Das Land und uns versuchen zu verstehen…

Das Land und uns versuchen zu verstehen…

Das Albanien nicht zu den typischen Reiseländern gehört ist uns durchaus bewusst. Allein die fragenden, nahezu verzweifelten, mitleidigen Blicke, als wir bei Freunden und in der Familie erzählten wo die Reise hingeht, sagten so einiges über den Bekanntheitsgrad sowie die Akzeptanz zu Ländern wie diesem. Es ist eben nicht Malle, Ägypten oder Italien! Dennoch steht es diesen Ländern in absolut nichts nach. Im Gegenteil, der Balkanstaat ist bisher noch vom Massentourismus verschont geblieben, ist ursprünglich, vielfältig, besticht durch wunderschöne Landschaften und ist simpel sowie sicher zu bereisen. 

Das Reiseziel ist nie ein Ort, sondern eine neue Art, die Dinge zu betrachten.

Henry Miller

Natürlich gibt es auch genügend Gründe gegen dieses Land, welche zum Beispiel auch einen EU-Beitritt nach wie vor ausschließen. Aber als Deutsche könnten wir anhand derartiger Argumentationen wahrscheinlich kein anderes Land dieser Welt bereisen (außer vielleicht die vorbildliche Schweiz, die vermeintlich problemfreie Insel mitten in Europa). Seit über fünf Jahren ist Albanien offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union und versucht die Voraussetzungen hinsichtlich einer möglichen Umwandlung dieses Status’ zu erfüllen. Immer wieder wollte die EU zu Beitrittsverhandlungen ansetzen, doch bis heute gibt es Ungereimtheiten in Sachen Wahlrechtsreform, der Bestellung von obersten Gerichten und in der Bekämpfung der Korruption. 

Sicher ist die Einstellung der Menschen hier eine andere als wir sie kennen! Hier wird uns kein übermotivierter, extrem fleißiger, ehrgeiziger, überdurchschnittlich arbeitsamer, junger Albaner über den Weg laufen! Eine derartige Mentalität muss über Generationen wachsen, was in vielen Ländern nie geschehen ist! Dieser Staat ist einer der ärmsten Europas, war besetzt von den Nationalsozialisten, danach lange Zeit kommunistisch und stets fremdbestimmt von Diktatoren, welche nicht einmal eine Religionsausübung duldeten und den Staat bis 1990 zum ersten atheistischen Staat weltweit erklärten. Noch heute wissen viele der Einheimischen nicht so richtig wohin mit ihrem Glauben, ihrer Zugehörigkeit und ihrer Meinung. Viele hängen sich einfach an die Tradition der Familie, welche vor Zeiten der Fremdherrschaft größtenteils muslimisch geprägt waren. Unterstützend taucht hier heute der Einfluss der Türkei auf, welche den Aufbau vieler Moscheen im Land subventioniert. Über weiterführende fragwürdige Einflüsse diesbezüglich hält man sich hier eher bedeckt…  

Wirtschaftlich ist Albanien gelinde gesagt nicht ganz so gut gestellt und die Tabelle als Hauptlieferant von Drogen anzuführen, ist auch nicht der erstrebenswerteste Platz Nummer eins. Was jahrelang unterdrückt wurde, kann nicht von heute auf morgen eigenständig funktionieren. Albanien katapultierte sich über Jahre zusehends in die Selbstisolierung, durch welche das Land heute noch leidet. Was uns hier gegenübertritt ist ein misstrauisch wirkendes Volk, welches nach und nach versucht, im modernen Europa Fuß zu fassen. Hier müssen wir zuerst lächeln und lange auf ein verhaltenes Schmunzeln als Antwort warten. Junge Männer ohne große Perspektiven dominieren das Straßenbild. Wer im Tourismus nicht unterkommt und der Landwirtschaft des Hinterlandes entfliehen will hat wenig Chancen auf Arbeit. Genau diese Frustration ist hierzulande leider sehr deutlich zu spüren. Auf den Straßen weichen wir den skeptischen Blicken schlichtweg aus, doch beim Einkauf in den kleinen Supermärkten merken wir umso deutlicher, dass die Menschen unzufrieden sind. Wo wir Gastfreundschaft erfahren, ist in Restaurants und Hotels. Während diese Bereiche die Besucher ihres Landes zu schätzen wissen, ist der „ganz normale Albaner“ eher kühl und reserviert. Aber in ein paar Jahren wird es vielleicht auch der Eigentümer des letzten kleinen Tante-Emma-Ladens verstehen, dass es nicht von Nachteil ist, zwei Touristinnen einfach auf ein nettes „Hallo“ freundlich zu antworten und sich zu bedanken, wenn man etwas bei ihm kauft und Trinkgeld gibt… 

Denn das ist eben die große und gute Einrichtung der menschlichen Natur, dass in ihr alles im Keim da ist und nur auf eine Entwicklung wartet.

Johann Gottfried Herder 

Landschaftlich hat Albanien, als kleines südosteuropäisches Land auf dem Balkan, wie bereits erwähnt, wirklich einiges zu bieten. Mit einem ausgedehnten Küstenstreifen entlang der Adria und des Ionischen Meeres sowie den Albanischen Alpen im Landesinneren sind die Voraussetzungen für eine beeindruckende Reise auf jeden Fall gegeben. Wir haben das Land von Nord nach Süd durchquert, wodurch wir all’ das erleben durften… einsame Strände, wunderschöne Berglandschaften, Schluchten, Seen und besonders das ganz normale, ursprüngliche Leben dazwischen. 

   

 

Unsere Anlaufpunkte von Nord nach Süd, 1600km in 15 Tagen 

 Von verschlafenen Bergdörfern über belebte Strandorte, bis hin zu absoluten Tourismusmagneten… von „Wir haben Angst in dieser Einsamkeit zu schlafen.“ bis „Das sind uns echt viel zu viele Menschen.“ waren alle Zustände vorhanden. Zu Letzterem zählte definitiv auch Gjirokastra, eines der Ziele auf unserer Route Richtung Süden. Gjirokastra gehört zu den ältesten Städten des Landes, zählt seit 2005 zum UNESCO-Welterbe und gilt als wichtiges kulturelles Zentrum Südalbaniens. 

  
 
  

Der Charme der kleinen Gassen und der alten Gemäuer sollte keinem verwehrt bleiben… und so treffen wir eine Reisegruppe nach der anderen! Das Schlimme sind ja nicht diese komischen Menschen an sich… wir sind ja schließlich auch welche und wir sind auch Touristen und ziemlich eigenartige noch dazu 🙂 Auch wir wollen uns das alles anschauen, aber wir versuchen uns so gut es geht anzupassen! – Anpassung: das Sicheinstellen auf jemanden, etwas; das (sich)einfügen; angleichen. – Manchmal fragen wir uns, ob der moderne Mann/ die moderne Frau das verlernt hat, es als Schwäche sieht, zu arrogant ist, es einfach nicht mehr nötig hat oder schlicht und weg zu blöd dafür ist! Diese Reisegruppen… und das gilt IMMER und für alle, wenn die Gattung Mensch in geballter Form auftritt, egal welche Nationalität… sind laut, rücksichtslos, haben kein Benehmen, lassen ihren Müll überall liegen und führen sich auf wie der Elefant im Porzellanladen!  

Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet.

Hans M. Enzensberger  

  
  
 

                              Um Jahre zurück versetzt… der Blick in die kleinen Läden der Stadt 

Ein weiterer Anlaufpunkt, an welchem die Touristen in Scharen abgekippt werden, ist das sogenannte „Blue Eye“. Als wasserreichste Quelle des Landes ist das Blaue Auge Albaniens eines der Highlights für Besucher. Die genaue Tiefe des in Landessprache “Syri i Kaltër” wurde bis heute nicht erforscht. Der Quelltopf überzeugt im Sonnenlicht durch wahnsinnig klare Farben. Mit einer Temperatur von ziemlich konstanten 12,75 Grad lädt er uns jedoch eher weniger zum Baden ein. Während wir in den ersten Tagen kaum Touristen trafen, häufen sich unsere Begegnungen im Süden umso mehr. Dann entwickelt sich immer ein gewisses “Fluchtverhalten” in uns. Bei zu vielen Menschen wollen wir einfach nur weg. Zudem fragen wir uns jedes Mal wieder, was an großen Hinweis- oder Warnschildern so schwer zu verstehen ist?! Liegt es tatsächlich in der Natur des Menschen, über diese hinwegzusehen? Hat deren Beachtung, besonders in fremden Ländern, nicht auch etwas mit Respekt zu tun? „NICHT SPRINGEN“, stand groß und breit auf der kleinen Aussichtsplattform über der wunderschönen hellblauen Quelle. WARUM steht dann direkt neben uns ein übergewichtiger Herr mittleren Alters in roter Badehose und springt kopfüber in diese Quelle??!! Müssen wir für soviel Dummheit noch Verständnis zeigen??!! Ohne Worte machen wir ein paar Bilder für positivere Erinnerungen und verschwinden…  

  
  

Aber was sollen wir uns weiter über die Dummheiten der Touristen aufregen, wenn wir unsere Energie viel nützlicher einsetzen können 🙂 In Anbetracht der Tatsache, dass eine von uns so ziemlich jedes Tier niedlich findet… egal ob Käfer, Maus, Nacktmull, Stinktier, Warzenschwein oder Elefant… wenn einfach alles, und wirklich alles “siiiiiieeeeeeß” ist… schenken wir unsere Aufmerksamkeit jenen Lebewesen, die es wirklich verdient haben und nichts für ihre Situation können – die Straßenhunde und -katzen. Das ist jedoch einfacher gesagt als getan. Denn als die gefühlt ersten und einzigen Personen, welche in Albanien jemals Hunde- oder Katzenfutter kaufen möchten, werden wir im ersten Supermarkt nur ungläubig angeschaut. So bedurfte es schon mehrere Anläufe, um uns mit Leckerlies einzudecken und kleine hungrige Mäuler wie diese zu stopfen…  

 

 

 Nicht nur die Landschaft und die Anzahl an Touristen war von großer Vielfalt und reger Abwechslung geprägt, auch unsere Gemüter, Köpfe und Gedanken durchlebten eine kleine Achterbahnfahrt. Von 

 Phase 1: „Wir machen nur einen kurzen Wochenendtrip.“ über  

Phase 2: „Wir sind schon wieder ewig unterwegs und waren die letzten fünf Monate überhaupt nicht zu Hause.“ bis hin z   

Phase 3: „Es reicht uns und wir möchten eigentlich lieber wieder heim.“ durchlebten wir in dieser kurzen Zeit alles.

Eine Erklärung für dieses ganze Hin und Her haben wir nicht wirklich. Wahrscheinlich ist es ein Zusammenspiel aus verbleibenden Gefühlen der Weltreise, neuen Eindrücken und vor allem der Vorfreude auf all‘ das, was uns die nächsten Wochen und Monate zu Hause erwartet. Wie kleine Kinder freuen wir uns schon heute auf die Weihnachtszeit, welche wir im letzten Jahr nicht so erlebten, wie wir es gewohnt waren… UND WIR2 LIEBEN EINFACH ALLES AN DIESEM FEST! Wir können es kaum erwarten diese ganzen Düfte zu riechen, den ersten Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt zu trinken und Plätzchen zu backen… das alles ist an Vorfreude kaum zu übertreffen.  

Es ist ein ungeheueres Glück, wenn man fähig ist, sich freuen zu können.

George Bernard Shaw 

So viele wundervolle Dinge, die uns tatsächlich nach nicht einmal zwei Wochen so etwas wie Heimweh verspüren lassen. Ein Gefühl, welches wir in dieser Form noch gar nicht wirklich kannten. Aber das ist auch überhaupt nicht schlimm, völlig in Ordnung und irgendwie auch richtig schön… Denn das wichtigste ist doch, dass wir uns anschauen und genau wissen, was in dem Kopf der Anderen gerade vor geht.  

 

Unsere letzten Tage in Albanien verbringen wir in einem kleinen gemütlichen Hotel am Strand in einem kleinen Ort namens Dhermi. Wie im Großteil des Landes verirren sich in der Nachsaison nur wenige Gäste hierher. Nach den Touristenspots finden wir hier richtig viel Ruhe, leere Strände und genau das, was wir wollen… nichts 🙂  

Nur wer ab und zu gar nichts tut, hat die Chance, das Leben zu spüren.  

  
  
 
„Ankommen“ in Albanien…

„Ankommen“ in Albanien…

Mittlerweile ist der Eindruck des „Wochenendtrips“ verflogen und wir fühlen uns, als wären wir nie wirklich zu Hause gewesen. Unsere Köpfe wissen das alles scheinbar nach wie vor nicht einzuordnen und schalten lieber wieder in den Reisemodus… von jetzt auf gleich, von einem Moment auf den anderen schließen wir an die Weltreise an. Sind wir tatsächlich fünf Monate zu Hause arbeiten gewesen und hatten so etwas wie Alltag? Momentan ist das alles schon wieder unvorstellbar weit weg. Auf den Tag genau vor einem Jahr starteten wir in eine der wohl schönsten Reisen unseres Lebens… eine Zeit, welche noch immer alles mit einem zauberhaften Licht überstrahlt und unseren Blick auf die Welt so viel schöner macht. Mit einem weinenden und einem lächelnden Auge blicken wir heute um so sentimentaler zurück und sind zugleich traurig, aber auch unglaublich glücklich, all‘ das erleben zu dürfen – auch wenn unsere Köpfe gerade etwas hinterherlaufen…

Gefühle klopfen nicht an die Tür und fragen, ob es gerade passt.

Nach den anfänglich wirklich gruseligen, beängstigenden und nahezu schlaflosen Nächten, welche diese Reise zugegebenermaßen in den ersten Tagen schon unvergessen machten, wartete eine ganz besondere, vor allem völlig unerwartete Überraschung auf uns. Eigentlich wollten wir lediglich die 500 Serpentinen der Rückfahrt ins Flachland umgehen, wodurch wir über das Hotel einen Platz auf der Autofähre buchen ließen. Diese Reservierung war im übrigen auch extrem wichtig, da nämlich nur noch ungefähr 90% der Stellflächen frei waren 🙂 Aber wie sagen wir Deutschen immer so schön… Besser man hat, als man hätte! Irgendwie steckt diese komische Eigenschaft noch immer tief in uns. Das ist ungefähr vergleichbar mit den verschiedenen Typen beim Thema Tanken! Eine von uns würde am liebsten schon die nächste Tankstelle ansteuern, sobald einer der digitalen Striche der Anzeige verschwunden ist und die Andere fährt mit Reserve noch bis in das übernächste Bergdorf. Aber irgendwann lernt man eben mit den kleinen Macken umzugehen, lächelt gemeinsam darüber und trifft sich irgendwo dazwischen (aber da das Argument “Sicherheit” – immer angebracht von der Realistin unter uns – oberste Priorität hat, tanken wir also lieber gleich *haha*). Jedenfalls ahnten wir beide nicht im Entferntesten was uns die nächsten zwei Stunden auf dieser Fähre geboten wurde!

Eine albanische Autofähre schippert irgendwo im Nirgendwo über einen Stausee! Natürlich haben wir uns vorher belesen, wodurch ein kleiner positiver Vorgeschmack entstand… uns aber nicht im Entferntesten vorstellen können, wie das in Wirklichkeit aussehen wird. Schnell merkten wir, dass das definitiv eines der Highlights unserer Reise werden wird. Ohne zu übertreiben, kamen hier tatsächlich die Erinnerungen an Neuseeland hoch! So schön ist Albanien…

Die Welt gehört dem, der sie genießt.

Giacomo Leopardi

Dazu kam noch eine richtig gute Tat für unser Karma-Punkte-Konto 🙂 Trotz unserer Scheu gegenüber anderen Menschen und einer eher isolierten Art zu reisen, nahmen wir zwei gestrandete Deutsche mit zurück in die Stadt. Lothar und Didi aus Würzburg hatten auf ihrer Tour über Kroatien nach Albanien bereits die zweite Autopanne und mussten auf Ersatzteile aus dem Kosovo warten. Das ist schon echt viel Pech, fanden wir und hatten Mitleid (welches wir sonst nur mit Tieren haben, weswegen unser Auto auch voller Hunde- und Katzenfutter ist)! Auch unsere Geschichte von zwei polnischen, nichts verstehenden, taubstummen Reisenden fanden wir hier etwas übertrieben 🙂 So entschlossen wir uns zu helfen und brachten die vom Unglück Verfolgten in die ungefähr zwei Stunden entfernte, nächste größere Stadt… wo wir ohnehin selbst hinfahren wollten. In Shkodra angekommen lieferten wir die Zwei am Hotel ab, checkten danach selbst in unseres ein und ließen den Tag, voller Stolz auf unsere Nächstenliebe gemütlich ausklingen. Der Einladung zu einem gemeinsamen Abendessen kamen wir allerdings nicht mehr nach… gute 120 Minuten Gesellschaft sollten auch genug an deutscher Kommunikation mit fremden Menschen für diese Reise gewesen sein. ALLEIN ZU ZWEIT ist doch irgendwie schöner…

Shkodra ist mit circa 150.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt des Landes. Sie gilt als kulturelles Zentrum Nordalbaniens, von welchem man in nur etwa 34 Kilometern Montenegro erreichen kann. Gegenüber unseres Hotels sehen wir eine alte verfallene Ruine… das wird unser Plan für heute: der Aufstieg zur sagenumwobenen Burg Rozafa.

Glaubt man der Legende, bauten einst drei Brüder die Burg. Vom Pech verfolgt, war jedoch jegliche Anstrengung umsonst und die Mauern stürzten jede Nacht wieder ein. Für die ewige Haltbarkeit, sprach einestages ein alter Mann, müssten eine Frau eingemauert werden. Die Brüder vereinbarten, die Ehefrau zu opfern, welche am nächsten Tag als erste das Mittagessen bringt. Entgegen der Abmachung weihten die beiden älteren Brüder ihre Ehefrauen in den Plan ein. Infolgedessen war es die junge Rozafa, die am nächsten Tag am Bauplatz erschien. Sie nahm ihr Schicksal tapfer hin, bat aber darum, dass man eine ihrer Brüste, einen Arm und ein Bein verschont. So konnte sie ihrem Kind weiterhin die Brust geben, es streicheln und die Wiege schaukeln. Noch heute soll bei Regen eine milchige Flüssigkeit den Burgberg hinab laufen.

Ohne eine derart glaubhafte Legende, aber dennoch eine kleine Reise wert ist die Mesi-Brücke. Aufgrund des guten Zustands ist sie heute eine der bedeutendsten Überreste des Osmanischen Reiches. Sie wurde vermutlich im 18. Jahrhundert erbaut, ist 108 Meter lang und war Teil einer Handelsroute, die entlang der Albanischen Alpen nach Kosovo führte – ein Weg, den schon die Römer benutzten.

Immer beeindruckter von der Vielfalt des Landes starten wir unseren Roadtrip am nächsten Tag weiter Richtung Süden. Wir möchten in einen Ort namens Berat. Als UNESCO-Welterbe steht „Die Stadt der tausend Fenster“ unter besonderem Schutz. In den Stadtteilen mit den typisch historischen weißen Häusern sind Neubauten verboten. Insbesondere aus diesem Grund sowie den zahlreichen Moscheen und Kirchen gilt Berat als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Wir sind begeistert von dem außergewöhnlichen Flair der Stadt. Während der Ort im wunderschönen Abendrot versinkt, wechseln sich die Rufe des Muezzins mit dem Leuten der Kirchturmglocken ab. Über den Dächern Berats sitzen wir auf unserem Balkon und lauschen dem friedlichen Treiben. In solchen Momenten wünschen wir uns oft, dass viel mehr Menschen das sehen könnten, was wir sehen… und vor allem auch denken. Unsere Welt ist so viel mehr als die eigene Heimat, die vertraute Umgebung und bekannte Kulturen…

Am nächsten Morgen fahren wir, nach dem weltbesten Hotel-Frühstück (es gab sogar hausgemachte Pancakes mit Schokosoße!!!), ungefähr zwei Autostunden ins Landesinnere. Wir wollten es anfangs nicht glauben, aber Albanien besitzt einen richtig ernstzunehmenden Canyon, den Osum Canyon. Die tief in die Landschaft eingeschnittene Schlucht ist etwa 13 Kilometer lang, zwischen 2 und 30 Meter breit, 70 bis 80 Meter tief und gilt als kleiner Bruder des „wahren“ Grand Canyons.

Schon die Fahrt zum Canyon ist ein echtes Erlebnis!
Wie bei jeder unserer Wanderungen, laufen wir natürlich stundenlang in der prallen Mittagssonne bei 29 Grad auf irgendwelchen Wegen, die keine sind… und das auch immer schön am unbefestigten Abgrund entlang. Hier draußen, wo selbst die kleinen Schildkröten nicht überleben, schlagen wir uns tapfer durch 🙂 Nach einem großflächigem Brand oberhalb des Canyons können wir weder einen der Wanderwege, noch ein Stückchen Schatten finden. Die Eine vornweg und die Andere mal mehr und auch mal weniger gut gelaunt (in dem Falle schnaufend und fluchend) hinterher… Aber die Aussicht lässt uns die Strapazen wie immer vergessen. Wie ihr seht… daran hat sich absolut nichts geändert 🙂

Besser einmal ein bisschen zu weit gehen, als nie weit genug!

„Leichte Startschwierigkeiten“ in Albanien

„Leichte Startschwierigkeiten“ in Albanien

Der erste Urlaub nach unserer Weltreise! Nach reichlich fünf Monaten Heimat, wertvoller Zeit mit Freunden und Familie… aber auch viel Arbeit, sich langsam einschleichendem Alltag und dem allmählich wachsenden Wunsch nach einer Rückkehr in das Unbekannte, Leichte und Abenteuerliche packt uns so langsam das Fernweh. Auf der einen Seite sind wir glücklich und zufrieden, zehren noch immer von unendlich vielen Erinnerungen… aber andererseits sind wir im Kopf mehr unterwegs als zu Hause und irgendwie schon wieder neugierig auf neue Länder, Kulturen und Erlebnisse. Doch wie fühlt es sich eigentlich an, ganz normale zwei Wochen zu verreisen, wenn man vorher das wohl größte sechsmonatige Abenteuer des Lebens hatte? Die Antwort ist genauso einfach wie kompliziert: Richtig komisch! Oft haben wir uns gefragt, wie unsere Zeit nach der Weltreise wohl aussehen wird? Verändern wir uns oder kommen wir zurück und machen einfach so weiter wie bisher?

Die Antwort darauf blieb lange Zeit aus und kommt nicht von jetzt auf gleich. Erst nach und nach, Stückchen für Stückchen merken wir, dass mit den Monaten irgendwie doch alles ein wenig anders ist… Natürlich sind wir nach wie vor „Wir2“ wie man uns kennt und hoffentlich auch liebt 🙂 …aber in unseren Köpfen hat sich dennoch einiges gedreht. Wir sehen in vielerlei Hinsicht einfach keine Probleme mehr, wo früher vielleicht welche waren. Wir lassen es einfach auf uns zu kommen… denn es gibt IMMER für ALLES eine Lösung! Die bevorstehenden zwei Wochen Albanien fühlen sich momentan an wie ein kurzer Wochenendtrip. Selbst im Flugzeug, bereits abgehoben und über den Wolken, können wir nur schwer realisieren, dass wir verreisen. Wir landen keine zwei Stunden später bei sonnigen 27 Grad in Tirana, einer anderen Welt als die uns Vertraute, aber greifen können wir das derzeit noch nicht… ein Gefühl, welches wir beide gleichermaßen haben und nur schwer in Worte fassen können.

Wenn wir jedoch eines auf unserer großen Reise gelernt haben, dann ist das die Erkenntnis, dass wir zu 90% die gleichen Gedankengänge haben. Ob das gut ist…? Wahrscheinlich manchmal mehr und manchmal weniger 🙂 Größtenteils finden wir es aber schon ziemlich praktisch! Es erspart viele Erklärungen und Worte, die vielleicht auch falsch verstanden werden könnten. Wir sind definitiv nicht immer einer Meinung aber wir blicken, denken und fühlen oft in dieselbe Richtung… was uns wohl auch den Anfang dieser Reise, inklusive dieses ganzen Gefühlschaoses um einiges erleichtert!

Ein zweiter, überaus wichtiger Aspekt, welchen wir gelernt haben anzuwenden… Nimm die Dinge einfach so hin wie sie sind und blicke mit einer gewissen Gelassenheit darauf! Und glaubt uns, es gibt so verdammt wenig Augenblicke im Leben, die es wert sind, sich aufzuregen, verrückt zu machen oder zu ärgern! Und getreu diesem Motto machten wir uns keine großen Gedanken und ließen einfach alles auf uns zukommen. Wir sind zusammen und haben Zeit für uns, Zeit die Welt zu entdecken… und das ist schließlich alles was zählt!

Angekommen in Tirana funktionierte alles wie vor ein paar Monaten… Rucksäcke schnappen, einreisen, danach Geld, lokale SIM-Karte und Mietwagen holen und auf ins Unbekannte. Da unsere Route grob feststand, fuhren wir erst einmal Richtung Norden in unser erstes Hotel am Strand.

Schnell merkten wir, dass die Saison vorbei (oder vielleicht auch noch nie da) war. Es war keine Menschenseele weit und breit, außer ein paar Einheimische (im übrigen ausschließlich Männer, da die Frauen in den ländlichen Gegenden kaum Haus und Hof verlassen). Sogar im Hotel sind wir die einzigen Gäste, was wahrscheinlich auch die Bauarbeiter dazu veranlasste, den Presslufthammer extra tief und laut in die Wand unseres Untergeschosses zu hauen! Da wir aber am Nachmittag schon ahnten, dass die in Jeans, Strickpullover und leichten Turnschuhen bekleideten jungen, hochmotivierten Herren nicht sehr ausdauernd sind, hatten wir schnell wieder Ruhe. Nachdem wir das einzig offene Strandrestaurant weit und breit gefunden hatten, richtig lecker gegessen haben und es Wein aufs Haus gab – die albanische Gastfreundschaft lässt grüßen, ließen wir den ersten Tag gemütlich ausklingen.

Allein im Hotel, irgendwo in der Pampa Westalbaniens… wer uns besser kennt, der weiß, dass in solchen Momenten zumindest eine von uns leichte Ausschläge der Pulsfrequenz bekommt 🙂 Wir liegen im Bett, versuchen zu schlafen, der Wind pfeift durch jede Ritze und die Wellen peitschen in sicherer Entfernung Richtung Strand. Dennoch hören wir jedes nicht natürliche Geräusch, glauben mitten in der Nacht Schritte wahrnehmen zu können und stehen bei einem kurzen Ruck an der Tür zeitgleich neben unserem Bett. Beängstigend… wenn man sich mit maximal einem Stuhl wehren könnte! Doch ein kurzer Blick aus dem Fenster lässt uns (mehr oder weniger) beruhigt zurück ins Bett fallen… hier ist keiner… und trotzdem bleibt es eine eher schlaflose Nacht.

Müde und mit dicken Augenringen beschließen wir, uns für die kommende Nacht ein größeres Hotel in einer bewohnten Gegend, in Stadtnähe zu suchen. Unsere Wahl fällt auf den zweitgrößten Ort des Landes, Dûrres. In der Annahme, dass wir hier eine ruhigere Nacht verbringen, freuen wir uns auf die neue Unterkunft und den Tag, welcher vor uns liegt.

Heutiges Ziel ist eine kleine Landzunge, das Kap Rodon. Es ist eine in die Adria hinauslaufende, fast zehn Kilometer lange Landspitze in Mittelalbanien. Neben alten Klöstern und wundervollen Küstenabschnitten finden wir auch die für Albanien typischen Bunkeranlagen. Etwa 200.000 davon entstanden zwischen 1972 und 1984. Die Bunker sollten der Verteidigung des Landes im Falle eines Angriffs durch ausländische Truppen dienen. Getreu der albanischen Staatspropaganda der 70er Jahre „Das Vaterland zu verteidigen ist eine Pflicht über allen anderen Pflichten.“ stehen die Bunker wie überdimensionale Pilze heute noch im ganzen Land.

Auch hier ist die Anzahl der Besucher überschaubar, was genau unseren Geschmack trifft und wir können die Landschaft und die Ruhe ganz allein genießen, bevor wir am Nachmittag in einem kleinen Restaurant unweit des Kaps einkehren.

Was dann passierte, können selbst Wir2 bis heute nicht glauben! 

Es ist für albanische Verhältnisse wahrscheinlich eine etwas gehobenere Gaststätte, die Tische sind mit weißen, sauberen Stofftischdecken gedeckt, im Eingangsbereich steht ein überaus gut gefülltes Weindepot und die Kellner sind schick gekleidet. Wir haben ein gemütliches, schattiges Plätzchen im Außenbereich gefunden und fühlen uns herzlich willkommen. Während unserer Wahl der Vor- und Hauptspeise, irgendwo zwischen den Zeilen des griechischen Salats und des Meeresfrüchte-Rissottos… fängt plötzlich, wie aus dem Nichts, der Boden unter uns an zu vibrieren… unsere Füße wackeln, erst langsam und dann immer heftiger. In unserer Naivität (ja… diese Erfahrung blieb uns bis dato erspart) dachten wir zuerst an einen tonnenschweren LKW oder Bagger, der unmittelbar vorm Durchbruch der Wand des Restaurants steht oder sonstige Dinge, welche Männer so auf DMAX anschauen!!! Wir2 hatten doch keine Ahnung! 

Doch als die dicken Holzpfeiler, das mit Weinreben behangene Dach und die massiven Wände des Hauptgebäudes ebenfalls anfingen zu wackeln und sich zu bewegen, wussten wir, dass das mit hoher Wahrscheinlichkeit keine unserer Ideen sein kann.

Während die Kellner und das Küchenpersonal das Gebäude bereits verließen, saßen wir wie gelähmt an unserem Tisch und fühlten uns völlig hilflos. Als Eine von uns doch irgendwie dem Automatismus der Anderen ohne groß nachzudenken folgte und sich ein paar Meter vom Tisch entfernte, blieb die Andere einfach sitzen und beobachtete das Treiben ohne jegliche Regung mit ihren großen blauen Augen! Mit den schroff ausgesprochenen Worten: „Komm jetzt mit her!“, waren allerdings auch schon um die 30 Sekunden vergangen und nichts war mehr zu spüren. Noch immer wussten wir die Situation nicht wirklich einzuordnen. Ist das jetzt ernst? Müssen wir hier weg? Und was zum Teufel war das überhaupt??? Doch da sich alle wieder recht schnell an die ursprünglichen Arbeiten machten, wichen wir von unserem Plan (schließlich haben wir Hunger) auch kein Stück ab und bestellten unser Essen. Keine viertel Stunde später stand unser Salat auf dem Tisch, der Boden, die Pfeiler und die Wände fingen erneut an, sich von unten in Wallung zu bringen und wir (hatten vom ersten Mal bereits gelernt!) folgten dem Personal des Restaurants in sichere Entfernung. Mittlerweile wussten wir, dank des World Wide Webs , dass die Erde in Albanien bebt. Doch was macht man mit diesem Wissen in einer solchen Situationen? Richtig… das, was alle anderen machen! Erstmal nichts! Und sobald die Erde sich beruhigt… zurück zum Ausgangspunkt. Ehrlich gesagt, hatten wir absolut keine Ahnung über die Ausmaße sowie über die Ängste, welche Katastrophen wie diese auslösen können!

Eine der ersten Twitter-Meldungen nach dem Hauptbeben.

Erst am nächsten Tag erreichten die Schlagzeilen die Tagesschau.
Was wir im Außenbereich des Restaurants noch ganz gut verarbeiten könnten, holte uns im Hotel am Abend schneller ein als gedacht. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welche krassen Urängste in jedem entstehen, wenn man einer solchen Kraft der Natur ausgesetzt ist! Von den über 300 Nachbeben, haben mindestens fünf weitere durch ihre Stärke unsere Hotelwände und -betten wackeln lassen. Während wir das Hotel gegen Mitternacht unter leichter Panik noch einmal verließen, blieben wir während der weiteren Erschütterungen im Zimmer und versuchten uns gegenseitig zu beruhigen. Ein unbeschreibliches tiefsitzendes Angstgefühl, welches wir hoffentlich nicht noch einmal erleben müssen!

Auch das lesen wir in unserer Verzweiflung!
So blöd das auch klingen mag… Aber selten waren wir so erleichtert, die Sonne am nächsten Morgen aufgehen zu sehen. Ein letztes kurzes Rütteln unseres Bettes holte uns viel zu früh aus dem leichten Schlaf der vergangenen Nacht. Nach dem Frühstück kehrten wir der Küstenregion vorerst den Rücken und starten in Richtung Albanische Alpen.

Sicherlich kann man sich darüber streiten, ob die „Flucht“ in die Berge, die Fahrt entlang tiefer Schluchten und durch kilometerlange Tunnel in einer solchen Situation die beste Wahl ist, aber zumindest war die Strecke wunderschön und unser italienischer Hotelier versicherte uns in gebrochenem Englisch, dass wir „safe“ sind und er hier, inmitten der Alpen, fünf Autostunden entfernt von der Küste, nichts von alledem mitbekommen hat! Sein Wort in Gottes Ohr! Nach einem überaus leckerem Essen inklusive einheimischem Bier, welches wir in einem ausgetrockneten Flussbett genießen, wurde das die bisher beste Nacht für uns in Albanien 🙂

Doch die nächste „kleine Geschichte“ ließ nicht lange auf sich warten. In die Alpen fahren, heißt natürlich wandern gehen! Ausgeschlafen und nach einem leckeren, liebevoll zubereiteten Frühstück wollten wir eine der unzähligen Routen inmitten dieser tollen Landschaft laufen. Wir hatten uns für einen 12-Kilometer-Trail entschieden. Alle Zeichen, tatsächlich auch die der mit Abstand unzuverlässigsten Apple-Wetter-App, standen auf Regen! Aber wir ignorierten das einfach alles weg… eiskalt blendeten wir dieses unwichtige Detail aus!

Das klappte super! …zumindest die ersten drei Kilometer, dann öffnete sich irgendwo ein Ventil und schüttete bis zum Abend volle Wassereimer über uns aus. Fluchend und nass bis auf den Schlüpfer stapften wir zum Auto zurück, fuhren ins Hotel, duschten und legten uns ins Bett… das war 13Uhr!!! Ein perfekter Zeitpunkt für Mittagsschlaf und dann Netflix- und Filmenachmittag, dachten wir. Doch gegen 15Uhr verabschiedete sich der Strom, was leider eine nicht unerhebliche Voraussetzung unserer weiteren Planung war. Selbst die Elektrizität hatte wahrscheinlich keinen Bock mehr! Das läuft doch richtig klasse mit uns in Albanien 🙂

Wäre in dieser Nacht nicht das mit Abstand lauteste, mit an die Wucht von Explosionen (also so muss das ungefähr klingen, wenn ein Sprengstofflager in die Luft geht) grenzenden Mega-Donnern und Blitzen gewesen, hätten wir sicher richtig gut und lange geschlafen 😉

Die Südsee – Mehr als ein Lebenstraum

Die Südsee – Mehr als ein Lebenstraum

 

Fahre in die Welt hinaus, sie ist fantastischer als jeder Traum.

Ray Bradbury

 Ein guter Monat ist seit unserer Rückkehr mittlerweile vergangen… fünf Wochen voller Freude, schöner Momente und gemütlicher Stunden mit den Lieben zu Hause. Wir genießen es zu einhundert Prozent in gewohnter Umgebung zu sein, wir fühlen uns wohl zu Hause und wir versuchen, die Arbeit wieder als Teil unseres Lebens zu akzeptieren… 

Doch was passiert eigentlich in unseren Köpfen…? Im ersten Moment erscheint alles so normal, unser Umfeld begegnet uns, als wären wir nie weg gewesen. Doch unsere Seelen arbeiten, sie sind durcheinander, finden sich in einigen Abläufen nur schwer zurecht. Wir fühlen uns irgendwie “zwischen den Welten” und realisieren mehr und mehr, dass uns das Reisen unbewusst verändert.

Das Schöne am Reisen ist, dass du nie so zurückkommst, wie du gegangen bist.

Woran denken wir, wenn wir während Besprechungen mit Kollegen mehr und mehr abschweifen… an was erinnern wir uns, wenn wir dem deutschen Hamsterrad wieder Einkehr gewähren müssen? Wir haben das große Glück, in einer Kiste unendlich vieler wundervoller Erinnerungen graben zu können. Unser persönlicher Zufluchtsort ist meist die Südsee! Es ist die jüngste aller Erinnerungen und der komplette Gegensatz zum heimischen Alltag! Unser persönlicher “Happy Place”, unser gemeinsamer Treffpunkt, wenn der Alltag zu viel wird, unser Versteck, wenn niemand uns finden soll…

 Der Südpazifik… ein Sehnsuchtsort mit den weißesten Stränden und den blauesten Lagunen. Wir sitzen auf unserem Paddelboard und lassen uns einfach treiben. Inmitten der buntesten Fische im kristallklaren Wasser sind wir unendlich glücklich, grenzenlos frei und mehr als zufrieden. Wir lächeln uns an und realisieren nur langsam, dass dieser Moment die Erfüllung eines absoluten Lebenstraumes ist! 

Als Südpazifik, oder im deutschen Sprachgebrauch auch Südsee, Ozeanien oder Polynesien, wird die südwestliche Inselwelt des Pazifischen Ozeans bezeichnet. Was für viele der Inbegriff einer wundervollen Reise in das Paradies ist und aufgrund der Entfernung von ungefähr 15.000 Kilometern meist ein Traum bleibt, sollte für uns tatsächlich Wirklichkeit werden… Schon lange Zeit vor dem Start unseres großen Abenteuers stand fest, dass wir die letzten Tage unserer Reise gern auf einer Insel in der Südsee verbringen möchten. Was von Deutschland eine Anreise von über 30 Stunden bedeutet, ist von Neuseeland in nur fünf Stunden erledigt… ein Grund mehr, diese Chance definitiv zu nutzen! Allein der Weg nach Aitutaki ist ein echtes Erlebnis, welches wir wohl nie vergessen werden…

Obwohl es keineswegs der erste Flug mit einer kleineren Maschine für uns war, ist es hier, inmitten des Pazifiks doch noch etwas speziell 🙂 Aber wer in das Paradies möchte, muss auch eine „etwas“ holprige Anreise in Kauf nehmen. Die Piloten der Air Rarotonga haben im Übrigen die Einstellung: “Je bewölkter und stürmischer der Himmel, desto schöner wird der Flug!” Endlich etwas Action in dem friedlichen Inselparadies! Nicht gerade vertrauenswürdig, diese Aussage…? Wer Ski fährt und schon einmal auf der Buckelpiste unterwegs war, kann sich ungefähr vorstellen, wie wir in der Saab 340 (im Übrigen hintereinander) 40 Minuten unseres Lebens ganz fest an eine sichere Ankunft geglaubt haben und eine von uns sogar einen kurzen Moment den Ansatz eines kleinen Gebets in sich gemurmelt hat. 

Die kleine Insel Aitutaki hat etwa 1900 Einwohner und ist mit einer Fläche von 18 Quadratkilometern die sechstgrößte der Cookinseln. Verwaltungstechnisch gehören diese zu Neuseeland, verfügen aber dennoch über ein eigenes Staatswesen. Als so genanntes gekipptes Atoll, befindet sie sich am Rande einer großen Lagune. Dazu gehören noch 15 kleinere Inseln (Motus), wovon drei vulkanischen Ursprungs sind und zwölf Koralleninseln. Auf Wikivoyage heißt es: “Aitutaki zählt zu den schönsten Lagunen der Welt. Fragt man die Insulaner, so ist es natürlich die schönste der Welt. Es gibt auf der Insel keinen Massentourismus und die Hotels oder Bungalowanlagen sind sehr klein. Von daher ist die Insel ein Ort der Entspannung und es ist kein Problem am Strand fast allein zu sein.” All’ das können wir tatsächlich zu hundert Prozent bestätigen!

Auf die Frage, was wir eigentlich den lieben langen Tag in der Südsee machen, haben wir leider nur eine kurze, langweilige und unspektakuläre Antwort… nämlich NICHTS 🙂 Wir wohnen in einer kleinen Hütte am Strand, liegen im Sand, genießen die wohl schönste Badewanne der Welt direkt vor unserer Haustür, paddeln entlang des Korallenriffs, beobachten die Meeresbewohner und freuen uns über das SÜSsE NICHTSTUN.

Wir spazieren durch das kristallklare Wasser, fahren mit den Einheimischen auf die umliegenden Inseln, gehen Schnorcheln und radeln ab und an in den nächsten Inselmarkt. Viele Dinge, speziell Lebensmittel, sind hier bis zu achtmal so teuer wie in Deutschland. Gesunde, frische Verpflegung und Getränke sind eine Art Luxusgut. Da die Cookinseln einfach zu wenig Platz für Industrie, große Felder und üppige Weiden bieten, muss hier fast alles importiert werden… und das kostet! Als Fan von Instant-Nudeln und sonstigem Dosenfutter kann hier trotzdem jeder zu einigermaßen normalen Preisen einkaufen… der traurige Beweis dafür sind die Südsee-Insulaner selbst. Die Einheimischen zählen nachweislich zu den weltweit dicksten Menschen und gehören zu den Spitzenreitern dieser bitteren Statistik. Ein Mix aus mangelnder Bewegung (hier wird trotz der kurzen Strecken alles mit dem Auto oder Roller gefahren) und zu viel ungesunder Nahrung stellt die Bevölkerung früher oder später vor neue Herausforderungen. Die Meinung der Polynesier selbst ist allerdings, dass die Übergewichtigen gute Menschen sind, weil ihnen Nahrungsmittel als Geschenk gegeben wird. Hier gilt das Dicksein noch als echtes Statussymbol. Allein die positive, fröhliche und unbekümmerte Grundstimmung, welche wir bereits mit Ankunft am Flughafen durch sanfte Südsee – Ukulelen – Klänge und herzhaft lachende Menschen einfangen dürfen, lässt das ganze Leben hier völlig sorgenfrei erscheinen. DIE LEICHTIGKEIT DER SCHWERGEWICHTE – Eine einzigartige Lebenseinstellung inmitten des Südpazifiks! 

 

 

Kirklandphotos – https://www.100urlaubsziele.de/cook-inseln-suedsee-urlaub/

Glücklich oder unglücklich sind wir nicht durch unsere Lebenslage, sondern durch unsere Einstellung zum Leben.

Asiatisches Sprichwort

Selbst die Aneinanderreihung hunderter positiver Eigenschaftswörter, würden unsere Zeit, unsere Eindrücke, unsere Gefühle und Gedanken hier nicht annähernd wiedergeben könnten. Wir wissen nicht, ob es irgendwann, irgendwie und irgendwo noch Orte für uns geben wird, welche eine derartige Schönheit, Einzigartigkeit, Besonderheit und Bedeutsamkeit ausstrahlen. Für uns ist die Südsee mehr als nur ein Stück Südpazifik. Sie ist der Abschluss einer wundervollen, abenteuerlichen, beispiellosen, einmaligen, außergewöhnlichen, unvergleichlichen, aufschlussreichen, sensationellen und vor allem unvergessenen Zeit zu zweit!

Glücklich und stolz blicken wir zurück auf das wohl größte Abenteuer unseres Lebens. Zwischen all’ den Erlebnissen, Eindrücken und Geschichten haben wir gelernt, viele Dinge auf dieser Welt einfach so hinzunehmen, wie sie sind. Wir wissen mehr denn je, dass wir zusammen gehören, sind um einiges reicher an Erfahrungen, Toleranz sowie Respekt und blicken gemeinsam in ein und dieselbe Richtung. Am Ende können wir mit einem breiten Lächeln behaupten, die wohl wertvollste Erkenntnis erlangt zu haben… nämlich zu wissen, wo Wir2 hingehören… an den Ort, wo unsere Familien und Freunde immer auf uns warten werden… UNSERE HEIMAT!

Der Mensch bereist die Welt auf der Suche nach dem, was ihm fehlt. Und er kehrt nach Hause zurück, um es zu finden.

George Moore

Wir danken allen unseren lieben Zuhausegebliebenen für die unglaublich tolle Unterstützung, das Interesse und die Kreativität hinsichtlich vieler unvergessener Erinnerungen und Bilder unserer Reise 🙂

Man sollte sich mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben nehmen. Reisen, Entspannung, gutes Essen und Zeit am Meer mit dem Lieblingsmenschen.

Fortsetzung einer traumhaft schönen Zeit im Land der Hobbits…

Fortsetzung einer traumhaft schönen Zeit im Land der Hobbits…

TEIL 2 – Die Nordinsel

Der Nordinsel Neuseelands eilt der Ruf voraus, sie sei weniger schön als ihre südliche Schwester. Sie ist kleiner, beherbergt drei viertel aller Einwohner des kompletten Landes und besitzt die größeren Städte. Egal ob man andere Reisende, erfahrene Langzeitauswanderer oder das Internet befragt… die Empfehlungen, weniger Zeit für den Norden einzuplanen, sind immer gleich. Auch wir haben der Nordinsel nur sieben unserer insgesamt 25 Tage gewidmet, haben längst nicht alles gesehen, können aber dennoch bestätigen, dass die Zeiteinteilung gerechtfertigt ist… wahrscheinlich liegt das aber an der völligen Reizüberflutung während der Tour über die unglaublich abwechslungsreiche und atemberaubende Südinsel… denn zu sagen, der Norden Neuseelands sei nicht schön, wäre schlichtweg gelogen und unfair gegenüber den tollen Erlebnissen unserer letzten Woche im „Land der langen weißen Wolke“.

Unsere Tour auf der Nordinsel
Wir waren uns von Anfang an einig, dass wir keine Großstädte anschauen möchten, diese weitestgehend meiden und versuchen zu umfahren… so auch die Hauptstadt. Sicherlich gibt es dort einiges zu sehen und der Charme soll ein ganz besonderer sein, welcher für uns aber irgendwie uninteressant war. Zwar legte unsere Fähre direkt im Hafen von Wellington an, aber wir flüchteten sofort Richtung Norden, raus der Metropole, weg von all‘ den Menschen, rein in die Natur… immer Richtung MEER 🙂

Trotzdem müssen wir fairerweise sagen, dass Neuseeland wirklich sehr, sehr hübsche, gemütliche und teilweise verschlafene kleine Städtchen und Dörfchen hat. Egal wie winzig der Ort ist, es gibt meist eine Tankstelle, mindestens einen Tante-Emma-Laden mit allem, was das Herz begehrt und ein Geschäft für Autoreparaturen oder große Landmaschinen. Oft findet man in den Seitengassen die schönsten Cafés mit den leckersten Kuchen. Die Menschen leben nach einer anderen Uhr als wir in Deutschland… hier heißt das die „INSELZEIT“…nicht hetzen, nicht stressen, nicht nerven, von vornherein mehr ZEIT für alles einplanen… sich ZEIT nehmen… ZEIT haben… Leben und leben lassen! 

Wir können uns nicht erinnern, dass wir nur einen einzigen gestressten, mies gelaunten Menschen getroffen oder zumindest gesehen haben. Die Neuseeländer haben Spaß an ihren Jobs. Sie lachen, wenn sie Dir deinen Kaffee servieren und grinsen noch mehr, wenn sie dir in der Baustelle das „Stop“- oder „Go“- Schild entgegenstrecken können! Selbst wenn der Verkehr durch eine Ampel geregelt wird, es gibt IMMER mindestens einen Bauarbeiter, der freundlich lächelt und grüßt. Ohne Mist… hier freuen wir uns tatsächlich über jegliche Art von Wartezeit aufgrund des Straßenbaus… einfach weil die Menschen so glücklich und freundlich sind! Und wir alle wissen genau, wie jeder einzelne von uns zu Hause auf deutschen Straßen flucht, vor „vermeintlicher Verzweiflung“ in das Lenkrad beißt und Tag für Tag dem Autofahrer-Tourette-Syndrom verfällt! Gibt es eigentlich einen einzigen vernünftigen Grund dafür? NEIN! …aber das werden wir wohl nie lernen! 🙁 Es gibt hier zum Beispiel auch hunderte dieser einspurigen Brücken – das heißt während einer fahren darf, muss der andere warten… UND das funktioniert ohne böse Blicke, Gemecker oder Gehupe! Ganz im Gegenteil, auch wenn derjenige zuerst fährt, der eigentlich keine Vorfahrt hatte (das ist mit dicken und dünnen Pfeilen geregelt), wird sich immer noch freundlich gegrüßt und für die Vorfahrt bedankt. Es gibt Dinge, welche wir uns nach unserer Reise behalten wollen, und das gehört definitiv dazu…

„Gelassen bleiben und lächeln – die hohe Kunst der Selbstbeherrschung!“

Als eine der schönsten Wanderungen Neuseelands wird er angepriesen – der Tongariro Alpine Crossing – eine knapp 20 Kilometer lange Tour durch die Vulkanlandschaft der Nordinsel. Doch die große Beliebtheit und ein mittelmäßiger Schwierigkeitsgrad führt leider auch zu einer regelrechten Massenbewegung! Der Tongariro Crossing wird jährlich von circa 25.000 Wanderern begangen und in Spitzenzeiten tummeln sich um die 700 Menschen pro Tag auf dem Weg! Also wenn jemand eine Wanderung in Neuseeland macht, dann ist es vermutlich genau diese! Wir hatten es schon befürchtet und es ist tatsächlich eingetreten… gefühlt reihen sich hier alle Touristen Neuseelands aneinander und überqueren das Vulkanmassiv gemeinsam. Und ihr wisst, wie sehr wir uns über viele unbekannte Menschen in unserer Nähe freuen! Trotz unseres Starts um 6:30 Uhr waren wir hier alles andere als allein. Es blieben uns also zwei Möglichkeiten… entweder abwarten und die Massen erst einmal laufen lassen (wobei wir nicht wissen wieviele Millionen noch nachkommen) oder sich schnellen Fußes vorn an die Spitze setzen 🙂 Also im Grunde gab es nur DIE EINE Möglichkeit! …Und hier möchten wir gleich anmerken (speziell diejenige, welche vornweg läuft), dass wir solche überaus wichtigen, das weitere Zusammenleben tangierenden, sportlich höchst anspruchsvollen, die Laune des halben Tages betreffenden, grundlegenden Entscheidungen immer GEMEINSAM treffen! …nur falls hier bei unseren treuen Lesern vielleicht ein falsches Bild entsteht… von der Sklaventreiberin oder Ähnlichem 🙂

Es ist im Grunde immer der gleiche Ablauf… Wir schniefen und fluchten beide ununterbrochen in uns hinein und fragten uns wieder und wieder, was wir hier eigentlich tun… um letztendlich festzustellen, dass sich jede einzelne Schweißperle gelohnt hat und wir dem inneren Schweinehund einmal mehr gezeigt haben, wer hier der Boss ist 🙂 Die menschliche Perlenkette bröckelte und mit jedem Meter konnten wir die Landschaft dieses faszinierenden Nationalparks der Nordinsel mehr und mehr genießen… was auch die jährlichen Besucherzahlen erklärt… denn einfach alles hier, im Weltkultur- und Weltnaturerbe der UNESCO ist wunderschön.

Aber es ist nicht die Überquerung des Massivs allein, welche diese Region so besonders macht… denn fährt man weiter durch die vulkanisch aktiven Zonen, dampft es aus nahezu jeder Erdspalte… in der Mitte des Kreisverkehrs, in den Wäldern und zwischen den Häusern steigt der “weiße Rauch” empor. Beinahe beängstigend bei der Vorstellung, wie es wohl unter der Erdoberfläche brodelt. Richtig hautnah ist das alles im Wai-O-Tapu-Nationalpark zu erleben, dessen Name seinen Ursprung in der Maori-Sprache hat und als “heiliges Wasser” übersetzt wird. Auf einer 18 Quadratkilometer großen Fläche können wir an Kratern, heißen Quellen, durch Minerale gefärbte Tümpel sowie Schlammteiche, aus welchen Gase aufsteigen und an der Oberfläche als Schlammblase zerplatzen, vorbei spazieren. Die Luft ist extrem schwefelhaltig und besitzt dadurch einen gewöhnungsbedürftigen, ab und an auch kopfschmerzbereitenden, nach faulen Eiern riechenden Duft…

Und dann ist da noch Lady Knox! Diese impulsive Dame zeigt jeden Morgen, pünktlich kurz nach zehn Uhr, was sie für eine Kraft hat! Allerdings ist dieser Geysir leider kaum oder gar nicht mehr selbst aktiv (hier scheiden sich jedoch die Geister, denn die Neuseeländer erzählen den Touristen das Gegenteil). Der Geysir reagiert nur, wenn in seine Öffnung Seife eingefüllt wird. Dadurch entstehen zwischen 10 und 20 Meter hohe Fontänen, welche über mehrere Stunden sprudeln können. Wir haben uns das Spektakel trotzdem angeschaut… manchmal muss es eben Touri sein 🙂

Langezeit haben wir das folgende Thema vor uns hergeschoben… und dennoch haben wir uns für die Fahrt in das „Auenland“ entschieden. Ja, wir gehören zu den (tatsächlich) 40 Prozent der Hobbiton-Besucher, welche weder die Filme gesehen, noch die Bücher gelesen haben! Als Unwissende und vollkommene Banausen hinsichtlich der Hobbit-Trilogien beginnen wir natürlich erst einmal zu googeln! Wir sind im Land der Hobbithöhlen, in Mittelerde, in Beutelsend… und wollen die wohl einmalige Chance nutzen, das auch zu sehen und vor allem zu verstehen! Aber um was genau geht es überhaupt …?

Wikipedia sagt unter anderem… „Hobbits oder Halblinge sind fiktive, 60 bis 120 cm große menschenähnliche Wesen in der von J.R.R. Tolkien geschaffenen Fantasiewelt Mittelerde. Sie spielen in den Romanen „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ eine tragende Rolle, ebenso in den Verfilmungen von Sir Peter Jackson. Die Proportionen des Körperbaues entsprechen dabei weitgehend denen eines normal ausgewachsenen Menschen. Außerdem haben sie behaarte und außergewöhnlich große Füße mit lederartigen Sohlen und tragen selten Schuhe. Weitere Merkmale sind lockige Haare sowie charismatische, aber selten wirklich schöne Gesichter. Trotz aller Unterschiede sind Hobbits eine Nebenlinie der Menschen Mittelerdes und tragen damit das gleiche Schicksal wie diese: die Sterblichkeit von Körper und Seele. Nach ihrer großen Wanderung wurde das Auenland die Heimat der Hobbits. Das hügelige Auenland befindet sich im Westen von Mittelerde und ist zum Bau von Hobbithöhlen gut geeignet.“ Und dieses Stückchen Erde auf einer Privatfarm der Familie Alexander schauen wir uns jetzt erst einmal genauer an…

Es ist wirklich verrückt, wie liebevoll Hobbiton auch heute noch, Jahre nach den Dreharbeiten, gepflegt wird… hier stimmt einfach jedes Detail. Fruchtbare Gärten, gerade geerntetes Gemüse, frisch gewaschene Wäsche und dampfende Schornsteine… fehlen nur noch Bilbo und Frodo! Mindestens eine von uns fühlt sich hier richtig wohl… endlich Häuser in der passenden Größe 🙂 Fest steht auf jeden Fall, dass sich der Besuch auch für NICHT-Hobbit-und-Herr-der-Ringe-Nerds lohnt und dass wir uns die Filme an einem oder eher mehreren gemütlichen Abenden in der Heimat unbedingt anschauen müssen!
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal Neuseelands ist das inoffizielle Nationalsymbol – der KIWI. Ein eigentlich unscheinbarer, flugunfähiger Vogel, ungefähr so groß wie ein Huhn, welcher aufgrund seiner Einzigartigkeit und Seltenheit zu DEM Tier des Landes geworden ist. Langezeit hatte der kleine Kiwi in seinem Inselparadies keinerlei Feinde, er musste sich nicht verstecken, wurde nicht gejagt und stand in der Nahrungskette ganz oben, sodass er das Fliegen im Laufe vieler Jahre einfach verlernte. Doch irgendwann kam der Mensch und brachte alles aus dem Gleichgewicht! Nicht dass die Menschen den Kiwi jagten, im Gegenteil… der Plan war ein völlig anderer… welcher nur leider nicht zu Ende gedacht wurde. Mithilfe von „eingeflogenen“ Opossums und Frettchen wollten die Neuseeländer der Hasenplage Herr werden. Leider erkannten die gefräßigen „Neuankömmlinge“, dass es weitaus einfachere Beute gibt, als die flinken Karnickel… zum Beispiel die blinden, flugunfähigen, nichts ahnenden Kiwis. So nahm die Zahl dieser einzigartigen Vögel nach und nach rapide ab. Heute sind sie extrem selten und nur mit sehr, sehr viel Glück, nachts in den Wäldern im Unterholz in freier Natur zu finden. Auch wir haben uns auf die Suche gemacht, sind nach Einbruch der Dunkelheit an zwei verschiedenen Nächten durch die Kauri-Wälder gepirscht… und JA, natürlich hatte mindestens eine von uns wieder die schlimmsten Entführungs-Szenarien im Kopf… NACHTS ALLEIN IM FINSTERSTEN ALLER WÄLDER!!! Während die Träumerin furchtlos loszog, durchspielte die Realistin alle Überfallmöglichkeiten… naja, ihr kennt uns ja mittlerweile 🙂 …doch außer weiteren abenteuerlustigen, Kiwi-suchenden Touristen haben wir nichts gesehen. Leider ist es uns nicht gelungen, einen der Vögel zu entdecken. Aber wir bilden uns zumindest ein, welche gehört zu haben… denn die kleinen Kiwis schniefen nämlich während der Futtersuche wie kleine Schnupfnasen – also wir glauben ganz fest daran, dass wir das gehört haben 🙂

So langsam mussten wir uns nun vor Augen halten, dass unser Camperleben bald vorbei ist. Niemals hätten wir nur ansatzweise gedacht, dass es tatsächlich schwer fallen würde, unseren kleinen Rudi abzugeben! Er fuhr mit uns über 5000 Kilometer durch eines der schönsten Länder der Welt und hat uns keine einzige Minute im Stich gelassen. Und wieder haben wir gemerkt, dass es nicht viel zum Glücklich sein benötigt…

„Irgendwann ändern sich nicht die Dinge, sondern die Bedeutung, die wir Ihnen geben.“