werden. Wie kommen wir von A nach B, wo schlafen wir, was unternehmen und was essen wir? Es mag banal klingen, aber in Ländern wie Myanmar, können diese Fragen viel Zeit und vor allem viele Nerven kosten. Reisen ist nicht immer schön! Wir haben keine sechs Monate All-Inclusive-Urlaub, wo uns der Hintern gepudert wird… auch wir erleben hier zusammen, sowie jeder für sich den ein oder anderen Tiefpunkt… und das ist auch gut so. Wir lernen damit umzugehen… jeder allein für sich, aber vor allem GEMEINSAM.

„Eine Investition in das Reisen ist eine Investition in dich selbst.“ (Matthew Karsten)

Wir versuchen, alle Bilder irgendwie zu verarbeiten, sprechen viel darüber und merken aber doch ab und an, dass der Kopf nicht mehr hinterher kommt und wir einiges neu ordnen und sortieren müssen. Über 80 Tage voller wunderschöner Erlebnisse… das ist Achterbahn an Emotionen! Wir können auch nach knapp der Hälfte unserer Zeit auf Weltreise eigentlich gar nicht so richtig beschreiben, wie wir uns fühlen… Es ist auf jeden Fall ein sehr positives Gefühl. Es geht uns gut und wir sind total glücklich über die Entscheidung, diesen Schritt gegangen zu sein. Natürlich denken wir auch oft an zu Hause, an Familie und Freunde, haben aber trotzdem kein richtiges Heimweh. Manchmal verfluchen wir das Rucksack Packen und vor allem das Tragen, freuen uns aber jedes Mal wieder auf die Weiterreise an neue tolle Orte. Wir essen jeden Tag Reis, meist sogar schon zum Frühstück, sind ab und an in Gedanken bei einer richtig leckeren Brotzeit mit gaaaaaanz viel Käse oder bei Essen von Mama… aber auch dieses Verlangen ist schnell wieder verflogen. 

Es fehlt uns derzeit einfach an nichts – und wir finden es wunderschön, das sagen zu können 🙂

Myanmar hat den Namen „Land des ewigen Lächelns“ auf jeden Fall mehr als verdient. Noch nie waren wir von so einem sympathischen, freundlichen und liebevollen Volk umgeben. Wir wurden herzlich empfangen und immer freundlich und zuvorkommend behandelt. Wir haben uns zu keiner Zeit unsicher oder unwohl gefühlt und können jedem empfehlen, dieses Land zu bereisen. 

„Das ist das Angenehme auf Reisen, dass auch das Gewöhnliche durch Neuheit und Überraschung das Ansehen eines Abenteuers gewinnt.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Leider wird das heutige Birma wahrscheinlich in ein paar Jahren nicht mehr dasselbe sein… der Tourismus wird sich mehr und mehr durchsetzen, wird den Menschen zu mehr Wohlstand aber auch zu mehr Arroganz verhelfen… Wir wünschen allen Touristen ähnlich tolle Erlebnisse, wie wir sie hatten… wissen aber andererseits gar nicht so richtig, ob diesem Land mehr davon überhaupt gut tut. Im Moment ist es hier noch wunderschön ursprünglich und wir hoffen, dass sich zumindest die Menschen hier ihre tollen Eigenschaften und ihre Herkunft wahren…

Während unserer letzten Tage im Land legten wir noch einmal den Turbo ein. Da unsere „neue“ Reiseplanerin von Beginn an eine feste Route im Kopf hatte, musste das komplette Programm noch durchgezogen werden 🙂

Vom Strand ging es also binnen 9 Stunden (die gleiche Strecke in die andere Richtung dauerte 5 Stunden – die Busse hier sind eben immer für eine Überraschung zu haben) wieder zurück nach Yangon. Da wir noch nicht genug hatten, diente die Stadt diesmal nur als kurzer Zwischenstopp, bevor wir weitere zwei Stunden mit dem Zug nach Bago fuhren… Es geht eben nichts über eine gute Reiseplanung 🙂 Wer jetzt denkt, dass zwei Stunden Zug fahren doch eigentlich entspannt sind, hat genau das Bild im Kopf, welches wir auch bis zum Einstieg in die Bahn hatten! Es kommt eben immer anders als wir denken 🙂 Man beachte hier die Züge! Gebuchte Kategorie: Upper class – also das höchste, was es gibt! 

Die Mäuse im Abteil schafften es sogar auf einen unserer Rucksäcke! Wir müssen zugeben, diese Zugfahrt wird uns eine Weile im Gedächtnis bleiben… wir sind schon des Öfteren Bahn in Südostasien gefahren, aber diese Waggons sind schon, naja… wie sollen wir sagen, sehr speziell! Zwischen der Angst, jeden Moment zu entgleisen (bei gefühlten 150km/h – wahrscheinlich waren es nur 30!) und der, sich bei dem Geschaukel und Gepolter die Rippen zu brechen oder Wirbel auszurenken, bekämpften wir Mücken, Mäuse und sonstiges Getier um uns herum… während übrigens die Birmesin mit ihrem Kleinkind schräg vor uns tief und fest schläft!!! …mehr Myanmar geht wirklich nicht 🙂

Am Bahnhof in Bago, der viertgrößten Stadt Myanmars angekommen (es ist mittlerweile 22 Uhr und wir sind weit und breit die einzigen Touristen), wurden wir direkt vom „Bahnhofs-Beauftragten“ (ein kleines Männlein mit Security-Uniform) begrüßt, auf zwei Mopeds gesetzt und zum Hotel gebracht… Könnt ihr euch das in Deutschland vorstellen??? Es ist immer wieder überraschend, wie sich hier gekümmert wird, dass wir auch wirklich da ankommen, wo wir hin möchten. Von dieser Hilfsbereitschaft, Gastfreundlichkeit und Dienstleistungsbereitschaft sind wir in unserer Heimat Welten entfernt. Wir haben es scheinbar nicht mehr nötig, denken zu oft alle nur an uns und sind uns selbst der Nächste! Ja, auch Wir2 müssen uns dahingehend an die eigene Nase fassen! Wir sind extrem dankbar, diese Erfahrungen hier machen zu dürfen und hoffen, dass wir uns in manchen Situationen zukünftig daran zurück erinnern und den Menschen ein klein wenig anders begegnen als bisher.

„Zu Reisen bedeutet sich zu entwickeln.“ (Pierre Bernardo)

In Bago selbst gibt es eine enorme Vielfalt an Highlights zu bestaunen. Das sind zum Beispiel die sitzenden Buddhas, der liegende Buddha mit Dach und der liegende Buddha ohne Dach 🙂

Liegender Buddha mit Dach

Liegender Buddha ohne Dach

Ach ja… und dann ist da noch das „Schlangen-Kloster“ und der Königspalast.

Im “Schlangen-Kloster” lebt dieses nette Exemplar

Der Königspalast

Unsere kleine Sightseeingtour machte mit dem, vom Hotel gebuchten, TukTuk OHNE jegliche Federung auch richtig viel Spaß – jetzt war auch hier der Zeitpunkt gekommen, an welchem wir dieses Verkehrsmittel ebenfalls nie wieder nutzen wollten. Wir brauchen nach unserer Rückkehr auf jeden Fall eine gute Krankenversicherung und Ärzte für jedes Körperteil 🙂

Kaum aus dem TukTuk ausgestiegen (ihr wisst ja, der Reiseplan MUSS durchgezogen werden – das passiert, wenn die Realistin der Träumerin die Planung überlässt), stiegen wir in ein Taxi, welches uns weitere zwei Stunden später am Fuße des Goldenen Felsens absetzte. Nach Rippenbrüchen im TukTuk und Schleuderdrauma im Taxi, ging es nun auf der Ladefläche einer dieser Kamikaze-Trucks hinauf auf 1100 Meter zum „Golden Rock“. Wir danken unseren Müttern oder dem Storch, der uns irgendwo verloren hat und den guten Genen für unsere robusten Mägen! Denn das alles in Summe ist echt hart! Da sitzen um die 40 Personen auf einer Ladefläche eines LKWs (zum Glück gibt es wenigstens ein paar Alu-Bänke und Griffe zum Festhalten) und werden in einer 45-minütigen extrem kurvigen Berg- und Talfahrt zum Berggipfel gekarrt!

Transportmittel LKW… kann man machen 🙂

Wäre das nicht das heiligste aller buddhistischen Pilgerziele und ein Muss für jeden Myanmar-Reisenden, hätte die Hälfte von uns hier gestreikt und der Reiseleitung den Vogel gezeigt 🙂

Oben angekommen, stellen wir beide aber recht schnell fest, dass sich jeder einzelne Kilometer dafür gelohnt hat! Ein wahrhaft magischer Ort…

Glaubt man der Legende, so wird der Fels von nur einem Haar Buddhas im Gleichgewicht gehalten. Ein Eremit hatte das Haar im 11. Jahrhundert als Reliquie geschenkt bekommen und sollte vor seinem Tod einen Felsen im Wasser suchen, der dem Schädel Buddhas gleicht. Als er diesen fand, brachte er ihn auf den Berg, wo er noch heute steht… hört sich doch glaubhaft an, oder? Wir mögen die Sagen und Legenden rund um die buddhistischen Stätten! Da ist die Welt noch in Ordnung 🙂

Während männliche Pilger Blattgold an den Stein kleben und sich dabei etwas wünschen dürfen, bleibt es den Frauen verwehrt, den Fels zu berühren. Sie beten oder meditieren von entfernteren Orten. Das tut der Atmosphäre hier oben jedoch keinen Abbruch. 

Während sich der Goldene Fels so langsam in das Licht der untergehenden Sonne hüllt, nehmen wir den letzten Truck um 18Uhr hinunter ins Tal und versuchen wieder einmal all‘ das Erlebte und die wundervollen Bilder irgendwie zu verarbeiten… was für eine verrückte Zeit!

Unser weiterer Reiseplan sieht vor, dass wir am nächsten Morgen (wieder einmal 3 Stunden mit dem geliebten Bus) nach Hpa An (gesprochen Pha-An) fahren… und das tun wir auch 🙂 Wir hatten gedacht, dass uns in Myanmar nichts mehr großartig überrascht, da wir in fast jeder Ecke waren, aber die Landschaft im Süden ist so wunderschön, dass wir uns ärgern, hier nicht mehr Zeit zu haben.

Hier unten ist man relativ nah an der thailändischen Grenze. Es gibt unendlich viele, in einem unglaublichen Grün schimmernde, Reisterrassen, dazu kleine Flüsse, Seen und riesige Karstfelsen, welche die Landschaft so besonders machen. Da einige dieser Felsen hohl sind, dienen diese auch als „Herberge“ unzähliger Buddha-Statuen.

Außerdem wartet in Hpa An eines der beeindruckendsten Naturschauspiele, was wir je gesehen haben! Denn wer sich gegen Sonnenuntergang vor der sogenannten „Bat-Cave“ einfindet, kann erleben, wie Millionen von Fledermäusen zur Futtersuche ihr trautes Heim verlassen. Über eine halbe Stunde strömen Massen der kleinen Tierchen aus dem Eingang der Höhle, über den Fluss, hinaus in die Felder. Ein wirklich beeindruckendes Spektakel!

Ach ja… wer übrigens direkt darunter steht, wie die Kamerafrau hier, muss mit einem dreckigen Shirt heim gehen 🙂

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“ …sagt unsere Reisplanerin und ist stolz wie Bolle auf ihre Raum-Zeit-Berechnung… 🙂 Im Grunde haben wir jetzt alles abgegrast was geht! …nur noch eine letzte Stadt, Mawlamyaing, die drittgrößte des Landes. Hier gibt es zwar nicht allzu viel zu sehen, aber dafür ist die Anreise wunderschön. Laut Reiseführer wird die nämlich mit dem Boot empfohlen. Über unser Hotel buchten wir uns also zwei Tickets für den Kahn… drei Stunden flussabwärts. Das hieß auf jeden Fall Handy-Verbot für eine von uns 🙂 

Wir wussten nicht, dass wir für 4 Euro eine Privatfahrt bekommen, aber umso mehr lohnt sich der Trip nach Mawlamyaing…

 

So fand unsere Zeit in Myanmar einen wirklich tollen Abschluss. Wir haben dieses Land, trotz der teilweise beschwerlichen Transporte, tatsächlich lieben gelernt. Herzlicher als hier, können Menschen kaum sein! Wir sind begeistert von den Landschaften, den tausenden Pagoden, Tempel, Klöster und Buddhas… auch wenn wir nach 24 Tagen völlig „überpagodet“ sind, wissen wir heute schon, dass wir irgendwann hierher zurückkehren werden! …in der Hoffnung, dass sich das Land seine Schönheit nicht kaputt macht und die Menschen ihre unglaublich sympathische Zurückhaltung und Gastfreundschaft behalten.

 

So wunderschön war Myanmar…

Die größte Stadt Myanmars, das Meer und die Weihnachtszeit

Die größte Stadt Myanmars, das Meer und die Weihnachtszeit

Dienstag, 11. Dezember 2018, 20 Uhr, wir kommen nach einer 13-stündigen Busfahrt, über Straßen, welche buckliger und kurvenreicher nicht sein können, in Yangon an. Noch nie haben wir das Verkehrsmittel Bus so sehr gehasst wie in diesem Moment!

13 lange Stunden diese Aussicht… das kann keiner schön finden!

Du kannst nicht mehr sitzen, bist durch die Klimaanlage erfroren, hast mindestens drei Bandscheibenvorfälle und dir ist schlecht, weil du auf jeder dieser Höllenfahrten mindestens eine Person im Bus hast, welche dieses Geholper nicht verträgt. Klar… diese Kutscherei gehört irgendwie zu Südostasien… ob Bus, Bahn oder Boot… die Raum-Zeit-Berechnung ist katastrophal! Und irgendwann bist du es leid für 200 Kilometer wieder sechs bis acht Stunden im Bus zu verbringen… Zum Glück vergehen diese „Ich-möchte-das-alles-nicht-mehr-Phasen“ bei uns noch immer recht schnell. Denn uns bleibt auch nichts anderes übrig, als das einfach hinzunehmen weil wir es sowieso nicht ändern können! Also ermutigen wir uns stets mit dem Satz: „Wir haben doch Zeit… UND Wir2 wollten das alles so…“ 🙂

„Das Rezept für Gelassenheit ist ganz einfach. Man darf sich nicht über Dinge aufregen, die nicht zu ändern sind.“

Da unsere Trotzphase gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln in Südostasien schneller vergessen war als gedacht, saßen wir im Handumdrehen im langsamsten Bummelzug der Stadt… dem Circle Train. Diese Bahn fährt in ungefähr drei Stunden mit maximal 20 km/h einmal im Kreis. Keine Klimaanlage, Holzsitze, Gerüche aller Couleur, Müllberge, soweit das Auge reicht und der beste Einblick in das einfache Leben der Menschen Yangons. Dieser Zug ist vielmehr als nur ein Fortbewegungsmittel… er ist ein fahrender Markt, er ist Wohnraum, er transportiert Güter, er bringt die Menschen zusammen und wieder auseinander.

Und schon waren wir wieder mitten drin statt nur dabei und hatten die Strapazen des Vortages fast vergessen 🙂

Jedoch wollen wir euch unsere erste Episode im Hotel nicht vorenthalten… also noch einmal kurz zurück zur Ankunft in Yangon… Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass die Zündschnur nach so einem Tag im Bus durchaus einmal kürzer sein kann als normalerweise üblich… Nach einer zusätzlichen Stunde mit dem Taxi durch die Stadt (wovon 1/3 der Zeit dafür drauf ging, dass der Taxifahrer in das falsche Hotel gefahren ist – Übermittlungsfehler unbekannt), kamen wir völlig kaputt in der Lobby an. Nach dem üblichen Prozedere, wurde uns das Zimmer gezeigt. Schon mit dem ersten Schritt über die Türschwelle kam uns ein muffiger Geruchscocktail aus schimmeliger Klimaanlage und abgestandenem Zigarettenrauch entgegen… Das ist in diesem Augenblick der absolute Jackpot und wir hätten einfach nur heulen können! Es gibt eben Momente im Leben, die sind einfach zu viel… weil nichts von dem, was du dir für den Abend noch vorgestellt hast, funktioniert. Das Hotelrestaurant hat geschlossen und dein Zimmer stinkt – völlig logische Schlussfolgerung: DIE GANZE WELT IST DOOF !!!

Also… was haben wir getan? Da zumindest eine Hälfte von uns in solchen Situationen explodiert (während die Andere noch bis zum bitteren Ende der Meinung ist, dass alle Menschen lieb sind und keiner etwas dafür kann – das würde sie wahrscheinlich auch noch denken, wenn wir gar kein Zimmer in diesem Hotel bekämen… man muss sie für ihren Optimismus und ihr positives Menschenbild einfach lieben!), wurde das ursprüngliche Zimmer in ein anderes, größeres MIT BALKON getauscht! Die Freude an der Rezeption war groß… denn das hieß, den verkorksten Tag noch mit einem alkoholischem Kaltgetränk gemütlich auf dem Balkon ausklingen lassen! …etwa doch noch ein „Happy End“? 🙂 Wir schlossen die Tür des neuen Zimmers auf… alles super… großes Bett, sauberes Bad, geräumig, angenehmer Geruch… klasse! Und jetzt der Balkon! Ja… was erwartet der „gemeine Deutsche“ bei einem Balkon? Von diesen Erwartungen gilt es im südostasiatischen Raum immer wieder viel Abstand zu nehmen… denn das Bild war folgendes: Auf einer bis oben hin voll vergitterten Fläche von ungefähr einem Quadratmeter sollten eine Klimaanlage, ein Warmwasserbereiter und wir Platz finden! Die Birmesen haben echt Humor! Jetzt nahmen auch wir die Situation in unserer antrainierten südostasiatischen Gelassenheit hin… die Definition eines Balkons ist in Yangon eben etwas anders. Auch Möbel werden hier völlig überbewertet… wer braucht die schon?! Und so saßen wir am Ende dieses grandiosen Tages auf dem Boden, hinter Gittern, mit zwei Büchsen Myanmar-Bier, einer Schachtel Zigaretten und lachten über uns und unseren Auftakt in der Großstadt.

Yangon ist mit fünf Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes. Sie ist nicht sonderlich schön, dennoch interessant. Hier schlägt der Puls der Zeit. Hier kommen westliche Gepflogenheiten an und breiten sich aus wie Lauffeuer. Wir merken deutlich, dass sich besonders die Jugend verändern will und beginnt, die neue Freiheit zu genießen. Junge Männer tragen Hosen, anstelle des traditionellen Longyis.

Wie bindet man den typischen Longyi… gefunden in einem kleinen Ratgeber für Touristen in Myanmar

Die Frauen schmücken sich mit eleganten Kostümen, manchmal sogar Hosen, und zeigen ihre Schönheit… die sich wirklich sehen lassen kann, es gibt hier wunderschöne Menschen! Wir sehen zunehmend mehr „Versuche“ gefärbter Haare – asiatische Haare werden aufgrund ihrer Beschaffenheit niemals richtig blond – aber sie können es einfach nicht lassen! Wir sehen junge Pärchen, welche ihre Zusammengehörigkeit auch in der Öffentlichkeit zeigen (was keineswegs selbstverständlich ist) und wir merken, dass ein gewisser Hauch von Freiheit in der Luft liegt…

Doch was verschlägt uns eigentlich in diese Metropole? Neben der Besichtigung der größten Pagode des Landes, welche derzeit leider komplett von einem Baugerüst verdeckt wird,

Die größte Pagode des Landes… leider komplett eingerüstet

haben wir eine ÄUSSERST WICHTIGE MISSION! Denn es gibt genau einen Ort in Myanmar, an welchem man ein original Apple-Produkt kaufen kann… und das ist hier in dieser Stadt! Nach dem (noch immer) schmerzlichen Verlust ziehen wir los und erwerben (gefühlt) das wohl einzige iPhone des ganzen Landes 🙂 Eigentlich ist es erschreckend wie sehr man sich mittlerweile über materielle Dinge wie ein Telefon freut! …über ein kleines Gerät, welches zwei bis drei Daten speichern und ein paar Fotos machen kann… Das soll tatsächlich der Auslöser für eine unendliche Ausschüttung von Glückshormonen sein…? Ist das nicht verrückt? Ja, wir geben zu, wir können schlecht ohne dieses kleine Sprachrohr zur Außenwelt! Und wir stehen dazu! Wir sind also wieder komplett – 2Weltenbummler – 2Mobiltelefone – das müssen wir feiern… mit Bier auf unserem vergitterten Ein-Quadratmeter-Balkon 🙂 Auch wenn bei uns nicht einmal der kleinste Hauch von Weihnachtsstimmung aufkommt, war dieser Tag mit Heilig Abend gleichzusetzen – Merry XMas! 🙂

Obwohl sich die Einkaufszentren der Stadt hinsichtlich der Weihnachtsdekoration wirklich Mühe geben (was uns bei der enormen buddhistischen Überzahl echt wundert, aber wahrscheinlich verirren sich nur Touristen in diese Konsumtempel), geht die besinnliche Zeit, welche wir normalerweise so sehr mögen, in diesem Jahr komplett an uns vorbei. Bei knapp 30 Grad und kulturellen Eindrücken, welche nicht unterschiedlicher als die der Heimat sein können, fällt allein die Vorstellung von Adventsstimmung richtig schwer… sie ist nahezu unmöglich. Wir kommen erst gar nicht in den Geschmack irgendwelcher weihnachtlicher Gedanken, wir können nichts davon riechen oder schmecken… Und komischerweise vermissen wir es dadurch auch gar nicht so sehr. Natürlich fehlen uns unsere Lieben zu Hause… genauso wie das alljährliche gemeinsame Plätzchen backen, die gemütlichen Filmabende auf der Couch oder das Weihnachtsessen mit den Familien… Aber ihr könntet uns auch erzählen, dass heute der 15. August ist… und es würde keinen Unterschied machen. Fazit… Es ist durchaus interessant, einmal in 35 Jahren das „Fest der Liebe“ tausende Kilometer von zu Hause entfernt zu erleben… ABER DAS REICHT DANN AUCH! 🙂 Lieber Weihnachtsmann! Nächstes Jahr kannst du wieder auf uns zählen! 🙂

Um der einzigen weihnachtlichen Dekoration vollends zu entfliehen, verbrachten wir die folgenden vier Tage am Strand. Ein Bungalow direkt am Meer, Sonne pur, 30 Grad, keine Wolke, menschenleere, weite Strände…

Es wäre wirklich vermessen, an dieser Stelle nur das kleinste Gefühl der Unzufriedenheit durchschimmern zu lassen.

“Du weißt, wer du bist, wenn du weißt, was dich glücklich macht.”
Unsere Trekkingtour zum Inle See

Unsere Trekkingtour zum Inle See

Nachdem wir uns in die Tempelstadt Bagan verliebt hatten und schweren Herzens Abschied nahmen, stürzten wir uns direkt in das nächste Abenteuer. Auf der Suche nach weiteren schönen Orten und Erlebnissen in Myanmar, lasen wir von einer Trekkingtour zum Inle See… und da der See ohnehin Teil unserer Reiseroute sein sollte – warum eigentlich nicht dahin laufen…? Der Inle See ist der zweitgrößte See des Landes und liegt im Zentrum Myanmars, inmitten der Shan-Hügel, ungefähr 880 Meter über dem Meeresspiegel. Er hat eine Fläche von circa 115 Quadratkilometern und eine mittlere Tiefe von gerade einmal 1,50 Meter. Genug Wasser für die berühmten, einbeinig rudernden Fischer und ein weiteres “Muss” für jeden, der dieses Land besucht. Also warum den einfachen Weg wählen und direkt zum See fahren, wenn man auch dahin laufen kann? …Wir2Weltenbummler eben… 🙂

Startpunkt war das 50 Kilometer entfernte Örtchen Kalaw. Geplant hatten wir zwei Tage wandern mit einer Übernachtung im Kloster. Es hätte auch die Option drei Tage/ zwei Nächte gegeben aber wie ihr wisst, sind wir aufgrund diverser Erfahrungen etwas vorsichtig geworden – also reichte uns dieses Mal eine einzige abenteuerliche Nacht ohne Bett und waschen und ähnlichen nebensächlichen Dingen. Wir verbrachten also die nächsten 30 Stunden zusammen mit unserem Guide Julie, einem weiteren Deutschen, Thomas, und zwei israelischen Mädchen, Thalia und Nitsan. Angenehmer hätte unsere kleine Gruppe tatsächlich nicht sein können. Julie war eine typische Birmesin, bescheiden, schüchtern und sehr angenehm in ihrem Wesen. Auch unser deutscher Freund, obwohl wir „Landsleute“ im Urlaub ungefähr so mögen wie juckende Moskitostiche, war eine gute Reisebegleitung. Und die zwei Israelis faszinierten uns sowieso von Anfang an. Nicht nur, weil uns das Land damals schon komplett begeisterte, sondern weil hinter den jungen Jüdinnen einfach so viel spannende Geschichte steht. Nitsan, zum Beispiel, besitzt deutsche, britische und marokkanische Vorfahren, hat gerade ihren zweijährigen Militärdienst hinter sich gebracht (welchen übrigens jeder Israeli machen muss!) und möchte jetzt erst einmal vier Monate durch die Welt reisen. Habt ihr gewusst, dass israelische Staatsangehörige auch heute noch nicht in das muslimische Indonesien einreisen dürfen??? Wir schreiben das Jahr 2018! Das ist doch echt verrückt oder? In solchen Momenten halten wir uns gern vor Augen, wie glücklich wir als Deutsche eigentlich sein können. Wir haben alle Freiheiten und können immer reisen… wann und wohin wir wollen, brauchen teilweise nicht einmal ein Visum und sind nahezu überall herzlich willkommen…

Zu schade, dass wir das alles in unserem Wohlstand, unserer Selbstverständlichkeit und unter unserer Käseglocke so oft vergessen…

Aber zurück zur Trekkingtour 🙂 …die nämlich wirklich mega schön und entspannt war. Während der ersten Stunden liefen wir größtenteils durch Chili-, Auberginen- und Knoblauchplantagen.

Knoblauchanbau – Myanmar Style

Hier, im Hinterland ist unsere gesuchte Ursprünglichkeit zu Hause. Die Menschen bewirtschaften ihre Felder und verarbeiten alle Rohstoffe per Hand. Das alles zu sehen und zu erleben ist wirklich verrückt! Wir können uns nicht einmal ansatzweise in diese Lebensweise hinein versetzen… wahrscheinlich hätten wir dann 200 Jahre eher leben müssen. Was für uns unvorstellbar ist, machen diese Menschen hier noch mit voller Überzeugung! Manchmal fragen wir uns, ob sie sich annähernd vorstellen können, wie ein normaler Europäer überhaupt lebt…? Im nächsten Moment sagen wir uns aber… vielleicht ist es doch besser, wenn sie von all’ dem KEINEN BLASSEN SCHIMMER haben! Wir haben das Gefühl, dass es den Menschen hier gut geht. Ausnahmslos jeder begegnet uns mit einem Lächeln… Es ist alles gut so wie es ist!

Büffel – Badetag!

Beim wandern durch die schönsten Berglandschaften Myanmars wird nach und nach jeder in unserer kleinen Gruppe immer stiller, sodass unsere Tour schon fast meditative Wirkung hat… wir laufen alle hintereinander über die schmalen Wege und Pfade, jeder ist mit sich selbst beschäftigt, denkt wahrscheinlich über hunderte Dinge nach, macht sich Gedanken über Gott und die Welt… und manchmal lassen uns die an den Rändern wachsenden Weihnachtssterne (die übrigens natürlicherweise an riesigen Sträuchern und Bäumen wachsen) sogar ein wenig an die heimische Weihnachtszeit erinnern 🙂 

Gegen Abend kommen wir, gefühlt mitten im Nirgendwo des birmesischen Berglandes, an einem Kloster an. Neben ungefähr 30 Katzen lebten hier noch 12 Novizen, also kleine Jungen, welche einmal Mönche werden möchten und deren Lehrer, also die, die schon Mönche sind 🙂 

Julie führt uns durch das Nachtquartier… was bei drei wichtigen Örtlichkeiten – wir nennen sie der Einfachheit halber „Esszimmer, Schlafzimmer und Bad“ – schnell getan ist. Es ist eines der typischen Klöster Myanmars. Diese Bauten sind größtenteils aus Holz und stehen auf Stelzen. Das Erdgeschoss wird aufgrund der Temperaturen, welche hier oben mitunter bis auf den Gefrierpunkt sinken, und der ganzen kleinen Tierchen kaum genutzt. Hier spielt sich alles im Obergeschoss ab. Vorstellen muss man sich das wie einen großen, leeren Dachboden mit einer Ecke voller Buddha-Statuen. Nur dass dieser hier nicht als Abstellfläche, sondern als kompletter, vollwertiger Lebensraum genutzt wird. Die Mönche (oder die, die es einmal werden wollen) schlafen, meditieren, lernen, spielen und essen hier. Es gibt keine Möbel und es erinnert rein gar nichts an ein zu Hause, wie wir es kennen… aber das ist hier DAS WAHRE LEBEN und völlig normal! 

Glücklich ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht.

Auch die Toiletten lassen wieder jedes einzelne Haar am Körper einzeln aufstellen. Wir haben ja mittlerweile gar nichts mehr gegen diese einfachen ebenerdigen Toilettenschüsseln… im Gegenteil, meist sind die sowieso hygienischer! Aber wenn wir die Schüssel vor lauter Dreck nicht mehr erkennen, der Gestank uns die Tränen in die Augen treibt und die Spinnen in diesen Buden so groß sind, dass wir selbst kaum noch rein passen… dann ist das schon sehr hart!

Stellt euch doch einfach einmal vor, ihr müsst vor dem Schlafengehen noch einmal auf die Toilette… wie es die Gewohnheit eben so mit sich bringt. Es ist stockfinster, denn Strom gibt es hier nicht und der Generator wird spätestens um 20 Uhr abgeschaltet! Also… ihr müsst noch immer dringend auf Toilette! Dann geht ihr, bewaffnet mit der Handy-Taschenlampe über den dunklen Hof, auf eines dieser Dinger da oben! Unsere Wahl fiel übrigens auf das zweite von rechts… Gerüchten zufolge sollte das „das Beste“ sein! Du gehst also rein, ignorierst mit all’ deinem Mut schon die kleinen Krabbeltiere und den Gestank, versuchst dich irgendwie so dünn es geht zu machen, um bloß die Wände nicht zu berühren, hälst die Luft an, hockst dich langsam hin, leuchtest aus purem Leichtsinn alle Ecken der Reihe nach aus und auf einmal… sitzt dort eine Spinne so groß wie dein eben benutzter Suppenteller!!! Dein Körper vergisst in dem Moment ALLE Bedürfnisse, will nur noch raus aus diesem Loch! Mit einem Puls von 300 nimmst du deine Beine in die Hand und springst! Blöd nur… wenn die so schon durch „herbe Verluste“ gestrafte Hälfte von uns während dieses Überlebenskampfes WIEDER das Telefon (wir erinnern, wir haben nach der Bootsfahrt nur noch eins!) fallen lässt und es fast im Gülleabfluss versenkt – da wird es selbst in der besten Ehe durchaus auch einmal laut! 🙂 Nach dieser Aktion blieben auf jeden Fall alle wichtigen Dinge, welche kaputt gehen könnten, bis auf weiteres in der Obhut der anderen 50 Prozent 🙂 🙂 🙂 Und wir haben uns ab diesem Zeitpunkt gegen die Nutzung der Toiletten entschieden… so ein dunkler Wald ist doch auch wunderschön 🙂

Geschlafen haben wir im übrigen in diesem Nachtlager – wie die Ölsardinen – zu fünft – in unserer kleinen Gruppe. Könntet ihr euch etwas Gemütlicheres vorstellen?

Auf jeden Fall wird diese Nacht zum 35. Geburtstag wohl immer unvergessen bleiben!

Ungewaschen, mit müden, dicken Augen, bis oben warm eingepackt und mit muffigen Decken bis zum Hals bedeckt zwischen zwei Israelis und einem Deutschen morgens im Kloster wach zu werden, ist definitiv nicht die beste Option für ausschweifende Geburtstagsglückwünsche 🙂 ABER wir können immerhin behaupten, dass es SPEZIELL war! Es ist schon eine kleine Herausforderung, nur mit Blicken zu gratulieren, jegliche körperliche Nähe zu unterdrücken und unser kleines Geheimnis für uns zu behalten. Das schien uns das einzig Angemessene in einem Kloster. Außerdem hatten wir uns versprochen, keine extra Geschenke auf Weltreise zu machen… und daran hielten wir uns auch. Immerhin beschenken wir uns seit über zwei Monaten täglich mit den tollsten Erlebnissen… und auch an diesem besonderen Tag warteten noch richtig viele wunderschöne Eindrücke auf uns…

Der Abschluss unserer Trekkingtour, eine der typischen Bootsfahrten, zeigte uns die Schönheit des Inle Sees. Nach den 35 Kilometern zu Fuß, war das wirklich das Allergrößte und wir wussten jetzt schon, dass sich der Weg gelohnt hat. Es offenbarte sich eine weitere wunderschöne Landschaft Myanmars. Wir können nur immer wieder betonen, wie toll dieses Land ist. Schwimmende Dörfer, Märkte, Gärten und diese einzigartigen Fischer machen den See zu etwas ganz Besonderem.

So verbrachten wir noch zwei weitere wunderschöne Tage in dieser Region, genossen die Zeit und hielten uns einmal wieder bewusst vor Augen, was wir eigentlich seit über zwei Monaten tun… nämlich nur das, was wir wollen und was uns gefällt! Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und muss sich den Blick erst wieder frei kämpfen! Jene Zeiten, in welchen wir vergessen wie gut es uns eigentlich geht! Komischerweise gibt es diese Phasen in allen Lebenslagen… selbst am anderen Ende der Welt. Aber nach zwei birmesischen Bier wissen auch Wir2 wieder, dass es uns richtig gut geht und dass wir uns derzeit einen Lebenstraum erfüllen! DAS IST EIN WIRKLICH TOLLES GEFÜHL 🙂

Unser romantischstes Candle-Light-Dinner aller Zeiten 🙂 08.12.2018

Es sind die kleinen Dinge, die du schätzen musst… die für jeden selbstverständlich sind. Dann wirst du glücklich sein.
Unsere ersten Tage in Myanmar

Unsere ersten Tage in Myanmar

Myanmar… hört sich der Name allein nicht schon mystisch und abenteuerlich an? Uns hat dieses Land von Anfang an extrem fasziniert, wodurch es auch fester Bestandteil der Reiseroute wurde. Auf die Frage „Warum?“ haben wir ehrlich gesagt keine wirklich sinnvolle Antwort. Es ist wieder einmal so ein gemeinsames Bauchgefühl und zugleich Herzensangelegenheit. Das Land weckt das Fernweh in uns, trägt etwas Fremdes, noch Unentdecktes in sich, beinhaltet Ungewissheit, Neugierde und einfach Lust auf mehr… Vielleicht erwarten wir hier eines der ursprünglichsten aller südostasiatischen Länder, die wenigsten Touristen und den tiefsten Einblick in das „wahre und wirkliche“ Asien.

Myanmar, auch Birma (deutsche Bezeichnung) oder Burma (englischer Name) erlangte erst im Januar 1948 die Unabhängigkeit. Nach jahrelanger britischer Kolonialherrschaft und katastrophaler Zerstörung durch erbitterte Kämpfe des Vereinigten Königreichs gegen die Japaner im 2. Weltkrieg, wurde das Land im Anschluss zur Militärregierung und bekam erst 2011 einen zivilen Präsidenten als Staatsoberhaupt. Die heutige Republik ist durchzogen von alten Strukturen und kämpft Tag für Tag für die Umsetzung der neuen demokratischen Regierungsformen. Wir selbst merken nichts davon, wir erfahren lediglich die wundervolle birmesische Gastfreundschaft und den wahnsinnig traurigen Kampf um das Geld der Touristen. Auf uns wirkt Mandalay, als die zweitgrößte Metropole des Landes, wie eine Mischung aus dem chaotischen Delhi und dem sympathischen Durcheinander Hanois… und ja, an manchen Ecken könnte sie tatsächlich schon als moderne Kleinstadt Thailands durchgehen. Traditionelle Holzhütten wechseln sich mit immer moderner werdenden Shopping-Malls ab.

Myanmar ist sichtlich in Umbruch-Stimmung. Die Menschen wollen raus aus ihrer gewohnten Umgebung, wollen lernen, wollen mehr als ihr zu Hause sehen und möchten die Welt zu Gast in ihrer Heimat. Wir, als Europäer, werden von der jungen Generation begutachtet, beobachtet und manchmal sogar angesprochen. Was mit einem schüchternen Lächeln beginnt, endet nicht selten mit einem Gruppenfoto oder einem Interview, inklusive Tonmittschnitt, auf Englisch… Die jungen Birmesen möchten die „Fremden“ kennenlernen, mit ihnen kommunizieren, ihre natürliche Schüchternheit (die wir eigentlich besonders mögen und schätzen) ablegen und neue Sprachen lernen …und das alles auf eine unglaublich sympathische Art und Weise 🙂

 

Aufgrund der über 130 verschiedenen Ethnien und Bevölkerungsgruppen, von welchen einige zunehmend Autonomie und Unabhängigkeit beanspruchen, gibt es noch heute bewaffnete Kämpfe. Aus den Reihen der Buddhisten werden Hasstiraden geschürt, welche das noch immer unterschwellig regierende Militär begrüßt und mittels Gewalt blutig umsetzt.

Erst im März 2018 schrieb der Tagesspiegel einen Artikel mit der Überschrift:

„Buddhistische Mönche befeuern Hass gegen Muslime“

Sind Probleme wie diese in der heutigen Welt tatsächlich allgegenwärtig?

“Geschätzte fünf Prozent der 53 Millionen Einwohner Myanmars sind Muslime. Ein Teil von ihnen gehört zur Volksgruppe der Rohingya, die vergangenes Jahr in der Provinz Rakhaing zu hunderttausenden vertrieben wurden, tausende wurden vergewaltigt und ermordet. Aber auch in Rangun, 400 Kilometer südöstlich der Schauplätze dieser Taten, materialisiert sich der Hass. Zwei Koranschulen wurden auf Druck radikaler Buddhisten von der Polizei geschlossen, offizielle Begründung: Man könne die Sicherheit der Schüler nicht länger gewährleisten. In einem anderen Viertel suchte ein buddhistischer Mob nach Rohingya, die angeblich nach Rangun geflüchtet seien und sich hier versteckt hielten. Als die Männer keine fanden, griffen sie wahllos Muslime aus der Nachbarschaft an. In allen Fällen waren Mönche beteiligt.”

„Gilt der Buddhismus nicht als die friedlichste und sanfteste aller Religionen, als Lehre der Harmonie und inneren Ausgeglichenheit? Wie kann es sein, dass strenggläubige Buddhisten in Myanmar derart intolerant sind – und in ihrer Hetze offenbar dieselben Argumente benutzen wie deutsche Islamhasser?“ (Quelle: Tagesspiegel)

Was bewegt die Menschen mit diesem religiösen Hintergrund zu Meinungen und Taten wie diesen? Ist es die Angst erneuter Unterdrückung und neuer Ausübung von Zwang? Doch warum wird dann genau das gegenüber „Andersdenkenden“ wieder ausgeübt? Thomas Hobbes sagte einmal „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ …Sollte er damit recht behalten? Wahrscheinlich könnten wir uns noch hunderte solcher Fragen stellen und würden trotzdem niemals eine verständliche und für uns zufriedenstellende Antwort finden…

Der Kampf gegen muslimische Minderheit wurde weitestgehend an die Landesgrenzen verdrängt. Jene Grenzen, wo unbeteiligten Dritten der Zutritt komplett verwehrt wird. Keine Touristen, keine Beobachter, nicht einmal Helfer können sich ein Bild vor Ort machen! Aber was kann der große, der unschuldige Teil der Bevölkerung für das Verhalten Einzelner oder das des Staates? Richtig, rein gar nichts! Das Land hat unserer Meinung nach dennoch eine Chance verdient! Und deswegen sind wir trotzdem sehr neugierig und freuen uns auf die nächsten Wochen.

Da nahezu 88 Prozent der Bevölkerung buddhistischen Glaubens sind, besitzt Myanmar einige der bedeutendsten Bauten dieser Religion. Ehrlich gesagt, haben wir bereits am zweiten Tag aufgehört zu zählen. Wo der Blick in Mandalay, unserem Ausgangspunkt, auch hinging… überall ragen kleine und große, weiße und goldene Türmchen gen Himmel. Bezüglich der genauen und detaillierten Unterschiede zwischen Tempel, Pagoden, Klöstern und Stupas scheiden sich die Geister. Kann man die einen betreten und andere wiederum nur von außen bestaunen, dienen manche der Lehre aber fast alle der Behausung von Buddha-Statuen und Reliquien. Für uns ist dieser Glaube seit unserer ersten Asienreise etwas ganz Besonderes! Und eins steht fest… Man kann sich niemals genug Buddhas anschauen! 🙂 🙂 🙂

Ziel des buddhistischen Glaubens ist die Entfaltung des eigenen Geistes. Durch Selbständigkeit und Eigenverantwortung kann jeder Mensch zu dieser „Erleuchtung“ gelangen. Einer der Grundsätze dieser Religion (neben der Wiedergeburt) ist der Glaube an das Karma. Das heißt, dass wir mit unserem Verhalten in diesem Leben über unser nächstes entscheiden. Wer also im Leben viel Gutes tut, erlangt ein gutes Karma und darf auf ein schönes neues Leben als Mensch hoffen. 

„Der Buddhismus ist die Lehre von Siddharta Gautama. Er kam als Hindu zur Welt. Später beobachtete er, dass alle Menschen auf der Welt leiden. Manche, weil sie krank, arm oder einsam sind, andere, weil sie ein schlimmes Schicksal verkraften müssen. Aber auch gesunde, reiche und vom Schicksal verwöhnte Menschen sind von Unzufriedenheit oder sogar Neid, Gier oder Hass geplagt.

Siddharta versank tief in seinen Gedanken. In dieser Meditation fand er nach buddhistischem Glauben einen Weg, sich von allem Leid zu befreien. Er führte ein bescheidenes Leben, bescherte seinen Mitmenschen nur Freude und Gutes und betrachtete alle Menschen und Dinge ohne sie in irgendeiner Form zu bewerten. Das führte ihn zur wahren Erkenntnis aller Dinge. Damit war er der Buddha. Buddha heißt „der Erleuchtete“.”

Selbst die jungen Mönche brauchen ihre Andenken 🙂

Mit dem Tuktuk oder Taxi lässt sich in und um Mandalay alles recht entspannt erkunden. Ein paar Eindrücke davon könnt ihr hier sehen:

Die Sicht vom Mandalay Hill

Auch die wissen schon, wie man den Touristen das Geld aus der Tasche zieht!

Und auch sie weiß es leider schon… Lächeln (wenn man das als solches bezeichnen will) gegen Foto!

Einer der umstrittensten Orte der Stadt ist der Mandalay Palace. Der ehemals vollständig aus Holz errichtete Königspalast brannte 1945 komplett nieder. In den 90er Jahren begann das Land mit dem Wiederaufbau, siedelte dafür tausende Familien um, riss deren Häuser ab und befahl Zwangsarbeit. Heute sehen wir neue Palastbauten mit Wellblechdächern… ohne den alten Charme.

 

Extrem beeindruckend, nur leider auch Touristenattraktion, ist das Mahagandayon Kloster in Amarapura. Hier leben hunderte Mönche um die Lehre Buddhas zu studieren.

Während unzählige Touristen bei der täglichen Essens-Zeremonie zuschauen und hemmungslos, ohne Sinn und Verstand, jeden Happen der Gläubigen durch die Fenster des Speiseraums fotografieren, schlendern wir durch das riesengroße Areal der Klosterschule.

Die Stimmung ist unglaublich beruhigend, wir könnten das alles stundenlang beobachten und würden es noch immer wahnsinnig interessant finden 🙂

Getreu dem Motto „Einmal Touri-Tour muss sein…“, fuhren wir auch nach Inwa. Das ist eine Art künstlich, durch Kanäle erzeugte Insel, auf welche man mittels eines kleinen Bootes gelangt.

 

In unseren Köpfen hatten wir die Vorstellung, dort gemütlich herumzulaufen und uns ein paar schöne Tempel und Klöster anzuschauen… wie gesagt, in unseren Köpfen hat das alles Sinn gemacht 🙂 Kaum am anderen Ufer angekommen, wurden wir schon von den ersten Damen und ihrer „Ware“ belagert… Bücher, Schmuck und Postkarten liegen hier ganz hoch im Trend! Ok, diese Challenge meisterten wir mit Ignoranz – was uns wirklich missfällt, aber das grenzte schon an betteln und aggressive Verkaufstaktiken! Gleich darauf folgte Challenge Nummer zwei. Denn auf einer Strecke von ungefähr 400 Metern standen gefühlte 10.000 Pferdekutschen bereit für neue Touristen. Doch mit eisernem Willen schafften wir es auch hier durch… vorerst! …bis wir feststellten, dass die Klöster und Tempel auf einem 10 Kilometer langen Rundweg liegen! Gute Planung ist eben wirklich alles 🙂 

Im nächsten Moment saßen wir auch schon in einer der klapprigen, nennen wir es Holzgestelle, da uns einer der Kutscher (in weiser Voraussicht) gefolgt ist und uns einsammelte 🙂

Es ist doch immer wieder schön, wenn wir über uns selbst lachen können 🙂 Und wer uns kennt, weiß, dass Pferde genau unser Ding sind! Es gibt eben Tage, an welchen wir einfach NICHTS auslassen 🙂 Dennoch hat sich die Tour gelohnt und wir hatten einen tollen Tag.

Der krönende Abschluss unserer Zeit in Mandalay galt der berühmt berüchtigten U-Bein-Brücke. Erbaut um 1850 ist sie mit einer Länge von 1,2 Kilometern die älteste und längste Teakholz-Brücke weltweit. Den Namen verdankt der heute noch rege genutzte Fußgängerübergang dem damaligen Bürgermeister und Auftraggeber U Bein. Leider mussten mittlerweile einige der über 1000 Holzpfähle durch Betonpfeiler ersetzt werden, wodurch der Charme mancherorts etwas getrübt wird… für uns ist es, trotz zahlreicher Besucher, dennoch eines der Highlights… inklusive einem wundervollen Sonnenuntergang.

Der vierte Tag unserer Myanmar-Tour führte uns weiter Richtung Süden. Wir möchten in die alte Königsstadt Bagan, eine der größten archäologischen Stätten Südostasiens. Unser dafür gewähltes Transportmittel: das Boot!

Also das weiße, hinter dem verdreckten Anleger, war unser Boot 🙂

Wir schreiben Sonntag, den 1. Advent, gehen morgens um 6:30 Uhr an Bord, nehmen unsere Liegestühle auf dem Sonnendeck ein und suchen uns schon einmal die bequemste Position für die nächsten 10 Stunden… Es heißt doch: „Eine Seefahrt, die ist lustig…“ – das war sie tatsächlich… bei schönstem Sonnenschein tuckerten wir an tollen Kulissen vorbei und genossen die entspannte Fahrt… bis zu diesem einen Moment!!!

Dieser eine Moment… wenn dein iPhone aus der Hosentasche fällt, im Anschluss direkt vom Stuhl durch das Geländer rutscht, auf dem Unterdeck abprallt, du nur noch hörst und im Augenwinkel siehst wie es ins Wasser plumpst und in der braunen Brühe des Ayeyarwaddy-Rivers für immer verschwindet.

Wie fühlt man sich in dieser Sekunde? …wenn du realisiert, dass deine gesamte Persönlichkeit in Form deines Smartphones gerade über Bord gegangen ist? Wir können es euch sagen! RICHTIG, RICHTIG MISERABEL UND BESCHISSEN! Ja, es ist NUR ein Telefon! Das reden wir uns für die nächste Stunden auch permanent ein… aber es beinhaltete eben auch viele Erinnerungen und Daten. Und glaubt uns… da kann schon mal die ein oder andere Träne fließen. Aber wie sagte eine unserer Mamas so schön: „Jetzt können wenigstens die Fische telefonieren! Hauptsache euch geht‘s gut!“ 🙂 Und sie hat sowas von recht! Auch wenn der wirklich tiefsitzende Schmerz für eine von uns noch ein paar Tage anhalten wird, können wir behaupten, die wohl teuerste Bootstour Myanmars erlebt zu haben 🙂

Im Grunde reichte aber eine kleine Tour durch Bagan auf unserem E-Scooter schon, um diese Verlust fast zu vergessen… die Stadt mit ihren über 2000 Tempeln und Pagoden ist der absolute Wahnsinn! Auf einer Fläche von ungefähr 40 Quadratkilometern cruisen wir drei Tage lang über Straßen, sandige Wege und Pfade, vorbei an hunderten großen und kleinen jahrtausendealten Bauwerken. Es fühlt sich irgendwie frei an, wir können uns gar nicht satt sehen und sind einfach nur glücklich.

Die absolute Liebe zu Bagan entstand allerdings eines morgens zwischen 06:45 Uhr und 07:30 Uhr 🙂 irgendwo auf einer kleinen Pagode inmitten der historischen Königsstadt.

 

Müssen wir bezüglich dieses Liebesgeständnisses noch irgendetwas erklären…???

DAS gehört auf jeden Fall in die Sparte „beeindruckendste Erlebnisse unserer Weltreise“! Es war noch stockdunkel als wir gegen 5 Uhr mit dem Roller am Hotel starteten und uns einen Weg über spärlich beleuchtete Straßen oder jene, die es mal werden wollen, zu einer der letzten, noch besteigbaren Pagoden suchten. Jaaaa… ein bisschen Leichtsinn muss sein… zumal Helm hier auch keine Option ist! Dank der Hilfe eines Einheimischen haben wir tatsächlich eine kleine Pagode, von welcher wir eine richtig gute Aussicht hatten, gefunden. Gegen 06:15 Uhr zeigen sich die ersten roten, gelben und orangenen Farbtöne der aufgehenden Sonne. Allein dieser Zeitpunkt ist bereits ein unglaubliches Erlebnis.

Doch all’ das wird in Bagan noch getoppt! Jeden Morgen, mit Sonnenaufgang um 06:30 Uhr, beginnen die Heißluftballons aus dem noch leicht nebligen Tal langsam in den Himmel über Bagan zu steigen.

Wir wußten, das es toll werden wird, da diese Bilder zu Haufe um die Welt gehen… ABER wir hätten niemals gedacht, dass es so unglaublich wunderschön ist! Das alles selbst zu erleben und zu sehen ist so großartig! Wir sind so dankbar für diese Eindrücke und lassen einfach die Bilder sprechen…

Schweren Herzens verlassen wir dieses einzigartige Reich der Tempel und Pagoden nach vier Tagen und ziehen weiter. Im Gepäck: Erinnerungen, die nie vergehen…