Singapur – ein Staat ohne Grenzen…

Singapur – ein Staat ohne Grenzen…

Selten fiel es uns so schwer, alle Eindrücke in Worte zu fassen! Nach gut drei Monaten 150 Prozent Südostasien, stiegen wir in die Zeitkapsel und landeten nach knapp zwei Stunden in einer der modernsten, reichsten und schönsten Städte der Welt. Vom TukTuk in computergesteuerte U-Bahnen, vom Baumhaus in einen der luxuriösesten Wolkenkratzer der Welt, von Sandwegen auf achtspurige Stadtautobahnen… das müssen unsere (mittlerweile lahmen) Köpfchen erst einmal fassen, verstehen und verarbeiten!
Singapur ist ein Insel- beziehungsweise Stadtstaat. Mit einer eher geringen Fläche, ähnlich der von Hamburg, ist es das kleinste Land Südostasiens und kennt dennoch keinerlei Grenzen! Es gibt hier wahrscheinlich nichts, was es nicht gibt. Über Singapur zu schreiben ist in der Tat nicht einfach. Manchmal kommt es uns so vor, als müssten ganz neue Worte, deren Bedeutung weit über dem Superlativ liegen, erst noch erfunden werden… denn selbst die höchste Steigerungsform ist in dieser Stadt nicht genug! Dieses Fleckchen Erde scheint irgendwie perfekt zu sein… Egal ob Besucherzahlen, Sauberkeit, Sicherheit, Toleranz, Zufriedenheit der Einheimischen, Wirtschafts- und Kaufkraft… sogar die Umsätze der Casinos und die eigene Airline brechen medienwirksam alle Rekorde und befinden sich unter den TopTen-Ranglisten weltweit.

Der längste Infinity Pool, das höchste Riesenrad, das größte Aquarium, die höchste Rooftop-Bar, der längste Nonstopflug mit Singapore Airlines, einer von zwei Orten weltweit mit einem echten, innerstädtischen Regenwald, der weltgrößte vertikale Garten (Pflanzen-Fassade, entwickelt zur Einsparung von Energie- und Wasserkosten), der größte Innenwasserfall, die höchstgelegene Mikro-Brauerei… bahnbrechende Fakten und Rekorde welche uns immer wieder staunen lassen!

Der Infinity Pool des Marina Bay Sands

Gardens by the Bay
Sicherlich ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt… auch wenn der Stadtstaat der Inbegriff des Perfektionismus ist… und einfach JEDER von dieser Stadt begeistert ist! Singapur ist modern, es ist extrem grün, die Fünfeinhalb-Millionen-Metropole wirkt super entspannt und ist weit entfernt von dem Trubel gewöhnlicher Großstädte. Die Stadt ist ein einzigartiges Kunstwerk, erschaffen von Architekten und Städteplanern der Extraklasse. Die Kehrseite der Medaille allerdings sind exorbitant hohe Lebenshaltungskosten, Regeln und Vorschriften für alles und jeden, sowie extrem strenge Strafgesetze… deren Durchsetzung in der Praxis jedoch nur noch sporadischen Charakter besitzen und eher der bloßen Abschreckung dienen sollen… Diese Überreglementierung folgt in der Realität lediglich dem Motto: „Man könnte, wenn man wöllte“. Die Zeiten von Verhaftungen aufgrund einer Ampelüberquerung bei Rot oder das Zahlen einer Geldstrafe für das Rauchen an öffentlichen Plätzen sind wohl längst vorüber… Aber irgendwie befolgt der Großteil diese Einstellung und der mehr oder weniger ironische, doppeldeutige Satz:

„Singapore is a fine city“

hält sich noch immer hartnäckig! Da das Wörtchen „fine“ einerseits die Bedeutung “schön” und andererseits aber auch mit „Geldstrafe“ übersetzt werden kann, beschreibt dies Singapur nach wie vor ziemlich treffend… an Verbotsschildern, Hinweisen und Verhaltensregeln spart der Stadtstaat auf jeden Fall nicht.

Eines von unzähligen Verbotsschildern der Stadt
So ist zum Beispiel die Einfuhr von Kaugummi untersagt… es sei denn, er ist aus medizinischer Sicht notwendig. War der Verkauf von Kaugummi von 1992 bis 2004 noch komplett verboten, ist er mittlerweile zwar gestattet, jedoch noch immer stark eingeschränkt. Der Käufer muss ein Arztrezept und seinen Ausweis vorlegen. Falls der Apotheker den Namen des Käufers nicht notiert, kann er mit einer Geldstrafe von bis zu 2000 Euro rechnen.

Auch gegen Vandalismus und Graffiti können hohe Haftstrafen verhängt werden, dazu zählt auch Prügel mit dem Rohrstock. Ebenfalls hohe Geld- und Sozialarbeitsstrafen, wie zum Beispiel Reinigungsarbeiten, werden gegen Personen verhängt, die Müll, darunter auch Zigarettenkippen achtlos auf die Straße werfen. Wer in öffentliche Verkehrsmittel steigt, sollte auf Essen, Trinken und Rauchen verzichten. Denn auch dies unterliegt hohen Strafen von bis zu 3500 Euro.

Singapur ist das einzige Land der Welt, in das Zigaretten nicht zollfrei eingeführt werden dürfen. Die Geldstrafe für die Einfuhr einer Stange Zigaretten beträgt das zehnfache des Preises innerhalb Singapurs, welcher derzeit bei ca. 70 Euro liegt – folglich rund 700 Euro! Selbst wenn man eine angebrochene Schachtel dabei hat, darf diese maximal 17 Zigaretten beinhalten.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, sich an ein paar Regeln hält oder diese „netten Hinweise“ vor der Reise gar nicht erst durchliest und verinnerlicht, kann entspannt nach Singapur reisen und eine wahnsinnig tolle Zeit genießen 🙂 Und genau das haben wir auch getan!

Gleich zweimal hatten wir das Glück, ein Stück Heimat in dieser Megastadt empfangen zu dürfen. Durch einen tollen Abend mit Freunden, bekamen wir einen ersten Eindruck, wie wundervoll, atemberaubend und faszinierend, aber auch wie preisintensiv das „Vergnügen Singapur“ sein kann… so passiert es schon einmal, dass man im Ich-habe-Urlaub-Leichtsinn die Getränkekarte nicht richtig liest und den Preis einer Flasche Wein mit dem eines Glases verwechselt! Bis zum Zeitpunkt der Abrechnung ist man auch richtig stolz auf dieses Schnäppchen, freut sich über drei leere Flaschen und die großartige Stimmung am Tisch… UND RICHTIG GUTER HUMOR IST, wenn die Rechnung kommt, und „Mann“ sagt… „Na zum Glück haben wir das nicht eher verstanden, sonst hätten wir es doch gar nicht getrunken!“ 🙂 Wir2 danken den Einladenden von ganzen Herzen! Es war ein toller Abend!
Auf einen Abend mit Freunden folgen neun weitere unglaublich schöne Tage mit einem kleinen Teil der Familie. Voller Aufregung und Vorfreude kleben wir an der Scheibe im Ankunftsbereich des Flughafens. Natürlich fließt nach so langer Zeit das ein oder andere Tränchen! Über vier Monate sind Wir2 mittlerweile in der Welt unterwegs… in solchen Momenten sind wir einfach überwältigt und wissen um so mehr, dass unsere Heimat ZU HAUSE ist…denn dort sind die Menschen, welche unser Leben einfach lebenswert und wertvoll machen! Umso größer ist die Freude, einen kleinen Teil der Familie am anderen Ende der Welt treffen zu können und eine wundervolle gemeinsame Zeit zu erleben… ein Stück Heimat so unendlich weit weg von zu Hause 🙂

„Familie ist wie ein Baum… Die Zweige mögen in unterschiedliche Richtungen wachsen, doch die Wurzeln halten alles zusammen.“

In Singapur zu sein, heißt das Leben in einer faszinierenden Umgebung zusammen zu genießen 🙂 Alles beginnt mit dem Erlebnis, im begehrtesten Hotel der Stadt, dem Marina Bay Sands, zu schlafen. Allein das gehört für uns definitiv in die Kategorie „Einmal im Leben…“. Mit über 2500 Zimmern, dem weltweit größten, und mit knapp 150 Metern längsten Infinitypool, einem hauseigenen Theater, einem Museum, einer Eislaufbahn, einem Einkaufszentrum, einem Casino, einem 340 Meter langen Dachgarten, sowie Restaurants, Bars und Nachtclubs ist dieser durch Architekten, Ingenieure und Feng-Shui-Meister entworfene Bau ein echtes Highlight. Die drei 55-stöckigen, 191 Meter hohen Hoteltürme sind auf jeden Fall der Blickfang und das Wahrzeichen der Stadt!
Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass wir zuweilen etwas schräg angeschaut wurden… beim Einchecken mit unseren, sagen wir… mittlerweile etwas „verbrauchten“ und schmuddeligen Rucksäcken auf den Schultern 🙂 Zwischen all‘ den Sonnenbrillen tragenden, im Sommerkleidchen und mit Hut geschmückten Chinesinnen kann man schon mal in viel zu großen Schlabberhosen und abgeranzten FlipFlops stehen 🙂 Wir hatten das Gefühl, dass selbst der Concierge nichts mit unserem Gepäck anfangen konnte… es war eben kein Louis Vuitton-Köfferchen! ABER DAS MACHT UNS ÜBERHAUPT NIX! Wir wurden trotzdem sehr, sehr freundlich behandelt und bekamen unser Zimmer… was wirklich großartig war!
Es ist schon irgendwie verrückt, in 200 Metern Höhe, vom Pool aus, mit einem Singapore Sling in der Hand, über die Wasserkante in die Stadt zu blicken und dieses Flair zu genießen! Aber machen wir uns nichts vor… das alles passt keineswegs in die Reisekasse der 2Weltenbummler… UND DAS IST AUCH KEINESFALLS DAS WAHRE LEBEN… aber bei so ein klein wenig Dekadenz sagt doch (ganz tief im Innersten) keiner von uns nein!!! …Ist das nicht auch irgendwie menschlich? Natürlich genießen wir das! …und umso dankbarer sind wir, das alles gemeinsam erleben zu dürfen! Diese Erinnerungen kann uns keiner mehr nehmen…

„Sammle Momente, nicht Dinge!“

Mit dem Hop-on Hop-off Bus gehen wir auf Entdeckungsreise durch die Stadt. Indisches und arabisches Viertel, Chinatown, alte, wunderschöne britische Kolonialbauten treffen auf moderne Megabauwerke aus Stahl, Beton und Glas.

Der innerstädtische Regenwald und zugleich botanischer Garten lädt zum Spazieren gehen, Verweilen und Entspannen ein. Als UNESCO-Weltkulturerbe ist er, mit der (wie soll es auch anders sein) größten Orchideen-Ausstellung der Welt, auf ungefähr 74 Hektar Land und mit über 4 Millionen Besuchern jährlich zudem auch der meistbesuchte Botanische Garten weltweit. Dieses Land ist in jeglicher Hinsicht das Nonplusultra! …noch nie waren wir so begeistert von einer Großstadt!
Sobald die Sonne untergegangen ist, jagt eine Lichtshow die nächste… Wasserspiele im Hafen, die schönsten Illuminationen in den „Gardens by the Bay“ auf der anderen Seite des Hotels und als Abschluss ein Feuerwerk! Wir haben keine Ahnung, welche Stadt das jemals toppen könnte!

Vielleicht fällt es uns aufgrund der extremen Vielfalt an wunderschönen Eindrücken so schwer, über all‘ das zu schreiben… Egal in welcher Ecke Singapurs wir standen, die Kinnlade klappte stets nach unten. Noch nie haben wir den Satz: „Wie schön ist diese Stadt!“ so oft benutzt wie hier. Wenn du denkst, es geht nicht besser, gehe nach Singapur und du wirst sehen… ES GEHT!

Sentosa – Singapurs “Stadtstrand” ist im Grunde eine Insel voller Erlebnisse
Und wenn die Eltern schon einmal auf Hochzeitsreise sind und uns daran teilhaben lassen (wofür wir unendlich dankbar sind… wir können es gar nicht oft genug sagen), folgt auch noch eine kleine Reise auf die nahegelegene indonesische Insel Bintan.

Ankunft auf der Insel Bintan
Mittlerweile verstehen wir auch, warum Singapur dieses Stück Land seit Jahren kaufen möchte und Indonesien stets ablehnt! Die Insel Bintan ist Teil des indonesischen Riau-Archipels. Nur eine Bootsstunde von Singapur entfernt, befinden sich die traumhaftesten Hotelanlagen inmitten von Mangrovenwäldern und abgeschiedenen Stränden.

Die “treuen Begleiter” auf der gesamten Insel… bloß keine Zähne zeigen, das bedeutet kämpfen!

Unsere kleine Tour durch die Mangrovenwälder
Könnt ihr euch vorstellen, wie das ist… wenn man die Tür der gebuchten Villa aufschließt, über den eigenen Infinity Pool auf das Meer schaut und an diesem Ort ganze fünf Tage bleiben darf??? DER ABSOLUTE WAHNSINN!!! Vor dem Sprung in den Pool in voller Montur könnte uns in den Moment keiner abhalten 🙂

Frühstück einmal “anders” 🙂
Es gibt so unglaublich schöne Orte auf dieser Welt! Gerade befinden wir uns an einem davon… wir liegen einfach nur hier auf unserer Liege, schauen auf das Meer… und genießen „das süße Nichtstun“ …oder auch das „DOLCE FAR NIENTE“, wie es Julia Roberts in einem unserer Lieblingsfilme nennt… Doch irgendwie fällt es uns mitunter schwer, all‘ das ohne schlechtes Gewissen zu genießen… Wir haben so unendlich viel Leid und Armut auf unserer bisherigen Reise erlebt – steht es uns eigentlich zu, all’ diese Dinge unbeschwert zu genießen? Kann es eine derart gerechte Verteilung auf dieser, auf UNSERER WELT, in unserem Leben überhaupt geben? Ist es nicht schon viel wert, sich überhaupt mit solchen Fragen zu beschäftigen…? Ist es das, was wir in den letzten Monaten gelernt haben? Sicherlich schauen wir mittlerweile anders auf die Welt und reflektieren die Dinge auf andere Art und Weise… dieses Abenteuer mag uns im Unterbewusstsein verändern… und hoffentlich zu etwas besseren Menschen machen…

Der Süden Kambodschas – Chinesisches Bauland, Romantik und Phnom Penh

Der Süden Kambodschas – Chinesisches Bauland, Romantik und Phnom Penh

Mit dem Nachtbus… nein falsch… mit dem „Hotelbus“, wie es in der Buchung wunderbar, fast gemütlich anmutend, beschrieben wurde, knapp 500 Kilometer durch das halbe Land in Richtung Süden zum Strand. Geplante Fahrtzeit: 11 Stunden – wir wären aber schließlich nicht in Südostasien, hätte diese Reise keine Überraschung für uns parat! Denn auf unserer Tour (die wir übrigens nur buchten, um im Bus, in Anbetracht der Fahrtzeit, einigermaßen waagerecht liegen und schlafen zu können) durften wir nach ziemlich genau fünf Stunden das Gefährt wechseln und saßen wieder genauso aufrecht wie in jedem anderen Bus! Die Transportwege und -mittel der Asiaten sind eben immer wieder unergründlich… Und wir sind mittlerweile wirklich beide an dem Punkt (nach gut 3 Monaten 150 % Südostasien), an welchem wir DAS definitiv nicht vermissen werden! Aber zumindest vertragen die Kambodschaner, im Gegensatz zu den Birmesen, das Busfahren… sodass uns diese Geräuschkulisse hier weitestgehend erspart bleibt!

Aus den veranschlagten 11 Stunden wurden erwartungsgemäß mehr, nämlich gute 13, was uns nach dieser Zeit allerdings kaum noch tangiert. Schließlich ist der Weg das Ziel 🙂 Und während dieser für südostasiatische Verhältnisse echt moderat war, entpuppte sich die Destination als wahrer Alptraum! Geschockt, traurig, wütend und furchtbar enttäuscht… das alles in ziemlich intensiver Mischung empfanden wir bei unserer Ankunft in Sihanoukville, der fünftgrößten Stadt des Landes. Mit rund 90.000 Einwohnern galt das Städtchen am Golf von Thailand inklusive der vorgelagerten Inseln einst als echter Geheimtipp. Doch Sihanoukville ist zum Inbegriff einer rasanten, völlig unkoodinierten, stillosen Entwicklung geworden… die gnadenlose chinesische Bauwut ist unaufhaltsam und überrollt den kompletten Ort. Genau hier, genau an dieser Stelle, hat Kambodscha seine Seele verkauft!

Wir wohnten in einer kleinen, italienisch – kambodschanisch geführten Bungalow-Anlage (also ehrlich gesagt waren es genau drei Bungalows, wodurch das Wort “Anlage” etwas hochgegriffen ist) außerhalb der Stadt, in Otres Beach… eine kleine Oase inmitten des auch hier bereits angekommenen Baubooms chinesischer Investoren. Der Reiseführer bereitete uns bereits gut auf das Backpacker-Paradies vor, dennoch ahnten wir nicht im Entferntesten, in welcher Hippie-Kommune wir hier landeten! Dreadlocks, Hanfhosen, Komm-ich-heute-nicht-komme-ich-vielleicht-Morgen-oder-gar-nicht-Einstellung, Love und Peace an jeder Ecke, alle haben sich furchtbar lieb und schauen mitunter durch eine kleine Cannabis-Brille 🙂

Uns war durchaus bewusst, dass Kambodscha ein sehr beliebtes und typisches Backpacker-Ziel ist… aber das sind Thailand oder Vietnam auch… und dennoch ist es nicht einmal annähernd vergleichbar. Uns fehlten richtiggehend die Worte zwischen all‘ den schrägen, hängen gebliebenen Aussteigern. Nie zuvor haben wir das so extrem wahrgenommen wie hier. Da wir tolerant sind (und über Dinge hinweg sehen, welche wir eh nicht ändern können – Lektion Nummer 1 auf Reisen!), akzeptieren wir das natürlich… was bleibt uns auch übrig! Aber ist es nicht verrückt, dass die Atmosphäre an diesem Ort so extrem ist, dass wir uns fast unwohl fühlen! Und das Schlimmste daran ist doch, dass es durch Menschen ausgelöst wird, welche sich hier festsetzen und scheinbar absolut nichts mit der Identität dieses wunderschönen Landes verbindet! …oder kam Bob Marley etwa aus Kambodscha…? 🙂

So verkürzten wir unsere Zeit auf dem Festland, blieben nur eine Nacht und flohen auf eine der Inseln, Koh Rong Sanloem. Die Anzahl des oben beschriebenen Typs Mensch wurde nicht wirklich weniger… aber dafür gab es keine Großbaustellen und die Insel bot genug Platz für Alle.

Auf Koh Rong Sanloem gibt es (noch) keine Hotels… es gibt keine geteerten Straßen, keine Autos und keine Geldautomaten. Noch herrscht hier Frieden im Paradies und das genießen wir auch! 

Eine kleine einstündige Trekkingtour durch den Dschungel führt uns zur anderen Seite der Insel zur sogenannten „Clear Water Bay“. Eine völlig unberührte Bucht, nur über diesen Weg oder per Boot erreichbar. Sand, wie er weicher und feiner nicht sein kann… Kennt ihr diesen Sand, der eine Art angenehmes Quietschgeräusch macht, wenn man auf ihm läuft? Oft wird das auch als „singen“ bezeichnet und entsteht durch ausgesprochen kleine, speziell geformte Sandkörner… ein wirklich wunderbares Gefühl unter den Füßen, welches es nicht an allzu vielen Stränden gibt.

“Quietschender Sand (engl. squeaky sand) ist ein geologisches Phänomen… Sand kann unter gewissen Bedingungen beim Begehen unter den Füßen quietschen… Bedingung sind ein durchlässiger nichtbindiger Untergrund, eine bestimmte Art von Quarzsand ohne Kalkanteil sowie eine bestimmte Korngröße (etwa 150–500 Mikrometer). Der Sand muss in einer nach Korngrößen geschichteten, sogenannten gestörten Lage (hervorgerufen meist durch Wind) liegen, einen bestimmten Feuchtigkeitsgehalt aufweisen und zu einer glatten und abgerundeten Oberfläche verwittert bzw. abgeschliffen sein. Das Quietschen des Sandes entsteht durch mechanische Beanspruchung, also den beim Darüberlaufen eingetragenen Druck und die dadurch hervorgerufene Reibung zwischen den Körnern.” (Quelle: Wikipedia)

Doch Schneisen der Verwüstung lassen vermuten, dass auch hier ganz bald nichts mehr so ist wie jetzt. Die Chinesen investieren in die Insel, gefolgt vom ersten Bagger, welcher das Eiland erreicht hat. Die jetzigen Besitzer der kleinen Hostels und Bungalows sprechen mit gespaltener Zunge. Einerseits hören wir Sätze wie: „Das ist der Anfang vom Ende!“ und andererseits Aussagen wie: “Doch dieses Land braucht finanzielle Unterstützung! Keiner hat sich bisher für Kambodscha interessiert und jetzt tun es die Chinesen! Vielleicht sollten wir auch dankbar sein! Es ändert sich endlich was!“

Ja, wahrscheinlich muss man die Entwicklung tatsächlich aus beiden Perspektiven sehen und hoffen, dass das alles irgendwie im Gleichgewicht bleibt… Wir sind dennoch froh, die Insel in diesem „Ur“- Zustand erleben zu dürfen.

Vom Meer an den Fluß… die nächste Etappe steht an… mit dem Ziel: Kampot. Beschrieben wird dieser Ort als gemütliches Städtchen mit zahlreichen, gut erhaltenen Bauten aus der französischen Kolonialzeit. Wir suchten uns ein kleines Hotel am Rande der Stadt – wie ihr ja schon wisst, können wir Menschen nicht leiden 🙂 und suchen uns oft sehr kleine, abgelegene Unterkünfte, wenn wir die letzten vier Monate einmal rückblickend betrachten, haben wir fast immer in Hotels oder kleinen Appartements geschlafen… wir können uns einfach nicht unter dem Deckmantel des “Backpackers” verstecken… so gesehen lässt uns lediglich der Rucksack auf den Schultern wie einer aussehen… in Wirklichkeit haben wir wohl nichts gemeinsam… UND WIR STEHEN DAZU! Hostels, Gemeinschaftsbäder, Menschen kennenlernen und ständiger Smalltalk ist leider überhaupt nichts für uns. Unsere Zeit auf Reisen ist endlich und das leben wir auch!

Das ist übrigens eine Unterkunft der Kategorie TRAUMHAFT SCHÖN! Und außerhalb des Zentrums hieß in dem Falle eine 20-minütige TukTuk-Fahrt über einen Acker, welcher irgendwann, in vielen Jahren mal eine Straße werden will. Zu Schade für die eigentlich schöne Stadt Kampot, denn wir verließen dieses wunderschöne Fleckchen Erde nur für ein paar Stunden… und das ist nach fast vier Monaten on Tour völlig normal! Irgendwann kommst du an einen Punkt, an welchem du einfach dieses Gefühl, etwas verpassen zu können, nicht mehr hast! Hier zählt einfach nur der Moment…

Schweren Herzens verlassen wir dieses Paradies um die letzten Tage im Großstadtdschungel der Hauptstadt Phnom Penh zu verbringen. Wir sitzen mit 15 weiteren Leuten in einem Bus für 10 Personen (was die Bequemlichkeit schon erahnen lässt), lauschen dem Zischen beim Öffnen der Bierdosen und atmen den Staub und Smog der völlig überfüllten Straßen während sich englische und deutsche Backpacker ihren nächsten Joint drehen. Genervt von der Gesamtsituation und von zu viel „alternativ“ bewundern wir immer wieder die Geduld der Kambodschaner. Im Grunde ist dieses Volk nach wie vor in der Position, das zu tun, was andere sagen. Sind es nicht die Touristen, so ist es der chinesische Investor oder der vietnamesische Vorgesetzte. Der typische Kambodschaner ist zurückhaltend, freundlich, ehrlich und sehr bescheiden. Um das Land, die Menschen und die Kultur besser verstehen zu können, befassen wir uns mit dem dunkelsten Teil der Geschichte. Es ist gerade einmal 40 Jahre her, dass in Kambodscha einer der grausamsten Völkermorde sein Ende fand. Unter dem Regime Pol Pots fanden fast 3 Millionen Menschen den Tod… Die „perfekte Revolution“ sollte es werden. Die Menschen wurden verfolgt, vertrieben, gefoltert, gequält, ermordet und bestialisch hingerichtet… und das durch die eigenen Landsmänner, größtenteils sogar durch Kinder, welche in Zeiten des Terrors zu hörigen Soldaten gemacht wurden… einige noch keine 11 Jahre alt! Mit dem krankhaften Gedanken, einen kommunistischen Agrarstaat zu errichten, wurden innerhalb kürzester Zeit Tausende Menschen ermordet und Millionen Menschen aus den Städten vertrieben und zur Landwirtschaft gezwungen. Pol Pot erklärte das Geld als wertlos und setzte absolute Willkür an dessen Stelle. Als sicheres Todesurteil galten zu jener Zeit unter anderem Intelligenz, ein angesehener Beruf, eine eigene Meinung, weiche Hände, saubere Kleidung und eine Brille… Jeder vierte Kambodschaner verlor zwischen 1975 und 1979 sein Leben!!! Während des Besuchs des ehemaligen Folgergefängnisses Tuol Sleng verschlug es uns die Sprache. 

 

Nur wenige wussten, was sich zu jener Zeit hinter den Mauern abspielte. Fadenscheinige Vorwürfe des Staatsverrats oder sonstige Belanglosigkeiten führten hier täglich zu den grausamsten Foltermethoden bis hin zum Tode. Wie die Tiere wurden die Gefangenen hier aneinander gekettet und eingesperrt.

Überlebte man die Folter, wurde man nachts mit verbundenen Augen mittels eines LKWs auf die Felder, außerhalb der Stadt gefahren. In dem Glauben, man bekomme ein neues zu Hause, machte sich Hoffnung breit. Doch in Wirklichkeit waren diese Orte nichts anderes als riesige Hinrichtungsstätten und tragen heute den Namen “Killing Fields”. Die Tötungsmethoden der Roten Khmer erinnern an ein bestialisches Massaker. Da der Einsatz von Schusswaffen aufgrund des Munitionsverbrauchs zu teuer war, wurde jeder vorstellbare harte Gegenstand benutzt, um Millionen von Leben zu beenden.

Eines der ausgehobenen Massengräber

Eigentlich möchten wir gar nicht weiter darauf eingehen… die Erzählungen der Stimme des Audioguides an einem Ort, welcher so viel Grausames gesehen hat, verursacht richtige Gänsehaut. Es kommt uns ein Besucher entgegen, welcher seine Tränen nicht mehr halten kann, als er auf den großen Baum mit dem Schild “Killing Tree against which executioners beat children” zugeht. Das Leben hunderter Kleinkinder wurde an diesem Baum, im wahrsten Sinne des Wortes, zerschmettert! Kaltblütiger kann Völkermord tatsächlich nicht sein!

„Auch heute noch sind viele Massengräber nicht ausgehoben und die Toten nicht angemessen bestattet… Immer noch spült der Regen Kleidungsfetzen und Knochen aus dem Boden der Killing Fields, alle paar Monate werden sie eingesammelt. Manche Gebeine werden öffentlich ausgestellt.“  (Quelle: Spiegel Online)

Rund um diesen See befinden sich auch heute noch “unberührte” Massengräber

An solchen Tagen sind wir wirklich “satt”, ziehen uns zurück und halten uns vor Augen, in welcher behüteten Heimat wir leben dürfen! Doch das Volk hier blickt nach vorn und hat diese Zeit ein Stück weit hinter sich gelassen. Vielleicht ist es diese grausame Vergangenheit, welche das Land, aber vor allem die Menschen auf eine ganz spezielle Art und Weise besonders macht. Wir sind froh und glücklich darüber, dass wir den Sprung “zurück” gemacht haben und all’ das noch sehen und erleben durften! Die letzten Tage genießen wir in unserem kleinen, wunderschönen Appartement im Herzen Phnom Penhs.

Von einer Stadt, welche der Moderne mit aller Macht (und viel chinesischem Geld) hinterher jagt, geht es für uns nun weiter in eines der reichsten und modernsten Länder der Welt… Wir freuen uns auf SINGAPUR!

Wieder zu zweit allein… und nun?

Wieder zu zweit allein… und nun?

Unsere lieben Freunde machten sich auf den Weg zurück in die Heimat. Und da standen wir nun… verlassen, weinend und bis zum letzten Blickkontakt winkend am Flughafen in Borneo… irgendwie planlos, leer und überfordert. Der Abschied vor über drei Monaten war schon schwer, aber das hier warf uns für einen kurzen Moment komplett aus der Bahn. Als wäre das Reisen zu sechst zur Normalität geworden, als wäre das alles nie anders gewesen… so mussten wir uns erst einmal sammeln, neu sortieren und vor allem nach vorn schauen! Wir hatten glatt vergessen, wie sich das anfühlt, zu zweit, ganz allein zu sein…

 Wir ließen die wunderschöne Zeit noch einmal Revue passieren, freuten uns über all‘ die schönen gemeinsamen Momente und immer bleibenden Erinnerungen aus Malaysia. Eine willkommene Aufmunterung an diesem Abend (und auch heute noch), ist die Abschiedsrede für einen, in unserem Pool ertrunkenen, kleinen Gecko… verfasst von unserem jüngsten Reisegruppen-Mitglied. Vielen Dank, dass du uns (in Anbetracht dieser traurigen Tatsachen – sowohl des Verlusts unseres Haustieres, als auch der Heimkehr der Mädels) so sehr zum Lachen gebracht hast und das auch immer noch tust!

Das Grab unseres kleinen Freundes

Diesen Abschiedsbrief konnten wir euch einfach nicht vorenthalten! Wir danken der jungen Autorin 🙂

Wir haben wirklich bis zum letzten Tag überlegt, was wir während der kommenden drei Wochen machen möchten. Wir hatten absolut keine Ahnung! Einerseits ein tolles Gefühl… andererseits irgendwie auch nicht! Es war noch nichts geplant (das macht im Kopf der Realistin so gar keinen Sinn – keine Struktur, kein Ziel – “Das geht doch gar nicht!”). Uns stand jede Option offen (eindeutig zu viel Spielraum für die Träumerin! – ihr ahnt nicht, wieviele Ziele in drei Wochen passen können). Die ursprünglichste Idee war, auf dem malaiischen Festland zu bleiben und zum Beispiel in ein Hilfsprojekt zu investieren. Leider muss man als unterstützende Arbeitskraft in Elefanten-Aufzucht-Stationen, Schulen oder anderen Organisationen sehr tief in die Tasche greifen, was unserer Meinung nach etwas den Sinn verfehlt und deswegen von der Liste weichen musste. Danach dachten wir, weil uns Borneo so gut gefallen hat, dass wir einfach auf der Insel bleiben… aber letzten Endes hat sich dieser Plan ohne die vier Mädels irgendwie falsch angefühlt. Wir wollten unsere Zeit in Malaysia als Gemeinsame – zusammen mit unserem kleinen Hummerclub – in Erinnerung behalten… und entschieden uns aufgrund dessen für einen kompletten Tapetenwechsel! Wir zogen ein Land aus der “Da-möchten-wir-unbedingt-noch-hin-Box, welches wir vor zwei Monaten übersprungen haben… AUF GEHT’S NACH KAMBODSCHA!!!

 

Kurzer Faktencheck

 

  • Fläche: etwa halb so groß wie Deutschland 
  • Einwohner: ungefähr 15 Millionen
  • Religion: 95% Buddhisten 
  • Staatsform: Konstitutionelle Monarchie (das heißt, dass die Macht des Monarchen durch eine Verfassung geregelt wird)
  • Geschichte: ein Land, welches bis in die 90er Jahre nur besetzt, gefoltert und unterdrückt wurde, die Bevölkerung hat den Glauben in den eigenen Staat verloren und beginnt nun so langsam selbstständig, selbstbewusst und stark zu werden

 

Vom eher fortschrittlichen Schwellenland Malaysia bewegen wir uns (im wahrsten Sinne des Wortes) ZURÜCK nach Kambodscha. Voller Vorfreude sind wir glücklich mit unserer Entscheidung! Wir sind schnell wieder im “Alltag zu zweit” angekommen und starten unsere Tour in Siem Reap, nahe der Tempelanlage Angkor Wat. Wir wollen es langsam angehen und haben für die ersten Tage ein niedliches kleines Hotel gebucht. Das Taxi zur Abholung am Flughafen steht bereit, der Fahrer grinst uns an und heißt uns Herzlich Willkommen… wie haben wir das vermisst!

 

 

Die komplette Tempelanlage rund um das namengebende und bekanntesten Bauwerk, Angkor Wat umfasst eine Größe von etwa 200 Quadratkilometer und diente einst, im wohlhabenden Reich der Khmer, als Staatstempel des Königs. Angkor Wat fungiert auch heute noch als bedeutendes nationales Symbol, welches das heutige kambodschanische Volk repräsentiert. Voller Stolz ist es als Abbildung in staatlichen Zusammenhängen wie zum Beispiel auf der Nationalflagge und den Geldscheinen zu finden. Ausgeklügelte, intelligente Bewässerungssysteme rund um die verschiedenen Tempelanlagen verhalfen dem Volk damals zu hohen Ernteerträgen, Reichtum und Ansehen. Historiker behaupten, das Angkor zu dieser vorindustriellen Zeit die erfolgreichste und wohlorganisierte Zivilisation weltweit gewesen sei. Für eine derart bewundernswerte Geschichte nehmen wir uns viel Zeit, ein TukTuk für die langen Wege und zwischendrin die nötige Ruhe am Pool im Hotel. 

 

 

Nummer eins auf unserer Tempel-Liste ist der neuzeitliche Inbegriff der Verbindung Kambodschas mit der westlichen Welt. Ta Prohm – der Schauplatz des Hollywood-Streifens Tomb Raider und ein Muss für jeden Angelina Jolie Fan, was wir ehrlicherweise zu 50 Prozent von uns behaupten können… oder müssen 🙂 Der Tempel ist berühmt für seine spektakulären Würgefeigen, welche sich ihren Lebensraum nach und nach zurück holen.

 

 

 

 

Darauf folgten Nummer zwei und drei der Touristenmagneten, der Bayon-Tempel und Angkor Wat selbst. Wer hier die Hoffnung hat, allein inmitten der alten Steine schlendern zu können, hätte das Land wohl 20 Jahre eher bereisen müssen. Busseweise (und das ist keinesfalls übertrieben) werden die Touristen mittlerweile an den drei bekanntesten Bauten abgekippt. Diese Wimpel-tragenden Reiseleiter im beigefarbenen Pfadfinder-Hemd mit ihren 20 bis 50 zahmen chinesischen oder französischen Entlein im Schlepptau rauben uns den letzten Nerv! Waren es 1993 noch 120.000 Besucher, stieg die Zahl im Jahr 2016 auf knapp 5 Millionen! Nur mit viel Mühe und Geduld gelingt es Bilder wie diese zu machen…

 

 

Der Bayon-Tempel beeindruckt vor allem wegen seiner Türme mit meterhohen, aus Stein gemeißelten Gesichtern. 

 

 

 

 

Die bekannteste Tempelanlage ist Angkor Wat, welche zugleich dem gesamten Komplex den Namen verleiht. Der Tempelkomplex ist von einem großen Wassergraben umgebenen bildet das Zentrum Angkors.

 

 

 

 

Ebenfalls ein MUSS für jeden Angkor-Besucher ist der Sonnenaufgang. Auch wenn die TukTuk-Fahrer um 5 Uhr morgens noch einen ordentlichen Nachtzuschlag verlangen und wir den doppelten Preis bezahlen, pilgert die halbe Stadt um diese Zeit an DEN EINEN ORT! So kommen wir in den Genuss, am See vor dem Tempel, gemeinsam mit ungefähr 3000 anderen Menschen, einen wunderschönen Sonnenaufgang zu erleben… lange keine Spur von Romantik, dennoch lohnt sich der kleine Ausflug am Morgen.

 

 

 

Nimmt man sich die Zeit und besucht die Tempel außerhalb der großen Touristenrouten, erkennt man schnell, dass die gesamte Anlage so viel schöner ist! Es gibt ruhige, menschenleere Abschnitte, welche den wahren Charme widerspiegeln. Ein großer (vermeintlicher) Vorteil, welchen Angkor (noch) genießt, ist die Erlaubnis, so ziemlich alle Bauwerke betreten zu dürfen. Leider hinterlassen Millionen von Touristen ihre Spuren, wodurch dieses Privileg wahrscheinlich mehr Fluch als Segen darstellt. Eigenen Beobachtungen zufolge wissen wir, dass die chinesische Mutti im Blumenkleid und Sonnenhut eben genau neben dem unübersehbaren Schild mit der Aufschrift „Klettern verboten“ für das beste Selfie auf die ohnehin schon brüchigen Steine steigt… Wie dumm kann die Menschheit nur sein? Manchmal fragen wir uns, warum der „ach so intelligente Homo Sapiens“ ständig aus der Reihe tanzen muss und durch seine Umwelt wie ein wütender Elefant im Porzellanladen stampft? Sind wir tatsächlich dafür gemacht, alles was wir einst erbaut haben, selbst wieder einzureißen…? Ist das der Lauf der Zeit? Gerade in Südostasien, in Entwicklungsländern wie Kambodscha, in welchem der Bauboom angekommen ist, hinterfragen wir diese Gegensätze nur zu oft. Die langsame Entwicklung kann der Flut an Besuchern nicht Schritt halten. Die Schnelllebigkeit und Moderne überrennt die alten Kulturen wie ein Schwarm hungriger Kakerlaken… ohne Rücksicht auf Verluste! Wir hoffen so sehr, dass es diese Bilder auch in ein paar Jahren noch geben wird.

 

 

 

 

 

 

 

Nach unserem kleinen historischen Einstieg in dieses faszinierende Land der Khmer (Bezeichnung für den kambodschanischen Volksstamm) zieht es uns weiter Richtung Westen. Die Fortbewegung in Kambodscha erfolgt meist (zumindest am schnellsten und zuverlässigsten) mit dem Bus. Das Streckennetz ist gut ausgebaut und die Fahrtzeiten für asiatische Verhältnisse relativ moderat. Für unser nächstes Ziel, Battambang, hätten wir mit dem Bus ungefähr drei Stunden benötigt. Dennoch entschieden wir uns, aus welchem Grund auch immer (O-Ton: „Aber Boot fahren ist doch soooo schön“), für den Wasserweg!

Unser Boot für die nächsten … Stunden!

Wir2 und DAS BOOT – Das Transportmittel Boot erlangt bei uns tatsächlich so langsam traurige (oder eher lustige) Berühmtheit… erst der schmerzliche Verlust des Telefons, dann der kaputte Motor inmitten eines fiesen Wellengangs und jetzt unsere Bootstour in Kambodscha! Der Plan war, gemütlich von Siem Reap über den größten See des Landes und entlang zwei bis drei weiterer Flüsschen nach Battambang zu schippern. Veranschlagte Fahrtzeit: zwischen 5 und 9 Stunden. Da Zeitangaben hier flexibel sind, hofften wir einfach auf die kürzeste Dauer… wie naiv wir nach drei Monaten Asien noch immer sind! 🙂 Wir wussten auch, dass Trockenzeit ist und die Flüsse nicht allzu viel Wasser führen aber der Reiseführer versprach uns, dass es erst ab März kritisch wird. Vielleicht könnt ihr euch schon denken was jetzt kommt… 

 

“Ein Schiff ist im Hafen sicher, aber dafür wurde es nicht gebaut.”

 

Während die ersten vier Stunden total entspannt und wirklich, ungelogen richtig schön waren…

Wir fuhren an den schwimmenden Dörfern vorbei.

 

wurde die zweite Hälfte (was im übrigen 5 Stunden waren… wir haben die angegebene Fahrtzeit natürlich voll ausgereizt!) ein wenig zäh. Es begann damit, dass unser Boot inklusive Gepäck zu schwer war… was bedeutete, dass etwa ein Drittel auf ein kleineres Boot umsteigen musste. Das ging für ungefähr eine Stunde gut… bis der Fluss, auf welchem wir uns befanden so wenig Wasser hatte, dass beide Boote steckenblieben. Die kambodschanische Lösung ist in diesem Falle ist, den Motor so hoch zu drehen, dass der komplette Fluß umgegraben wird und wir nach etwa zehn Minuten und gefühlten 50 Litern verbranntem Diesel etwa 20 Meter weiter auf der nächsten Sandbank aufsaßen. Ohne übertreiben zu wollen, aber diese Methode durchspielten wir, mal mehr, mal weniger lang, innerhalb der nächsten zwei Stunden gute 15 Mal. Jedoch war das Wasser irgendwann so niedrig, dass selbst diese Variante der Problemlösung ihre Grenze fand, sodass wir von einem weiteren Boot abgeschleppt werden mussten. Da das auch nur bedingt funktionierte, griff der „Kapitän“ zu einem weiteren, leicht verfügbaren Mittel… die Kundschaft! Warum nicht faul herumsitzende Touristen, also schlaffe Masse in Energie und Muskelkraft umwandeln? 🙂 Im Nu sprang die Hälfte der sich im Boot befindenden Männer in das Wasser und schob den Kahn per Hand flussaufwärts.

Doch auch das ging nur bis zu einem gewissen Punkt gut… nämlich bis der Kapitän tatsächlich alle von Bord schickte 🙂 Ob jung oder alt, ob gut zu Fuß oder nicht – jetzt hieß es entlang des Ufers flussaufwärts zu laufen. Das ganze sah dann ungefähr so aus… Und ja, das sind zugegebenermaßen so Momente, da hat man durchaus keinen Bock mehr! 

 

 

 

Irgendwann nach ungefähr einer Stunde (es waren 30 Grad und wir saßen im Dreck irgendwo an einem Flussufer im Hinterland Kambodschas) wurden wir wieder an Bord gelassen. Die letzte Stunde flussaufwärts verlief glücklicherweise ohne weitere Zwischenfälle… allerdings waren wir aufgrund des Gewichts mittlerweile auf drei Boote verteilt 🙂

 

In Battambang, der zweitgrößten Stadt des Landes angekommen, passierte nach dieser Odyssee (welche einmal mehr in die Bücher „nie vergessener Transporte“ eingeht) nicht mehr wirklich viel. Aber wenn wir bisher eins gelernt haben, dann ist es die Einplanung kompletter Reisetage… egal wie die veranschlagte Dauer des Transportes ist!

 

Dafür freuten wir uns umso mehr auf den nächsten Tag! Nach einem gemütlichen Frühstück in einem kleinen Restaurant, eingebettet in die alten Kolonialbauten der Stadt, nahmen wir uns ein TukTuk, welches uns zum Bamboo Train brachte.

 

 

Die Bezeichnung „Zug“ ist sicherlich etwas übertrieben für das, was wir gleich erleben. Die Wagen des Bamboo Train bestehen aus zwei Achsen, einer einfachen Plattform aus Bambusbalken und einem 6-PS-Motor, welcher auf bis zu 40 km/h beschleunigt. Da wir absolut Null Knautschzone haben, fast auf den Gleisen sitzen und uns ein bisschen fühlen wie auf dem fliegenden Teppich, sind wir mit gefühlten 100 km/h unterwegs! Ein tolles Erlebnis 🙂

 

 

Ursprünglich war der „Norry“ die günstigste und nach Einstellung des Zugverkehrs in Kambodscha, die einzige Transportmöglichkeit auf dem Gleis. Heute dient die 15 Kilometer lange Strecke in Battambang leider nur noch als Touristenattraktion. Wir finden dennoch, dass die 10 Dollar gut investiert sind! Begegnen sich auf der eingleisigen Strecke zwei Bambuszüge, muss übrigens derjenige abgebaut werden, auf dem weniger Personen sitzen. Bei gleicher Anzahl kommt es auf das Verhandlungsgeschick des Fahrers an.

 

Zweites Ziel des Tages ist die sogenannte „Killing Cave“. Diese Höhle gibt uns einen kleinen Einblick in die dunkle Geschichte Kambodschas. Als Hinrichtungsstätte der Roten Khmer wurden hier große Teile der Bevölkerung gefoltert und getötet. Die Leichen warf man im Anschluss durch eines der Deckenlöcher und in die Höhle.

 

 

Im Rahmen des Terrorregimes Pol Pots von 1975 bis 1979 sollte das Land der Khmer in eine Art kommunistische Agrardiktatur umgewandelt werden. Besitz wurde enteignet und die Stadtbevölkerung größtenteils vertrieben oder ermordet. Während dieser vier Jahre sollen Schätzungen zufolge knapp 3 Millionen Menschen getötet worden sein! Und das sind nur vier Jahre der JÜNGSTEN!!! kambodschanischen Geschichte. Dazu kommen ständige Besetzungen und Machtkämpfe der Vietnamesen und Thailänder im Land. Stabilität und Beständigkeit sind für viele Einheimische wahre Fremdwörter… deswegen freuen wir uns umso mehr, dass dieses liebenswerte Volk so langsam an Stärke und Selbstvertrauen gewinnt. Sie lächeln uns an und sind glücklich, uns ihr Land voller Stolz präsentierten zu können!

 

“Und du greifst den Erfolg, Schmerz ist vergänglich, was bleibt ist der Stolz.”

 

Voller Stolz zeigen uns auch die zwei Mädels, welche unseren Kochkurs leiten, was die kambodschanische Küche zu bieten hat.

Erst ein kurzer Marktbesuch um die Zutaten zu kaufen…

Und dann geht’s ans “Eingemachte”…

Neben Frühlingsrollen, grünem Mangosalat und einem Kokosdessert bereiten wir eines der typischsten Gerichte der Khmer Küche zu – Fish Amok – frischer Fisch in Bananenblättern mit Kräutern, einer selbst hergestellten Soße und frischer Kokosmilch vom Markt.

Mit dieser Maschine im Hintergrund wird frisches Kokosmehl und Kokossaft hergestellt

Innerhalb von drei Stunden bekommen wir mit unheimlich viel Freude und Charme die einheimische Küche erklärt. Obwohl Wir2 sonst so gar nicht kompatibel in der heimischen Küche sind, funktioniert es hier echt gut 🙂 Liebe Mamas… ja, wir können (wenn wir wollen) auch kochen 🙂

 

 

 

 

Gut gesättigt und zufrieden gönnen wir uns, bevor wir in den Nachtbus Richtung Meer steigen, noch eine schöne, ausgiebige Massage… danach wussten wir im übrigen auch, dass eine Ganzkörpermassage tatsächlich auch GANZER KÖRPER bedeutete! Aber schön, dass wir auf der Liege nach guten 40 Minuten Stille, beide zur selben Zeit anfingen zu lachen 🙂 Die Kambodschanerinnen packen eben ordentlich zu 🙂 🙂 🙂

 

So verabschieden wir uns von Battambang und steigen in das nächste unvergessene Transportmittel… Gute Nacht!

 

 

 

Borneo… Schöner kann Reisen kaum sein!

Borneo… Schöner kann Reisen kaum sein!

Wie kamen wir eigentlich auf die Idee, nach Borneo zu reisen…? Hätte der thailändische Sommer anstatt der malaysischen Monsunzeit nicht weitaus mehr Sinn gemacht? Muss man mit vier Freunden, welche ihren Jahresurlaub mit uns verbringen, ein derart ungewisses Ziel ansteuern? Natürlich sind das alles Dinge, die uns beschäftigt haben! Wir wussten, dass wir über den Jahreswechsel Besuch aus der Heimat bekommen und wir wussten bereits vorher, dass wir während dieser Zeit in Malaysia sein werden. Unsere (wirklich tollen – wir können es gar nicht oft genug aussprechen!) Freunde sagten „Wir möchten gern einmal so reisen wie ihr!“ Super, dachten wir uns und sagten: “Wir fliegen mit euch nach Borneo!“ Leider können wir uns nicht mehr ganz genau an die unmittelbaren Reaktionen erinnern… Aber von „Wo ist das?“ über „Oh schön, Indonesien!“ (was nicht ganz falsch ist, denn Borneo teilt sich in drei Länder – Malaysia, Brunei und Indonesien) bis hin zu „Was machen wir dort?“ war alles vertreten. Was allerdings vorerst fehlte, waren die Luftsprünge …die unendliche Freude über unser durchaus spezielles und nicht alltägliches Reiseziel 🙂 

„Das Reiseziel ist nie ein Ort, sondern eine neue Art, die Dinge zu betrachten.“ (Henry Miller)

Entstanden ist die Idee irgendwann im letzten Winter während einer dieser verregneten, grauen Reisereportagen-Sonntage auf der heimischen Couch. Bei Eis und Chips, eingemummelt in der dicken Decke, lief ein Beitrag über die Küstenregion im Osten der drittgrößten Insel der Welt. Vollkommen überzeugt von der Schönheit und Einzigartigkeit bekam Borneo daraufhin, ohne sich näher mit dem Land zu beschäftigen, einen direkten Platz in unserer Reiseroute. Tropische Regenwälder, seltene Tiere und wunderschöne Strände – kann es bessere Voraussetzungen für ein kleines Abenteuer mit Freunden geben? Der Wunsch nach dem „Reisen wie die 2Weltenbummler“ wurde erhört, war zugleich eine Entscheidung gegen zwei Wochen einfachen Strandurlaub und bedeutete Bewegung… holprige Inlandsflüge, kurvige, mitunter stundenlange Auto- und Busfahrten, Übernachten im Dschungel und der ein oder andere Kampf mit kleinen Krabbeltierchen… hier sollte jeder gegen seine Ängste und Phobien ankämpfen 🙂 Natürlich haben wir nur einen Bruchteil davon vorher verraten… genauso wie wir den aktuellen Reisehinweis des Auswärtigen Amtes für Teile Borneos lieber erst einmal für uns behielten:

“Landesspezifische Sicherheitshinweise – Terrorismus/Entführungen – Von Reisen in den Osten des Bundesstaats Sabah und auf die angrenzenden Inseln wird dringend abgeraten…. In Malaysia besteht weiterhin die Gefahr terroristischer Anschläge. Nach dem Eindringen philippinischer Rebellen in die östlichen Bezirke des auf Borneo gelegenen Bundesstaats Sabah wurde eine Sicherheitszone („Eastern Sabah Safety Zone -ESSZONE-“) eingerichtet. In der ESSZONE kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Entführungen von Touristen (u.a. auf Semporna), Übergriffen auf Polizeikräfte und auf der Insel Pom-Pom auch zur Ermordung eines Touristen. Auch 2018 gab es weitere Entführungen und Entführungsversuche. Es gibt Hinweise, dass eine akute Gefährdung der dortigen touristischen Ziele und auch im Umfeld der ESSZONE besteht. Das Risiko von Überfällen und Entführungen insbesondere in Küstennähe und auf den Inseln bleibt signifikant. In der Sicherheitszone ist mit einem erhöhten Aufkommen von Polizei und Militär zu rechnen. Anweisungen der Sicherheitskräfte sollte unbedingt Folge geleistet werden…”

(Quelle: Auswärtiges Amt – Malaysia)

Ehrlich gesagt, erfuhren wir selbst erst davon, als die komplette Reise schon geplant und die Flüge gebucht waren. Beim Lesen dieses Hinweises (wir erinnern uns, als wäre es gestern gewesen… wir lagen noch im Bett, in unserem Appartement in Chiang Mai/ Thailand) verloren auch wir die Gesichtsfarbe und überlegten zehnmal, ob Strandurlaub in Thailand vielleicht doch die bessere Wahl wäre. Wir erkundigten uns persönlich beim Auswärtigen Amt, lasen sämtliche Online-Recherchen darüber und entschieden uns letztendlich doch für den ursprünglichen Reiseplan. Ob das leichtsinnig war? …keine Ahnung! Wir haben alle wichtigen Verhaltensregeln beachtet, haben gute, sichere Hotels gebucht und die besonders gefährdeten Regionen ausgelassen… Wir haben versucht alle „Gefahren“ weitestgehend zu minimieren. Aber was ist heutzutage Leichtsinn??? Hier brauchen wir schon lange nicht mehr philosophisch zu werden… denn selbst der Besuch des Berliner Weihnachtsmarktes kann, so schlimm das auch klingt, leider tödlich sein! Wahrscheinlich teilt nicht jeder unsere Meinung… aber unter Beachtung gewisser Regeln, kann man so ziemlich jedes Land problemlos bereisen! Fest steht, wir haben uns zu keiner Zeit unsicher gefühlt und sind total stolz und mega glücklich, genau das mit unseren Freunden erlebt zu haben!

„Die besten Erlebnisse entstehen aus den verrücktesten Ideen und werden zu den kostbarsten Erinnerungen.“

Wir6 in Borneo 🙂

Nach unserer gemeinsamen Zeit in der Hauptstadt Malaysias, war ein kleiner Tapetenwechsel dringend nötig. Wir mussten einfach „raus ins Grüne“! Ein knapp dreistündiger Inlandsflug (die asiatischen Winde machen so manche Flüge… naja, nennen wir es speziell) brachte uns nach Sandakan, eine Stadt im Nordosten Borneos. Sandakan ist wahrscheinlich einer der, mit Abstand häßlichsten Orte überhaupt, aber ein verdammt guter Ausgangspunkt für Dschungeltouren und Besichtigungen der letzten wilden Orang Utans und der auf Borneo einzigartigen Nasenaffen. Da die Stadt genau in die oben beschriebene Sicherheitszone fällt, buchten wir das teuerste (aber eben auch sicherste) Hotel der Stadt, das Sheraton. Mit diesem Hintergrund fiel es uns zum Glück nicht allzu schwer, das leise Gemurmel und Gemecker der Mädels beim Bezahlen an der Rezeption zu überhören… Lieber Hummerclub (kleiner Insider, angelehnt an unsere Hautfarbe nach einem übertriebenen Strandtag 🙂 ) …es hatte alles einen Grund …auch dieser Preis! 🙂 Schließlich wollten wir nur das Beste für euch! Zudem entschädigte der Ausblick, der Infinity-Pool UND DAS WETTER (wir erinnern uns, in Borneo ist Regen- und Monsunzeit) doppelt und dreifach!

Borneo – die größte Insel Asiens ist ein wahres Paradies für Naturliebhaber! Auch wenn wir KEINE studierten Ornithologen sind und NICHT in Tarnhosen, karierten Outdoor-Hemden, Wanderstiefeln und olivgrünem Hut unterwegs sind, können wir behaupten, dass wir dieses Fleckchen Erde in toller Erinnerung behalten! 

Unweit unseres Hotels, etwa 30 Autominuten entfernt, befand sich unser erster Anlaufpunkt, das Sepilok Orang Utan Rehabilitationszentrum. Hier werden verwaiste und verletzte Affen aufgenommen und gepflegt. Gegen einen kleinen Obolus, welcher zugleich Spende für Futter und Medikamente ist, werden Besucher entlang kleiner Holzpfade durch das Reservat geführt.

Das geschützte Gebiet gibt den Primaten die Möglichkeit, frei und in natürlicher Umgebung leben zu können… weit weg von wildernden Menschen, abgerodeten Regenwäldern und Palmölplantagen. Um die schüchternen Menschenaffen sehen zu können, muss man sehr viel Glück haben oder pünktlich zur Fütterungszeit da sein… Allein auf unser Glück zu setzen ist erstens nicht sehr deutsch 🙂 und zweitens aufgrund unserer Neugier nicht sehr zuverlässig. Also entschieden wir uns für die sichere Variante… und selbst hier ließen sich nur zwei der gemütlichen Tierchen blicken.

Deren Bezeichnung stammt von dem malaiischen Worten orang = Mensch und utan = Wald ab. Das Erbgut des „Waldmenschen“ ist zu gut 97 Prozent mit unserem identisch! Interessanter Fakt zum Nachdenken: Männer ähneln dem Affen genetisch um einiges mehr als Frauen! 🙂 Doch ist genau diese Ähnlichkeit zu uns Fluch und Segen zugleich? Ist es tatsächlich diese Gleichheit, welche die Menschheit antrieb, den Großteil dieser Tiere einfach auszurotten? Während sie vor Jahren noch in großen Teilen Südostasiens lebten, begrenzt sich die natürliche Population heute NUR noch auf die Inseln Sumatra und Borneo! Uns Fasziniert der Anblick dieser Tiere, was uns noch weniger verstehen lässt, warum wir so viel davon ohne Sinn und Verstand aus reiner Habgier einfach zerstören!

Ähnliches Schicksal traf auch die kleinsten Bären der Welt, die sogenannten Malaien- oder Sonnenbären. Auch diese Gattung findet in einem der Nationalparks der Insel Zuflucht und Schutz.

Diesen Schutz benötigen definitiv auch die mit Abstand häßlichsten, aber auch irgendwie liebenswertesten Affen Borneos! Auf der Liste unserer kleinen Reisegruppe stehen die Nasenaffen auf jeden Fall ganz oben! Sogar so weit oben, dass sie für mindestens ein Drittel den kompletten Urlaub „retteten“ und nun als Andenken für immer mitgetragen werden 🙂

Nasenaffen gibt es ausschließlich auf der Insel Borneo. Deren Merkmal, die spezielle Nase 🙂 …diese ist allerdings nur bei den Männchen derart ausgeprägt und dient wahrscheinlich der sexuellen Anziehungskraft… Forscher behaupten, je größer die Nase, desto besser die Chance bei den Mädels! Erinnert euch das auch an ein bekanntes Sprichwort mit „Nase des Mannes und Johannes“…? Liegt der Ursprung dieser großartigen, intelligenten Weisheit etwa bei diesen tollen Tierchen…? 🙂 

Egal, welchen Zweck die Natur damit erreichen möchte… Wir könnten auf jeden Fall stundenlang hier sitzen und einfach nur zuschauen! Das nennt man wohl LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK…

„Schönheit ist durchsichtig. Man kann ein häßliches Gesicht haben und trotzdem wunderschön sein!“

Mit diesen tollen Erlebnissen zieht es uns noch weiter in den Dschungel… diesmal mit Übernachtung und nächtlicher Bootstour. Unsere Mädels hatten wirklich keine Ahnung, was sie erwartet. Während die Hälfte anfangs noch dachte, dass „Schlafen im Dschungel“ einer Nacht unter freiem Himmel im gefährlichsten Dickicht des Regenwaldes gleichkommt und sich bereits Gedanken machte, wie man das alles am besten überlebt, buchten wir schon einmal unsere „sicheren“ Bungalows am Flussufer 🙂

Was wir vor zwei Tagen noch in Rehabilitationszentren beobachteten, fanden wir hier in völliger Wildnis und Freiheit! Wir6… mitten im schönsten Märchen… dem Dschungelbuch! 

So unglaublich schön und einzigartig ist Borneo… Auch wir müssen erst einmal verstehen und realisieren, was wir hier eigentlich erleben dürfen! Affen sind für viele nichts Besonderes. Immerhin können wir viele Arten davon jederzeit im Zoo sehen. Alles ist für die moderne Menschheit irgendwie jederzeit zugänglich, nahezu nichts ist mehr besonders… Das stumpft uns auf beängstigende Art und Weise ab und nimmt uns das Gefühl für einzigartige NATÜRLICHE Erlebnisse wie diese. Das hier sind keine exportierten, künstlich aufgezogenen Affen hinter Gittern! Wir sehen hier keine Tiere, dessen Bestand unendlich ist! Wir werden genau in diesem Moment Zeuge vom echten, natürlichen, wilden Leben bedrohter Tierarten, welche es mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit in ein paar Jahren so nicht mehr geben wird! Das zu verstehen, zu verinnerlichen und als „besonders“ einzuschätzen ist tatsächlich erschreckend schwierig…

Selbst nachts offenbart sich der Dschungel noch einmal von einer komplett neuen Seite!

Ein Schwalbennest im Regenwald

Na… wer findet das Baby-Krokodil? 🙂

Doch auch jetzt ist das Abenteuer mit den Weltenbummlerinnen keineswegs vorbei! 🙂 Wer reisen möchte wie wir, muss auch folgende Tagestour mitmachen:

  1. Bootsfahrt durch den Dschungel bei Sonnenaufgang (ca. 2 Stunden) – wahrscheinlich haben wir um diese Uhrzeit noch so grausam ausgesehen, dass sich kaum ein Tier gezeigt hat 🙂
  2. Start Richtung Strandvilla mit dem Minibus (ca. 1 1/2 Stunden) – hier ist anzumerken, dass es in Strömen geregnet hat, der Scheibenwischer kaputt war, der Fahrer absolut NICHTS gesehen hat und trotzdem gefahren ist, als wäre strahlender Sonnenschein!
  3. Aussetzen mitten im Nirgendwo an einer großen Kreuzung, ohne zu wissen ob man dort jemals wieder abgeholt wird (ca. 1 1/2 Stunden Wartezeit)
  4. Weiterfahrt mit dem Reisebus (ca. 5 Stunden) – hier saßen wir inmitten von ungefähr 50, wahrscheinlich schwerhörigen Malaien mit einer Vorliebe für Actionfilme in vierfacher Kinolautstärke 

    Auch wir sind, wie man sieht, begeistert von unserer “kleinen” Tour… zumindest hat sich eine von uns um den Fuß hübsch gemacht 🙂

  5. Letzte Etappe mit dem Taxi (ca. 1/2 Stunde) – wer behauptet, ein Taxi für vier reicht nicht für sechs Leute inklusive Gepäck, der irrt sich definitiv!

Tetris ist nichts dagegen!

All‘ das haben die Mädels ohne mit der Wimper zu zucken über sich ergehen lassen… Okay, der Blockbuster in Diskolautstärke und die hundertste Serpentine bergabwärts haben zwischendrin für etwas Unmut gesorgt… aber wir sind wirklich richtig stolz auf unseren kleinen Hummerclub! Das Abenteuer „Reisen wie Wir2Weltenbummler“ wurde bravurös gemeistert! Jetzt darf die nächsten sechs Tage ordentlich am Strand relaxed werden!

Herzlich Willkommen in unserer BEACH VILLA!

Vielleicht dürfen wir an dieser Stelle noch einmal kurz daran erinnern, dass gerade Regen- und Monsunzeit in Borneo ist!

Selbst beim Insel-Hopping blieben wir immer auf der Sonnenseite! Direkt vor der Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Sabah, Kota Kinabalu, liegt der Tunku Abdul Rahman Marinepark. Ein wahrer Traum zum Schwimmen, Schnorcheln und Relaxen! Zwischen den kleinen paradiesischen Inseln herrscht eine Art Taxiverkehr mit dem Boot (leider auch ein willkommenes Fressen für hunderte chinesische Nichtschwimmer – zum Glück sind die flachen Bereiche im Meer immer gut eingezäunt, sodass keiner der von Kopf bis Fuß bekleideten, bloß nicht braun werdenden, in Schwimmwesten wild umher paddelnden, immer fotografierenden kleinen “Monstern” verloren geht!). Unsere Wahl fiel auf die Inseln Mamutik und Manukan. Wir begegneten der Familie von Nemo, machten Bekanntschaft mit dem größten Waran der Insel und erlebten einen wunderschönen Tag inmitten von tollen Stränden und einer in Teilen gut erhaltenen Unterwasserwelt.

Mehr Glück kann man wirklich nicht haben! Wir erwarteten eine regenreiche und im wahrsten Sinne des Wortes, sowie in jeglicher Hinsicht „stürmische“ Zeit, hatten schon fast Panik vor mies gelaunten Regenwetter-Gesichtern und suchten bereits nach anderen Ausweich-Zielen auf der Sonnenseite… Doch uns wurde, zusammen mit vier tollen Menschen, die wohl BESTE ZEIT in Malaysia geschenkt! Wir hatten unglaublich tolles Wetter, wunderschöne Unterkünfte und einzigartige, unvergessliche Erlebnisse… Alle blieben über den kompletten Zeitraum gesund, es ging nichts Wichtiges verloren oder kaputt UND DAS WICHTIGSTE… wir haben uns tatsächlich noch einmal von einer anderen Seite kennengelernt… das mag sich komisch anhören aber selbst die längsten Freundschaften entdeckten in den drei (wirklich intensiven) Wochen komplett neue Eigenschaften, Macken und Verhaltensweisen! Wir können noch immer mit viel Stolz behaupten, dass wir “ziemlich beste Freunde” sind! 🙂 Ja… Wir2 vermissen euch sogar schon wieder!

„Es gibt Menschen, die man mit der Zeit vergisst. Es gibt aber auch Menschen, mit denen man die Zeit vergisst.“

DANKE FÜR DIE WUNDERSCHÖNE ZEIT!

Kuala Lumpur und 4x “geliebte Heimat”

Kuala Lumpur und 4x “geliebte Heimat”

Die Hauptstadt Malaysias ist nach gut 90 Tagen die achte Großstadt unserer Reise… normalerweise meiden wir längere Aufenthalte in hektischen Ballungsgebieten aber erstens steht der Jahreswechsel vor der Tür, da darf es auch mal “mehr” sein… und zweitens wird hier aus Wir2 ganz bald Wir6… worauf wir uns riesig freuen! Also bleiben wir etwas länger, erkunden die Stadt und die Umgebung.

Unsere Vorstellung von Kuala Lumpur als moderne Großstadt bestätigte sich relativ schnell. Das typische südostasiatische Chaos ist hier weit entfernt… eigentlich ein guter Einstieg für die „Asien-Frischlinge“ unter uns. Hier herrscht eine gewisse Grundordnung, durch welche es etwas leichter fallen könnte, das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten. Die Straßen sind sauber, die hygienischen Standards sind ok, die Verständigung auf Englisch funktioniert problemlos, der Verkehr befolgt die nötigen Regeln und DAS WICHTIGSTE… es gibt Nutella 🙂

„Freunde und Vertrautes machen glücklich!“

Schon lange vorher haben wir uns richtig viele Gedanken über die kommenden zwei Wochen gemacht. Wir fragten uns, ob wir unsere Weltenbummler-Reise-Euphorie irgendwie, zumindest ein klein wenig weitergeben können… ob unsere Art zu reisen auf Begeisterung oder Ablehnung stößt… ob das überhaupt der richtige Ort für Besuch ist… ob wir die richtigen Ausflüge geplant haben… ob die Sonne scheint… und wenn das alles nicht passt… ob wir es irgendwie schaffen können, trotzdem eine tolle Zeit zusammen zu genießen. Wir haben versucht, einen kleinen Reiseplan zusammenzustellen, haben hin und her überlegt, alles dreimal wieder über Bord geworfen, wollten komplett das Land wechseln, dann doch wieder nicht… die Zweifel waren allgegenwärtig. Es sollte ein guter Mix aus Entspannung, Abenteuer und Miteinander werden – wobei uns letzteres am wichtigsten erschien. Immerhin nehmen vier tolle Menschen knapp 10.000 Kilometer auf sich, um uns zu sehen… um uns ein Stück weit das Gefühl von Heimat zu vermitteln! Das ist einfach wundervoll! …und deswegen wollten wir so viel wie möglich zurückgeben. 

Aus Wir2 wird die nächste Zeit Wir6 🙂

Zunächst mussten wir erst einmal verstehen und realisieren, dass wir nicht mehr allein sind! Und das ist nach fast drei Monaten eine echte Herausforderung! Zwar waren wir über Weihnachten schon zu dritt aber zu sechst ist noch einmal eine ordentliche Schippe drauf! Immerhin sprechen wir hier von sechs weiblichen, mehr oder weniger komplizierten Wesen!!! 🙂 Es ist durchaus ein gewaltiger Unterschied, ob nur zwei Leute zu verschiedenen Zeiten auf Toilette müssen oder sechs! 🙂 Und das zieht sich durch wie ein roter Faden! Essen, Trinken, Schlafen, Shoppen, Sightseeing… sechs Mädels – sieben Meinungen… aber noch schlimmer sind die Situationen, in denen sechs Mädels keine Meinung haben! 🙂 Du stehst in einer fremden Stadt, bist mit dir und der Umgebung schon überfordert… und dann sollst du dich auch noch entscheiden… Wir2 kennen diese “spannungsgeladenen” Zeitpunkte aus eigener Erfahrung nur zu gut! Doch das alles sind völlig normale, alltägliche Problemchen, mit denen wir alle lernen umzugehen. Das hieß vor allem für uns, sich auf weitaus mehr Bedürfnisse als unsere „Ich-brauche-maximal-zweimal-pro-Tag-Essen“ und „Wir-sind-spontan-und-machen-alles-mit“ – Mottos einzustellen. Das ganze bedarf schon einer gewissen Planung und einer etwas anderen Raum-Zeit-Berechnung als die der 2Weltenbummler. 

So bestand Tag 1 aus Ankommen und Entspannen. Nach einem 12-Stunden-Flug hieß es erst einmal durchatmen, akklimatisieren, erste Eindrücke wirken lassen, sich freuen, dass man endlich zusammen ist, gemeinsam frühstücken, den neuesten Tratsch und Klatsch auf Stand bringen, am Pool relaxen, schlafen und ausruhen.

Der Infinity-Pool unseres Appartements war wie gemacht für den ersten Tag 🙂

Am 2. Tag begann unser knallhartes Sightseeing-Programm! Bei über 30 Grad und einer Luftfeuchte von knapp 70% macht das erst richtig Spaß 🙂 Nummer eins auf der Liste waren die Batu Caves. In den Kalksteinhöhlen (batu = Stein/ caves = Höhlen) befinden sich mehrere Hindu-Tempel. Eine gute Abwechslung zum sonst sehr muslimischen Malaysia. “Entspannte” 272 Stufen führen uns vom Vorplatz hoch in die 100 Meter hohe Tempelhöhle.

Könnt ihr das natürliche, freudige Lächeln in unseren Gesichtern erkennen? 🙂 Und wer vorher nicht hören wollte und den Dresscode missachtete, durfte sich spätestens jetzt über ein neues Beinkleid freuen…

Da drehen sich selbst die Affen weg 🙂 🙂 🙂

Danach stürzten wir uns zum ersten Mal in das Getümmel der Millionenmetropole. Erster Anlaufpunkt war das Wahrzeichen der Stadt, die Petronas Towers. Hier reicht es schon, einfach nur mit dem Kopf im Nacken davor zu stehen und zu staunen! Die derzeit höchsten Zwillingstürme der Welt sind mit 452 Metern ein Bauwerk der Extraklasse. Im Wolkenkratzer des namhaften Mineralölkonzerns befinden sich größtenteils Büro- und Geschäftsräume. Mit ihrer Zwillingsarchitektur setzen sie die Tradition des ehemaligen World Trade Centers fort. Die knapp 40.000 Tonnen Stahl, 400.000 Tonnen Beton und 32.000 Fenster erzielen einen echten Wow-Effekt!

Wir schlendern durch den anliegenden Park, schauen uns schonmal nach einer guten Silvester-Kulisse um und versuchen die Stadt und die Menschen auf uns wirken zu lassen. Kuala Lumpur vereint die verschiedensten südostasiatischen Richtungen… ob Architektur, Essen, Menschen oder Stimmung… hier treffen viele, uns bereits bekannte Länder aufeinander. Vereinzelte Stimmen behauptet, die Stadt oder gar das Land seien weder Fisch noch Fleisch… ein bunter Mix aus allem… aber wir fühlen uns relativ schnell wohl und sind dankbar über die ersten positiven, als auch negativen Asien-Erfahrungen für die Neuankömmlinge unserer kleinen Reisegruppe.

“Ein bunter Mix aus allem” bedeutet meist, dass auch unsere chinesischen Freunde zahlreich vertreten sind… Und was wäre eine Großstadt ohne das internationale Flair von China Town? Freundliche Menschen, hochwertige Markenprodukte 🙂 und richtig gutes, günstiges Essen! Kann es einen besseren Ort für sechs hungrige Mäuler geben…?

Am dritten Tag zog es uns wieder raus aus der Stadt… heutiger Plan: “Skymirror und Glühwürmchen” Während unserer Reiseplanung versuchten wir übrigens auch BESONDERS darauf zu achten, dass die Transportmittel, mit welchen wir unterwegs sind, westlichen Standard besitzen und einigermaßen „magenfreundlich“ sind… wir haben es wirklich versucht!!! Anstelle der Benutzung von lokalen Bussen oder Bahnen, mieteten wir uns einen Privatfahrer. Nic… welcher relativ schnell den Spitznamen Chan bekam – er war Chinese :), stand uns zwei volle Tage zur Verfügung und hatte das Vergnügen, sechs gackernde Weiber durch halb Malaysia zu kutschieren. Wir waren der Annahme, dass Chan mit seinem Supermobil (ein kleiner Minibus mit ausreichend Platz für alle) unsere langen Fahrten etwas angenehmer macht… was auch für ungefähr eine Stunde super funktionierte… bis zur Anlegestelle unseres ersten Ausflugsziels, dem„Skymirror“ (Himmelsspiegel) …und dann kam DAS BOOT!!! …denn das Objekt der Begierde mit den schönsten aller Fotomotiven, liegt ungefähr eine halbe Stunde vom Festland entfernt, irgendwo mitten im Meer. Also… Wir2 hatten ja schon einige Transporte mit Rippenfraktur- und Gehirnerschütterung-ähnlichen Auswirkungen, aber diese Bootsfahrt toppte so einiges! Und wir entschuldigen uns noch heute dafür, was wir den Mädels damit angetan haben… besonders für den Moment, als bei der Hälfte der Strecke der Motor ausfiel und wir uns inmitten echt hoher Wellen wie Schiffbrüchige in einem schlechten Katastrophenfilm fühlten… 

Mit grün-blauen Flecken und gleicher Gesichtsfarbe kamen wir, zusammen mit ungefähr 800 Chinesen (über deren Verhalten als Tourist in fremden Ländern hatten wir ja schon ausführlich berichtet) auf der Sandbank im Nirgendwo an. Das Gefühl, in der Mitte des Meeres knöcheltief im Wasser zu stehen, ist schon irgendwie verrückt. Wir hatten auch richtig großes Glück mit unserem Guide 🙂 Die junge Chinesin fungierte nämlich zugleich als Fotografin. Das Thema Asiaten und Bilder machen ist ja immer sehr speziell… und auch bei ihr galt das Motto: ein gutes Bild darf nur 95% des eigentlichen Fotomotivs beinhalten und es müssen mindestens noch zehn weitere Personen im Hintergrund stehen 🙂 

Und das ist noch eines der besseren Bilder!!!

Dennoch sind wir glücklich, hier gewesen zu sein! Wir werden den Ausflug zum Skymirror, nicht zuletzt wegen der wunderschönen Bootsfahrt, sondern auch dank unserer (nachbearbeiteten) Bilder in toller Erinnerung behalten. Wir danken dem Erfinder der Reisetabletten! 

Unweit davon befand sich auch schon unser nächstes Ziel. Die Mädels wollen ja schließlich etwas erleben! Nachdem wir uns erneut mit den bereits bekannten 800 Chinesen vom Skymirror anstellten (wir hatten unsere Rechnung irgendwie ohne die Hauptreisezeit unserer asiatischen Zeitgenossen gemacht), wurden wir auf einem Fluss in einem kleinen Boot gemütlich herum geschippert (dieses Mal tatsächlich mit einem winzig kleinen Hauch von Romantik 🙂 und ohne Wellen). Tausende Glühwürmchen in Aktion wirkten wie eine große, nicht enden wollende Lichterkette…

Die Glühwürmchen sind doch super getroffen, oder? …besonders das oben rechts im Baum 🙂

Auch wenn die im Kreis fahrenden Boote den Eindruck eines Fahrgeschäftes im Freizeitpark vermittelten und die Chinesen die Warntafel “Berühren der Glühwürmchen verboten” zu unsere Überraschung wieder einmal nicht verstanden, werden wir diesen Tag in schöner Erinnerung behalten! Vielleicht sind es gerade diese Dinge, welche uns im Nachhinein schmunzeln lassen, oder über welche wir uns maßlos aufregen… Und wer kann schon behaupten, dass er eine katastrophale Bootsfahrt ohne Hergabe irgendwelcher Körperflüssigkeiten überlebt hat…???

MÄDELS, HEUTE IST SILVESTER!!! …das schon auszusprechen ist wirklich verrückt 🙂

Unser Silvestertag verlief im Grunde völlig entspannt… Ausschlafen, gemütlich frühstücken, am Pool relaxen, gegen Abend in die Stadt fahren, lecker Abendessen, Cocktails schlürfen und an den Petronas Towers das größte Feuerwerk Kuala Lumpurs erleben!

Es ist schon komisch bei 28 Grad in FlipFlops einen Silvesterabend zu verbringen… Hier läuft eben alles ein wenig anders… andere Länder, andere Sitten! Punkt eins: Es gibt KEIN Geböller auf den Straßen! – POSITIV! Punkt zwei: Es gibt KEINE lauten, ausschweifenden Partys! – POSITIV! Punkt drei: Dir kommen auch KEINE betrunkenen Menschen entgegen! – POSITIV! Punkt vier: Es gibt KEINEN Alkohol in den meisten Läden und schon gar nicht auf den Straßen! – Grundsätzlich POSITIV, aber ohne ein Schlückchen das neue Jahr zu begrüßen ist irgendwie eigenartig… Wir kennen es eben anders und es fällt uns schwer, gewohnte Dinge anders zu erleben…

“Man wird nie ein neues Land entdecken, wenn man immer das Ufer im Auge behält!”

Aber wir versuchen uns anzupassen, begießen 2019 mit einem Schluck Wasser, setzen uns unsere Hütchen auf und bestaunen das Feuerwerk 🙂

Auch wenn der Abend vielleicht anders war, als wir uns vorgestellt hatten und sich komplett von einer Silvesterparty zu Hause unterschied, können wir nicht behaupten, irgendetwas vermisst oder verpasst zu haben. Wieder einmal ist alles gut so wie es ist 🙂

Wie sagen wir immer so schön… EINMAL RICHTIG TOURI MUSS SEIN! Kennt ihr diese Hop-on Hop-off Busse, welche alle Sehenswürdigkeiten der Stadt abgrasen? Genau dort platzierten wir unsere Popos im offenen Oberdeck und ließen uns schön durch die Stadt schunkeln 🙂 Diese Doppeldecker sind perfekt für Faulis wie wir an diesem Tag! 

Ein kompletter Vergnügungspark in einem Einkaufszentrum -inklusive Achterbahn!

Während die erste Stunde richtig schön sonnig und entspannt war, hatten wir den nachmittäglichen Monsunregen leider nicht eingeplant… was dann darin endete, dass wir halb erfroren im klimatisierten Teil des Busses an undichten Fenstern hockten und alle innerlich das ABC durchfluchten… das war das absolute Stimmungshoch des Tages!

Und dann stehen wir da… schauen in vier traurige Gesichter und fühlen uns irgendwie verantwortlich. Ok, lasst uns kurz überlegen… Was ist das einfachste Mittel zur Hebung des Stimmungsbarometers? Richtig!  …ESSEN …VIEL ESSEN!

“Ein Tag mit Freunden, leckerem Essen und Trinken… das ist ein guter Tag!”

Selbst die Stinkefrucht (auch Kotzfrucht genannt) wurde heute nicht ausgelassen! Was hatte das Regenwetter nur angerichtet…? 🙂 Was für manchen eine echte Dschungelprüfung ist, wird durch zwei ganz Mutige unter uns einfach mal in frittierter Form als kleine Nachspeise verzehrt! Pfui!

Als Abschluss unserer Zeit in Kuala Lumpur fuhren wir in die 200 Kilometer entfernten Cameron Highlands. Neben dem immer wiederkehrenden, traurigen Landschaftsbild unendlich vieler Palmölplantagen (Malaysia ist neben Indonesien das größte Anbauland für Ölpalmen), wird hier glücklicherweise noch Obst, Gemüse und Tee angebaut.

In den Cameron Highlands gibt es ihn noch… den echten Regenwald!

Palmöl – der Tod des Regenwaldes – wir fahren durch Malaysia, und finden unendlich viele geradlinig hintereinander wachsende Baumreihen von Ölpalmen – was in Deutschland statistisch gesehen mittlerweile in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt, zerstört hier wichtigen Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Es beschert den Großkonzernen riesige Gewinne und raubt den Kleinbauern Land und Lebensgrundlage. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Regenwälder, Menschen und Tiere weltweit bereits den „grünen Wüsten“ weichen. Malaysia steuert knapp 35% des Weltmarktanteils an Palmöl bei, ist einer der Hauptproduzenten und riskiert dadurch die Zerstörung großer, wunderschöner Teile des Landes. Forschungen zufolge wird der billige Zusatzstoff als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft – das alles macht uns wirklich traurig und nachdenklich – Kann die geliebte Nutella oder Erdnussbutter wirklich so wichtig für uns sein??? 

Und wir finden sie tatsächlich noch …die ersten unberührten Wälder!

Auch hier müssen wir uns wohl wieder für die grandiose Anreise entschuldigen 🙂 Anstatt der ursprünglich veranschlagten drei Stunden waren es knapp FÜNF für EINE Strecke… welche zudem noch richtig fiese Serpentinen beinhaltete… Auch hier gilt unser Dank dem Erfinder von Reisetabletten… ohne diese kleinen Wunderpillen wären wir wahrscheinlich nicht einmal in die Nähe unseres Ziels gekommen! So müssen unsere Frischlinge nach und nach durch jedes kleine Abenteuer durch 🙂 Und wir können es nicht oft genug sagen…

“Die kleinen Abenteuer sind es, die unser Leben so großartig und spannend machen!”

So geht’s nach sechs erlebnisreichen Tagen in und um die Hauptstadt Malaysias weiter Richtung Borneo…