Myanmar… hört sich der Name allein nicht schon mystisch und abenteuerlich an? Uns hat dieses Land von Anfang an extrem fasziniert, wodurch es auch fester Bestandteil der Reiseroute wurde. Auf die Frage „Warum?“ haben wir ehrlich gesagt keine wirklich sinnvolle Antwort. Es ist wieder einmal so ein gemeinsames Bauchgefühl und zugleich Herzensangelegenheit. Das Land weckt das Fernweh in uns, trägt etwas Fremdes, noch Unentdecktes in sich, beinhaltet Ungewissheit, Neugierde und einfach Lust auf mehr… Vielleicht erwarten wir hier eines der ursprünglichsten aller südostasiatischen Länder, die wenigsten Touristen und den tiefsten Einblick in das „wahre und wirkliche“ Asien.

Myanmar, auch Birma (deutsche Bezeichnung) oder Burma (englischer Name) erlangte erst im Januar 1948 die Unabhängigkeit. Nach jahrelanger britischer Kolonialherrschaft und katastrophaler Zerstörung durch erbitterte Kämpfe des Vereinigten Königreichs gegen die Japaner im 2. Weltkrieg, wurde das Land im Anschluss zur Militärregierung und bekam erst 2011 einen zivilen Präsidenten als Staatsoberhaupt. Die heutige Republik ist durchzogen von alten Strukturen und kämpft Tag für Tag für die Umsetzung der neuen demokratischen Regierungsformen. Wir selbst merken nichts davon, wir erfahren lediglich die wundervolle birmesische Gastfreundschaft und den wahnsinnig traurigen Kampf um das Geld der Touristen. Auf uns wirkt Mandalay, als die zweitgrößte Metropole des Landes, wie eine Mischung aus dem chaotischen Delhi und dem sympathischen Durcheinander Hanois… und ja, an manchen Ecken könnte sie tatsächlich schon als moderne Kleinstadt Thailands durchgehen. Traditionelle Holzhütten wechseln sich mit immer moderner werdenden Shopping-Malls ab.

Myanmar ist sichtlich in Umbruch-Stimmung. Die Menschen wollen raus aus ihrer gewohnten Umgebung, wollen lernen, wollen mehr als ihr zu Hause sehen und möchten die Welt zu Gast in ihrer Heimat. Wir, als Europäer, werden von der jungen Generation begutachtet, beobachtet und manchmal sogar angesprochen. Was mit einem schüchternen Lächeln beginnt, endet nicht selten mit einem Gruppenfoto oder einem Interview, inklusive Tonmittschnitt, auf Englisch… Die jungen Birmesen möchten die „Fremden“ kennenlernen, mit ihnen kommunizieren, ihre natürliche Schüchternheit (die wir eigentlich besonders mögen und schätzen) ablegen und neue Sprachen lernen …und das alles auf eine unglaublich sympathische Art und Weise 🙂

 

Aufgrund der über 130 verschiedenen Ethnien und Bevölkerungsgruppen, von welchen einige zunehmend Autonomie und Unabhängigkeit beanspruchen, gibt es noch heute bewaffnete Kämpfe. Aus den Reihen der Buddhisten werden Hasstiraden geschürt, welche das noch immer unterschwellig regierende Militär begrüßt und mittels Gewalt blutig umsetzt.

Erst im März 2018 schrieb der Tagesspiegel einen Artikel mit der Überschrift:

„Buddhistische Mönche befeuern Hass gegen Muslime“

Sind Probleme wie diese in der heutigen Welt tatsächlich allgegenwärtig?

“Geschätzte fünf Prozent der 53 Millionen Einwohner Myanmars sind Muslime. Ein Teil von ihnen gehört zur Volksgruppe der Rohingya, die vergangenes Jahr in der Provinz Rakhaing zu hunderttausenden vertrieben wurden, tausende wurden vergewaltigt und ermordet. Aber auch in Rangun, 400 Kilometer südöstlich der Schauplätze dieser Taten, materialisiert sich der Hass. Zwei Koranschulen wurden auf Druck radikaler Buddhisten von der Polizei geschlossen, offizielle Begründung: Man könne die Sicherheit der Schüler nicht länger gewährleisten. In einem anderen Viertel suchte ein buddhistischer Mob nach Rohingya, die angeblich nach Rangun geflüchtet seien und sich hier versteckt hielten. Als die Männer keine fanden, griffen sie wahllos Muslime aus der Nachbarschaft an. In allen Fällen waren Mönche beteiligt.”

„Gilt der Buddhismus nicht als die friedlichste und sanfteste aller Religionen, als Lehre der Harmonie und inneren Ausgeglichenheit? Wie kann es sein, dass strenggläubige Buddhisten in Myanmar derart intolerant sind – und in ihrer Hetze offenbar dieselben Argumente benutzen wie deutsche Islamhasser?“ (Quelle: Tagesspiegel)

Was bewegt die Menschen mit diesem religiösen Hintergrund zu Meinungen und Taten wie diesen? Ist es die Angst erneuter Unterdrückung und neuer Ausübung von Zwang? Doch warum wird dann genau das gegenüber „Andersdenkenden“ wieder ausgeübt? Thomas Hobbes sagte einmal „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ …Sollte er damit recht behalten? Wahrscheinlich könnten wir uns noch hunderte solcher Fragen stellen und würden trotzdem niemals eine verständliche und für uns zufriedenstellende Antwort finden…

Der Kampf gegen muslimische Minderheit wurde weitestgehend an die Landesgrenzen verdrängt. Jene Grenzen, wo unbeteiligten Dritten der Zutritt komplett verwehrt wird. Keine Touristen, keine Beobachter, nicht einmal Helfer können sich ein Bild vor Ort machen! Aber was kann der große, der unschuldige Teil der Bevölkerung für das Verhalten Einzelner oder das des Staates? Richtig, rein gar nichts! Das Land hat unserer Meinung nach dennoch eine Chance verdient! Und deswegen sind wir trotzdem sehr neugierig und freuen uns auf die nächsten Wochen.

Da nahezu 88 Prozent der Bevölkerung buddhistischen Glaubens sind, besitzt Myanmar einige der bedeutendsten Bauten dieser Religion. Ehrlich gesagt, haben wir bereits am zweiten Tag aufgehört zu zählen. Wo der Blick in Mandalay, unserem Ausgangspunkt, auch hinging… überall ragen kleine und große, weiße und goldene Türmchen gen Himmel. Bezüglich der genauen und detaillierten Unterschiede zwischen Tempel, Pagoden, Klöstern und Stupas scheiden sich die Geister. Kann man die einen betreten und andere wiederum nur von außen bestaunen, dienen manche der Lehre aber fast alle der Behausung von Buddha-Statuen und Reliquien. Für uns ist dieser Glaube seit unserer ersten Asienreise etwas ganz Besonderes! Und eins steht fest… Man kann sich niemals genug Buddhas anschauen! 🙂 🙂 🙂

Ziel des buddhistischen Glaubens ist die Entfaltung des eigenen Geistes. Durch Selbständigkeit und Eigenverantwortung kann jeder Mensch zu dieser „Erleuchtung“ gelangen. Einer der Grundsätze dieser Religion (neben der Wiedergeburt) ist der Glaube an das Karma. Das heißt, dass wir mit unserem Verhalten in diesem Leben über unser nächstes entscheiden. Wer also im Leben viel Gutes tut, erlangt ein gutes Karma und darf auf ein schönes neues Leben als Mensch hoffen. 

„Der Buddhismus ist die Lehre von Siddharta Gautama. Er kam als Hindu zur Welt. Später beobachtete er, dass alle Menschen auf der Welt leiden. Manche, weil sie krank, arm oder einsam sind, andere, weil sie ein schlimmes Schicksal verkraften müssen. Aber auch gesunde, reiche und vom Schicksal verwöhnte Menschen sind von Unzufriedenheit oder sogar Neid, Gier oder Hass geplagt.

Siddharta versank tief in seinen Gedanken. In dieser Meditation fand er nach buddhistischem Glauben einen Weg, sich von allem Leid zu befreien. Er führte ein bescheidenes Leben, bescherte seinen Mitmenschen nur Freude und Gutes und betrachtete alle Menschen und Dinge ohne sie in irgendeiner Form zu bewerten. Das führte ihn zur wahren Erkenntnis aller Dinge. Damit war er der Buddha. Buddha heißt „der Erleuchtete“.”

Selbst die jungen Mönche brauchen ihre Andenken 🙂

Mit dem Tuktuk oder Taxi lässt sich in und um Mandalay alles recht entspannt erkunden. Ein paar Eindrücke davon könnt ihr hier sehen:

Die Sicht vom Mandalay Hill

Auch die wissen schon, wie man den Touristen das Geld aus der Tasche zieht!

Und auch sie weiß es leider schon… Lächeln (wenn man das als solches bezeichnen will) gegen Foto!

Einer der umstrittensten Orte der Stadt ist der Mandalay Palace. Der ehemals vollständig aus Holz errichtete Königspalast brannte 1945 komplett nieder. In den 90er Jahren begann das Land mit dem Wiederaufbau, siedelte dafür tausende Familien um, riss deren Häuser ab und befahl Zwangsarbeit. Heute sehen wir neue Palastbauten mit Wellblechdächern… ohne den alten Charme.

 

Extrem beeindruckend, nur leider auch Touristenattraktion, ist das Mahagandayon Kloster in Amarapura. Hier leben hunderte Mönche um die Lehre Buddhas zu studieren.

Während unzählige Touristen bei der täglichen Essens-Zeremonie zuschauen und hemmungslos, ohne Sinn und Verstand, jeden Happen der Gläubigen durch die Fenster des Speiseraums fotografieren, schlendern wir durch das riesengroße Areal der Klosterschule.

Die Stimmung ist unglaublich beruhigend, wir könnten das alles stundenlang beobachten und würden es noch immer wahnsinnig interessant finden 🙂

Getreu dem Motto „Einmal Touri-Tour muss sein…“, fuhren wir auch nach Inwa. Das ist eine Art künstlich, durch Kanäle erzeugte Insel, auf welche man mittels eines kleinen Bootes gelangt.

 

In unseren Köpfen hatten wir die Vorstellung, dort gemütlich herumzulaufen und uns ein paar schöne Tempel und Klöster anzuschauen… wie gesagt, in unseren Köpfen hat das alles Sinn gemacht 🙂 Kaum am anderen Ufer angekommen, wurden wir schon von den ersten Damen und ihrer „Ware“ belagert… Bücher, Schmuck und Postkarten liegen hier ganz hoch im Trend! Ok, diese Challenge meisterten wir mit Ignoranz – was uns wirklich missfällt, aber das grenzte schon an betteln und aggressive Verkaufstaktiken! Gleich darauf folgte Challenge Nummer zwei. Denn auf einer Strecke von ungefähr 400 Metern standen gefühlte 10.000 Pferdekutschen bereit für neue Touristen. Doch mit eisernem Willen schafften wir es auch hier durch… vorerst! …bis wir feststellten, dass die Klöster und Tempel auf einem 10 Kilometer langen Rundweg liegen! Gute Planung ist eben wirklich alles 🙂 

Im nächsten Moment saßen wir auch schon in einer der klapprigen, nennen wir es Holzgestelle, da uns einer der Kutscher (in weiser Voraussicht) gefolgt ist und uns einsammelte 🙂

Es ist doch immer wieder schön, wenn wir über uns selbst lachen können 🙂 Und wer uns kennt, weiß, dass Pferde genau unser Ding sind! Es gibt eben Tage, an welchen wir einfach NICHTS auslassen 🙂 Dennoch hat sich die Tour gelohnt und wir hatten einen tollen Tag.

Der krönende Abschluss unserer Zeit in Mandalay galt der berühmt berüchtigten U-Bein-Brücke. Erbaut um 1850 ist sie mit einer Länge von 1,2 Kilometern die älteste und längste Teakholz-Brücke weltweit. Den Namen verdankt der heute noch rege genutzte Fußgängerübergang dem damaligen Bürgermeister und Auftraggeber U Bein. Leider mussten mittlerweile einige der über 1000 Holzpfähle durch Betonpfeiler ersetzt werden, wodurch der Charme mancherorts etwas getrübt wird… für uns ist es, trotz zahlreicher Besucher, dennoch eines der Highlights… inklusive einem wundervollen Sonnenuntergang.

Der vierte Tag unserer Myanmar-Tour führte uns weiter Richtung Süden. Wir möchten in die alte Königsstadt Bagan, eine der größten archäologischen Stätten Südostasiens. Unser dafür gewähltes Transportmittel: das Boot!

Also das weiße, hinter dem verdreckten Anleger, war unser Boot 🙂

Wir schreiben Sonntag, den 1. Advent, gehen morgens um 6:30 Uhr an Bord, nehmen unsere Liegestühle auf dem Sonnendeck ein und suchen uns schon einmal die bequemste Position für die nächsten 10 Stunden… Es heißt doch: „Eine Seefahrt, die ist lustig…“ – das war sie tatsächlich… bei schönstem Sonnenschein tuckerten wir an tollen Kulissen vorbei und genossen die entspannte Fahrt… bis zu diesem einen Moment!!!

Dieser eine Moment… wenn dein iPhone aus der Hosentasche fällt, im Anschluss direkt vom Stuhl durch das Geländer rutscht, auf dem Unterdeck abprallt, du nur noch hörst und im Augenwinkel siehst wie es ins Wasser plumpst und in der braunen Brühe des Ayeyarwaddy-Rivers für immer verschwindet.

Wie fühlt man sich in dieser Sekunde? …wenn du realisiert, dass deine gesamte Persönlichkeit in Form deines Smartphones gerade über Bord gegangen ist? Wir können es euch sagen! RICHTIG, RICHTIG MISERABEL UND BESCHISSEN! Ja, es ist NUR ein Telefon! Das reden wir uns für die nächste Stunden auch permanent ein… aber es beinhaltete eben auch viele Erinnerungen und Daten. Und glaubt uns… da kann schon mal die ein oder andere Träne fließen. Aber wie sagte eine unserer Mamas so schön: „Jetzt können wenigstens die Fische telefonieren! Hauptsache euch geht‘s gut!“ 🙂 Und sie hat sowas von recht! Auch wenn der wirklich tiefsitzende Schmerz für eine von uns noch ein paar Tage anhalten wird, können wir behaupten, die wohl teuerste Bootstour Myanmars erlebt zu haben 🙂

Im Grunde reichte aber eine kleine Tour durch Bagan auf unserem E-Scooter schon, um diese Verlust fast zu vergessen… die Stadt mit ihren über 2000 Tempeln und Pagoden ist der absolute Wahnsinn! Auf einer Fläche von ungefähr 40 Quadratkilometern cruisen wir drei Tage lang über Straßen, sandige Wege und Pfade, vorbei an hunderten großen und kleinen jahrtausendealten Bauwerken. Es fühlt sich irgendwie frei an, wir können uns gar nicht satt sehen und sind einfach nur glücklich.

Die absolute Liebe zu Bagan entstand allerdings eines morgens zwischen 06:45 Uhr und 07:30 Uhr 🙂 irgendwo auf einer kleinen Pagode inmitten der historischen Königsstadt.

 

Müssen wir bezüglich dieses Liebesgeständnisses noch irgendetwas erklären…???

DAS gehört auf jeden Fall in die Sparte „beeindruckendste Erlebnisse unserer Weltreise“! Es war noch stockdunkel als wir gegen 5 Uhr mit dem Roller am Hotel starteten und uns einen Weg über spärlich beleuchtete Straßen oder jene, die es mal werden wollen, zu einer der letzten, noch besteigbaren Pagoden suchten. Jaaaa… ein bisschen Leichtsinn muss sein… zumal Helm hier auch keine Option ist! Dank der Hilfe eines Einheimischen haben wir tatsächlich eine kleine Pagode, von welcher wir eine richtig gute Aussicht hatten, gefunden. Gegen 06:15 Uhr zeigen sich die ersten roten, gelben und orangenen Farbtöne der aufgehenden Sonne. Allein dieser Zeitpunkt ist bereits ein unglaubliches Erlebnis.

Doch all’ das wird in Bagan noch getoppt! Jeden Morgen, mit Sonnenaufgang um 06:30 Uhr, beginnen die Heißluftballons aus dem noch leicht nebligen Tal langsam in den Himmel über Bagan zu steigen.

Wir wußten, das es toll werden wird, da diese Bilder zu Haufe um die Welt gehen… ABER wir hätten niemals gedacht, dass es so unglaublich wunderschön ist! Das alles selbst zu erleben und zu sehen ist so großartig! Wir sind so dankbar für diese Eindrücke und lassen einfach die Bilder sprechen…

Schweren Herzens verlassen wir dieses einzigartige Reich der Tempel und Pagoden nach vier Tagen und ziehen weiter. Im Gepäck: Erinnerungen, die nie vergehen…